Ein Ortsporträt von Gudrun Fünter

Maxsain hat, was alle anderen Kommunen im Land schon lange nicht mehr haben: Hier steht die letzte aktive Gerberei in Rheinland-Pfalz. Zwar wird schon lange nicht mehr in großem Stil gegerbt, die Konkurrenz aus Billiglohnländern ist zu erdrückend. Doch noch immer bearbeitet Gerbermeister Jörg Weiss Schaffelle, Sauschwarten oder färbt Rindsleder in kleinen Chargen. Kunden kommen weit her, um bei Jörg Weiss nach individuellen Wünschen gerben oder färben zu lassen.

Gleich in der Nachbarschaft werden in der Lederbekleidungsfabrik Arnold Weiss einige tausend Lederhosen pro Jahr Jahr genäht. Firmeninhaber Klaus-Dieter und Sylvia Kuhl haben sich auf hochwertige Maßanfertigungen spezialisiert, darunter auch wasser- und schmutzabweisende Nubuk-Lederhosen für den Outdoorbereich. In Maxsain werden ganze Trachtengruppen ausgestattet, hier nähten fleißige Hände auch die größte Lederhose Europas, für den Eurofanten im Europapark Rust. Beide Betriebe blicken auf eine über 50-jährige Tradition am Standort Maxsain. Die Brüder Weiss kamen nach dem Krieg aus dem Sudetenland in den Westerwald, brachten Erfahrungen eines Familienbetriebes mit. In Maxsain und Umgebung gab es reichlich Landwirtschaft und damit auch viele Kunden.

Doch seinen früheren landwirtschaftlichen Charakter sieht man dem heutigen Dorf kaum noch an. Es gibt nur noch zwei Aussiedlerhöfe. Die allerdings machen immer wieder von sich reden. Bei Annette und Andreas Aller ruhen Kühe auf Wasserbetten, immer mal wieder laden die Allers zu Hoffesten ein. Im letzten Jahr gab es sogar ein Maislabyrinth zu bestaunen und zu begehen, aus dem 1.000 Besucher noch vor der Maisernte herausfanden. Das 1.163-Einwohner-Dorf birgt auch kulturhistorische Kleinode, wobei sein Wahrzeichen die evangelische Kirche ist, mit einem schon vor 1500 errichteten romanischen Turm. Ein 330 Jahre altes Fachwerkhaus, das "Haus Sahm", ziert gleich die Titelseite des "Westerwaldführers". Und auch das ist einmalig im Land: In Maxsain gibt es das einzige private Elektrizitätswerk in Rheinland-Pfalz. Seit über 100 Jahren beliefert die Hammermühle der Familie Schneider viele Maxsainer mit Strom.
Maxsain
Am Saynbach 5-7
56242 Selters/Westerwald
Tel: 02626/764-0
Fax: 02626/76420
| Daten & Fakten | |
| Einwohnerzahl: | 1163 (Stand: 2005) |
| Gemeindeart: | Wohngemeinde |
| Geschichte: | Erste Erwähnung in einem Lehnsbuch, geführt zwischen 1194 und 1198 |
| Touristik: | Badesee und Campingplatz, Klingelwiese, zwei Gaststätten |
| Vereine: | Jagdhornbläser Unterwesterwald & Dreiherrenstein, TuS Maxsain |
Letzte Änderung am: 03.02.2005, 00.00 Uhr