Ein Ortsporträt von Vera Panhoff

Bacharach kennt jeder, aber wer kennt schon Steeg? Dabei ist es mit über 700 Einwohnern der größte Ortsteil von Bacharach, seit 1969 eingemeindet. Doch während Bacharach Stadtrechte hatte, sogar eine eigene Münze und als Weinhandelszentrum "weltläufig" war, blieb Steeg ein Bauerndorf: Die Bacharacher holten in Steeg ihre Milch.
Seinen eigenen Charakter hat Steeg bis heute behalten. "Hierzuland" sammelt Eindrücke entlang der "Blücherstraße", der Hauptstraße durchs Steeger Tal. Hier zog vor fast 200 Jahren Feldmarschall Blücher mit seiner Armee - nach dem spektakulären Rheinübergang bei Kaub - Richtung Frankreich.

Käme der Sieger über Napoleon, der "Marschall Vorwärts", noch einmal hierher, fände er manches vertraut, anderes erstaunlich verändert. Z. B. gibt es noch viele Fachwerkhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert und Ortsmittelpunkt ist wie damals die Sankt Anna-Kirche mit ihrer Orgel aus der Werkstatt der Gebrüder Stumm. Die war 1814 gerade 20 Jahre alt.
Und wer stellt gerade das Haupt-Touristenkontingent? Hunderte von Franzosen scheinen in Bacharach und Steeg eingefallen zu sein. Sie werden freundlich bewirtet, beherbergt. Sie spazieren durch den Wildpark und genießen den guten Wein, der schon zu Blüchers Zeiten hier wuchs. Man feiert deutsch-französische Freundschaftstage! Die Zeiten sind anders geworden. Steeg ist kein Kuhdorf mehr. Es ist immer noch ländlich und doch weltoffen: "Marschall Vorwärts" würde staunen!

Was Blücher aber verblüffen könnte: "Hausherrin" in Sankt Anna ist eine Frau Pfarrerin. Steeger Winzer planen in der Kirche eine Weinprobe zugunsten der Renovierung der Orgel. Das Gasthaus "bei der Post" wird von zwei Männern geführt, die zum gleichen Zweck "Benefizessen" veranstalten. Im Gasthaus "Blüchertal" sieht die "Blücherstube" zwar noch fast aus wie vor 200 Jahren, doch der Pächter stammt von der Elfenbeinküste und kocht häufig auch afrikanisch.
Steeg/Stadt Bacharach
Koblenzer Str. 18
55411 Bingen am Rhein
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Letzte Änderung am: 09.07.2004, 00.00 Uhr