Ein Ortsporträt von Oliver Wittkowski

Einen vollständigen Panoramablick auf das Bergdorf Urmersbach in der Osteifel bekommt der Besucher nicht zu sehen: Die 500-Seelen-Gemeinde an der Grenze des Landkreises Cochem-Zell zieht sich weit hinein in die Seitentäler. Verschlungene Wege und Treppen führen bergauf und bergab, enden manchmal abrupt als Sackgasse.

Ein Weg führt aber schnurgerade mitten durch das Dorf: die Eisenbahnstrecke Mayen-Gerolstein. Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts eröffnet, 100 Jahre später wieder eingestellt - und nun verbindet sie seit drei Jahren wieder im Stundentakt das Dorf mit der Welt. Durch die Eisenbahn gab es in dem Dorf, in dem durch die Hanglagen kaum Viehwirtschaft möglich war, schon frühzeitig viele Pendler. Diese arbeiteten vor allem in den Mayener Schiefergruben. Trotzdem hatten die wenigsten Dorfbewohner die Mittel, ihre Häuser mit Schieferplatten zu decken. Vielleicht haben sie sich auch deshalb bei der Restaurierung ihrer Bergkapelle einen Schieferfußboden geleistet.

Von den vielen Mühlen, die einst um den Ort am Steil- bzw. Urmersbach angesiedelt waren, ist heute die Obermühle gut restauriert in den Händen eines Künstlerehepaares. Auch diese beiden Neubürger mussten verschlungene Wege gehen, um zu ihrem Heim zu gelangen.
Das nostalgische Flair dieses Orts wird nicht zuletzt durch die aktuellen Feierlichkeiten bestimmt: Urmersbach wird dieses Jahr 750 Jahre alt. Besenbinder und Spinnerinnen üben schon, die Traditionen des Ortes wieder lebendig zu machen. Das ist nicht zuletzt auch eine Investition in die Zukunft: Durch die wiedereröffnete Eisenbahnlinie hoffen die Urmersbacher, den Wander- und Fahrradtourismus nun stärker für die Gemeinde nutzen zu können.
Urmersbach
Bahnhofstr. 47
56759 Kaisersesch
Tel.: 02653/9996-0
Fax: 02653/9996919
Letzte Änderung am: 20.06.2003, 00.00 Uhr