Ein Ortsportrait von Nadja Rangol
aus der Sendung vom Mittwoch, 5.8.2009 | 18.45 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Schaut man in Hinterweiler tatsächlich ein wenig hinter die Fassaden der blumenverzierten Häuser, so wird relativ schnell klar: Eigentlich müsste es diesmal heißen „Tierzuland Hinterweiler“. Denn die Anzahl der Tiere übersteigt die Anzahl der 272 Menschen, die hier in der Eifel bei Daun leben, um ein Vielfaches. Ob wohl deshalb so viele erschlossene Baugrundstücke zu haben sind, damit sich die Anzahl der Menschen gegenüber der Tiere endlich ein wenig erhöht?
Für junge Familien ist Hinterweiler sicherlich ein schöner, ruhiger Ort mit neuem Spielplatz und einem kleinen, aber feinen Vereinsleben. Da wären wir wieder bei den Tieren: Der Angelverein beispielsweise kümmert sich liebevoll um den am Ortsrand gelegenen Weiher, in dem Forellen und andere Fische leben. Natürlich engagiert er sich auch für die Menschen: mit sonntäglichen Früh- und Spätschoppen im Vereinsheim neben dem Weiher. Dort kommen Jung und Alt, Frauen und Männer regelmäßig zusammen – eine Gaststätte nämlich gibt es nicht mehr.
Aber auch zu hören ist die besondere Tierliebe der Menschen in Hinterweiler: Ob es der Pokal- ausgezeichnete Hahn einer Hinterweiler Zwerg-Cochin-Zucht ist, der beim alljährlichen Wettkrähen des Rassegeflügelzuchtverein Hocheifel bereits auf dem Siegerpodest brilliert hat. Oder ob es die drei Esel sind, die in einem anderen Hinterweiler Garten singen: Vater, Mutter und der hier vor einem Jahr auf der Wiese zur Welt gekommene Esel-Sohn Hektor.
Haupterwerbslandwirte gibt es nicht mehr im Ort, dafür vier Nebenerwerbslandwirte und Dammwildhalter. Auch in einem ehemaligen Bauernhof ist wieder Leben eingezogen: Eine junge Familie, Mitglieder in der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen, ist vor einem Jahr nach Hinterweiler gekommen - mitsamt Schweinen, Ziegen, Kühen, Hühnern, Puten – fast alles alte Haustierrassen.
Fast vogelgleich schweben bei gutem Wetter jedes Wochenende Drachenflieger über Hinterweiler – denn auf der Gemarkung befindet sich der kleinste Ultraleichtflugplatz Deutschlands. Nur dass aus dem Ort selbst dort niemand Mitglied ist.
Aus tierischer Sicht ist somit der Wanderführer ein echter Exot in Hinterweiler: Mit interessierten Urlaubern unternimmt er Ausflüge zu den Höhlen des Ernstbergs - an dessen unterem Hang die ersten Häuser des Ortes liegen. Der Ernstberg ist mit 698 Metern der zweithöchste Berg der Eifel und vulkanischen Ursprungs - noch bis Ende des 19. Jahrhunderts schlugen die Menschen hier Mühlsteine.

Hinterweiler
Verbandsgemeinde Daun
Leopoldstr. 29
54550 Daun
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Letzte Änderung am: 03.07.2009, 23.43 Uhr