Ein Ortsporträt von Gabi Keller
aus der Sendung vom Freitag, 30.10.2009 | 18.45 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Gumbsweiler ist ein Ortsteil von St. Julian und liegt im Kuseler Bergland an den Ufern des Glan. Der kleine Fluss hat früher einmal vier Mühlräder angetrieben. Heute ist noch eine Getreidemühle aus dem Jahr 1546 in Betrieb. Mit 120 Jahren nicht ganz so alt ist die Dorfwirtschaft. Hier treffen sich unter anderem die Senioren – wenn sie nicht am Pinguinplatz stehen. Und dort stehen sie jeden Tag. Der Pinguinplatz ist eine überdachte Bushaltestelle, an der niemals ein Bus halten wird. Denn Busse verkehren dort nicht. Gebaut wurde die Haltestelle nur als Unterstellplatz für die Senioren. Und der Mundart-Dichter von Gumbsweiler hat ihr den Namen verpasst: Denn Senioren stehen dort oft in eisiger Kälte und treten dann von einem Fuß auf den anderen – wie die Pinguine.

Die knapp 500 Einwohner sind sehr traditionsbewusst: Einmal im Jahr, am Johannistag, ziehen sie singend durch den Ort und sammeln Eier und Wein. Das „Gehansenacht-Singen“ ist ein in Gumbsweiler erfundener Brauch. Brauch ist auch das Mandoline-Spielen. Seit den 1960er Jahren lassen die Eltern ihre Kinder auf dem südländischen Instrument üben. Das Gumbsweilerer Mandolinenorchester ist mittlerweile überregional bekannt. Nur mit einer Tradition haben die Ortsbewohner gebrochen: Statt Kühe zu halten lassen sie heute Herden von Damwild auf den Steilhängen rund um Gumbsweiler grasen.

Gumbsweiler
Verbandsgemeinde Lauterecken
Schulstraße 6a
67742 Lauterecken
Tel: 06382/791-0
Fax: 06382/79149
Letzte Änderung am: 31.10.2008, 23.32 Uhr