Ein Ortsporträt von Gabriele Heyder
aus der Sendung vom Samstag, 31.10.2009 | 18.05 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Wer Abtei besucht, ein Stadtteil von Hermeskeil, kommt unweigerlich an einer Concorde vorbei. Für die Abteier ist dies nichts ungewöhnliches, leben sie doch in Greifnähe zur Flugausstellung, die mit ihren 112 Flugmaschinen, ein Mekka für Freunde der Luftfahrttechnik ist. Um die 500 Menschen leben in Abtei. Sie haben eine abenteuerliche Geschichte hinter sich - oder, besser gesagt - ihre Vorfahren. Noch immer herrscht in dem kleinen Ort ein Zusammenhalt, von dem auch Nicht - Abteier sagen, er sei ein besonderer. Wer die Geschichte des Ortes kennt wundert sich nicht…
1834 – das Gründungsjahr von Abtei. Im selben Jahr wird in England die Sklaverei abgeschafft, in den Straßen von Berlin brennt die erste Gasbeleuchtung. Seit nunmehr 19 Jahren gehören die linksrheinischen Gebiete zu Preußen. Die Menschen, die einmal Abteier werden sollten, die nehmen nichts davon wahr, wie auch, ergeht es ihnen doch schlecht in einer Umgebung, die von ihnen nichts wissen will. Denn die Vorfahren der Abteier kommen aus dem heutigen Belgien, es sind Wallonen, Facharbeiter, die in den neuen Eisenwerken schuften.
Die junge Geschichte von Abtei ist eine von Heimatlosigkeit und Armut – sie beginnt mit den erblühenden Eisenwerken im Hochwald. Ende des 17. Jahrhunderts entsteht im Nachbarort Züsch eine Eisenschmelze. Aus dem heutigen Belgien kommt ein Wallone nach Züsch - De Hauzeur (gespr. Dosör) - ein Fachmann auf dem Gebiet der Eisengewinnung. Er bringt seine Landsleute mit, denn im Hunsrück fehlen Facharbeiter. Als die Eisenschmelzen erkalten, verelenden die Wallonen. Die preußische Regierung zwingt die Menschen, sich anzusiedeln – dafür lässt sie einen Buchenwald roden – das heutige Abtei – das ist 1834. Seit 1951 ist Abtei ein Stadtteil von Hermeskeil. Nichts erinnert mehr an die elende Vergangenheit, doch die Erinnerung daran ist in der Chronik von Abtei festgehalten.

Abtei
Langer Markt 17
54411 Hermeskeil
Tel.: 06503/809-0
Fax.: 06503/809200
Letzte Änderung am: 05.09.2008, 23.53 Uhr