SENDETERMIN Do, 20.12.2007 | 18.45 Uhr

Neumagen

Ein Ortsporträt von Wolfgang Bartels

„Stella Noviomagi“ – der „Stern von Neumagen“ fährt wieder auf der Mosel: ein Römerschiff, nachgebaut aus Holz und bewegt von zwanzig Ruderern. Vorbild ist eine Steinskulptur, die als „Römisches Weinschiff von Neumagen“ in die Annalen einging. Wenn die „Stella Noviomagi“ ihre Runden dreht, ist manchmal auch der römische Dichter Ausonius an Bord – dargestellt von Gästeführer Joachim Fischer. Und der rezitiert das älteste Gedicht über die Mosel, die „Mosella“ des Ausonius: „Et tandem primis belgarum conspicor oris Noviomagum divi castra inclita constantini.“ Das heißt: „Und endlich erblickte ich im Grenzland der Belger Neumagen, das berühmte Lagerkastell des göttlichen Kaisers Konstantin.“

So alt ist die Geschichte des Moseldorfes Neumagen. Gegründet wurde es bereits im 1. Jahrhundert als Marktort an der mittleren Mosel. Im 4. Jahrhundert ließ Kaiser Konstantin den Ort zu einem großen Lagerkastell ausbauen, umfasst von einer großen Mauer, 100 mal 130 Meter im Oval. Da Steine knapp waren, wurden beim Bau der Festungsmauern auch Grabmäler aus dem 2. und 3. Jahrhundert wiederverwendet. Bei Ausgrabungen Ende des 19. Jahrhundert tauchten diese Grabmäler, Reliefs und Skulpturen auf und begründeten Neumagens Ruf als „moselländisches Pergamon“. Die bekannteste Skulptur ist eben das „Römische Weinschiff“, dessen Nachbildung aus Holz nun wieder über die Mosel kreuzt.

Das heutige Neumagen zählt 1300 Einwohner und bildet zusammen mit dem Nachbardorf Dhron die Gemeinde Neumagen-Dhron. Wie vor 2000 Jahren lebt Neumagen vor allem vom Weinbau und hat sich zu einem der meist besuchten Touristenorte an der Mittelmosel entwickelt. Dem Kaiser Konstantin hält besonders Winzer Rüdiger Schwarz die Treue. Sein Weingut heißt „Konstantin-Höhe“ und in der Weinstube „Vinopolis“ unten im alten Festungsbering schenkt er „Konstantin-Wein“ aus. Zusammen mit dem benachbarten Bäckermeister Reinhard Kreusch hat er den „Hinterburger Flammkuchen“ kreiert, der in der Weinstube serviert wird. Das Moseldorf zieht kreative Geister an. Direkt neben dem Heimatmuseum arbeiten Manfred und Moni Tomaschewski im Atelier Gaia, sie Bildhauerin und Malerin, er Töpfer. In einem alten Gutshaus hat der renommierte Goldschmiedemeister Nico von Scotti seine Werkstatt eingerichtet.

Wenn man mit der „Stella Noviomagi“ über die Mosel fährt, dann ist man auch geneigt, eine Legende für wahr zu halten, die über ein Ereignis im Leben des Kaisers Konstantin berichtet, das die Welt veränderte. Hier, am Kronberg über den Moselhängen, soll Konstantin am Himmel das Kreuzzeichen erschienen sein: „In hoc signo vinces“ – „In diesem Zeichen sollst Du siegen“. Und tatsächlich: In der berühmten Schlacht an der Milvischen Brücke besiegte Konstantin seinen Widersacher. Das Abendland wurde christlich. Wenn die Legende stimmt, wurde in Neumagen wahrlich Weltgeschichte geschrieben.

Neumagen

Verbandsgemeinde Neumagen-Dhron

Römerstraße 137
54347 Neumagen-Dhron
Tel: 06507/9255-0
Fax: 06507/925555

www.neumagen-dhron.de

Daten & Fakten
Einwohnerzahl:1.300 (Stand: Juli 2007)
Gemeindeart:Winzer- und Touristenort an der Mosel, vom Weinbau geprägt
Geschichte:Gegründet im 1. Jh. als römischer Marktort an der Mittelmosel. Im 4. Jh. Ausbau zum Lagerkastell Noviomagus. Ende des 19. Jh. spektakuläre Ausgrabungen von römischen Grabmälern. Seit Juni 1969 mit dem Nachbardorf Dhron zur Gemeinde Neumagen-Dhron zusammengeschlossen.
Tourismus:Römerschiff „Stella Noviomagi“, Weingüter und Winzerstuben, Yachthafen, Heimatmuseum, Wander- und Radwege an der Mosel und in den Weinbergen
Vereine:Big Band Twenty Up, Freiwillige Feuerwehr, Karnevalsverein “Fröhlicher Steuermann”, Kulturverein Ausonius,Luftsportverein Neumagen-Dhron


Stand: 07.12.2007, 23.49 Uhr

Sendung vom

Do, 20.12.2007 | 18.45 Uhr

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