Ein Ortsporträt von Christian Gallon
Sendung vom Sonntag, 11.5.2008 | 18.05 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Als "Ouve" wird der Ort erstmals urkundlich im 12. Jahrhundert im Güterverzeichnis des Klosters St. Maximin zu Trier erwähnt. Der Siedlungsname bezieht sich also auf die Lage: gelegen in den "Auwen" - dem Wiesengrund - des Kylltales. Heute leben in der kleinen Gemeinde in der Südeifel rund 170 Menschen.
Eine Besonderheit ist das Schwesternhaus Sankt Elisabeth. In ihm leben und erholen sich seit den 50er Jahren Schwestern des Borromäer-Ordens (benannt nach einem italienischen Kardinal), die zum Mutterhaus, einem Krankenhaus in Trier gehören. Derzeit leben mit den Schwestern Edelberga, Silva, Ruthild und Bethilia vier Ordensschwestern in Auws Schwesternhaus. Dort findet - offen für alle Auwer - täglich in der kleinen Hauskapelle ein Gottesdienst statt. Die vier Schwestern engagieren sich aber auch im Ort - zum Beispiel mit dem regelmäßig stattfindenden Seniorennachmittag im Gemeindehaus.

Gleich gegenüber eine weitere Besonderheit: Der Bahnhof von Auw. Zwar halten hier nach wie vor Züge (zwei pro Stunde), doch das Bahnhofsgebäude ist seit 1993 im Privatbesitz der Familie Driesen. Die hat das alte Gebäude vier Jahre lang gründlich saniert, lebt hier seit 1999 und genieß das Wohnen mit dem besonderen Flair. Und in der ehemaligen Wartehalle sitzen heute mehrere hundert Teddys und Puppen, die zur Sammlung von Gabriele Driesen gehören.
Eine umfangreiche Fotosammlung besitzt Wolfgang Koster. Der Hobbyfotograf - der auch die Internetseite von Auw gestaltet hat - kennt alle Ecken seines Heimatortes. Hunderte Bilder hat er geschossen: von Flora und Fauna in den umliegenden Wäldern und Auen, der Kyll mit ihrer Sandsteinbrücke, der Pfarrkirche und Gebäuden im Ort.
Gebürtiger Auwer ist auch Roland Michel. Der Bildhauer und Steinmetz, dessen Arbeiten auch bei internationalen Ausstellungen zu sehen sind, arbeitet sowohl für Schulen in der Region, als auch für Museen in Übersee. In Auw holt er sich die Inspiration für seine Werke, von denen einige im elterlichen Garten an der Kylltalbrücke stehen - direkt an der Bahnlinie der kleinen Gemeinde, die früher auch als Wallfahrtsort bekannt war - dank einer Legende.

An die Eselslegende erinnern heute zwei Kreuze - eines oben im Wald, das andere ein paar hundert Meter entfernt im Tal auf der anderen Seite der Kyll. Der Legende nach soll hier vor vielen Jahrhunderten ein Esel mit einem riesigen Sprung drei verfolgte Jungfrauen vor dem Tod gerettet haben. Und zum Dank errichteten die drei eine kleine Kirche. Die Legende war in den 50er Jahren auch Thema eines Theaterstücks. Elisabeth Krütten, heute 76 Jahre alt, erinnert sich daran, wie sie als 22-Jährige im Sommer 1953 mit den anderen Laienschauspielern hier in Auw vor tausenden von Zuschauern "großes Theater" bot - auch eine Besonderheit dieses kleinen beschaulichen Ortes in der Südeifel.

Auw an der Kyll
Bahnhofstr. 36
54662 Speicher
Tel: 06562/64-0
Fax: 06562/6459
Letzte Änderung am: 10.05.2007, 00.00 Uhr