Ein Ortsporträt von Wolfgang Bartels
Sendung vom Dienstag, 21.8.2007 | 18.45 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Als "Musweiler Domherren" werden die Einwohner von Musweiler von ihren Nachbarn verspottet. Doch in dem kleinen Dorf am Rande der Vulkaneifel gibt es gar keinen Dom, nur eine klitzekleine Kapelle. Aber trotzdem sind die Musweilerer stolz auf ihren Namen, denn er beweist, wie clever sie eigentlich sind.
Es war vor gut zweihundert Jahren, da brauchte die Dombauverwaltung zu Trier dringend Geld, um den dortigen Dom zu renovieren. Also schrieb man Anleihen aus - Laufzeit zwanzig Jahre mit hohen Zinsen. Die Bauern aus Musweiler zeichneten für 1200 Taler. Doch dann wollte die Dombauverwaltung viel eher zurückzahlen und die Bauern um die Zinsen prellen. Musweiler lehnte ab, der Dom musste zahlen - und seither spotten die Nachbarn neidvoll über die "Musweiler Domherren".

Roman Hebler, der Altbürgermeister, hat den Spott auf die Spitze getrieben. Vor Jahren hat er rund um Musweiler viele Obstbäume angepflanzt, die Früchte lässt er zu Schnaps brennen - seinem "Domherren-Tröpfchen".
75 Einwohner zählt das kleine Dorf, gelegen zwischen dem Kloster Himmerod und dem Luftkurort Manderscheid auf einer Anhöhe über dem Flüßchen Salm. Die sumpfigen Wiesen an der Salm haben Musweiler den Namen gegeben, denn im Mittelhochdeutschen heißt Sumpf "mus". Die meisten Einwohner leben noch immer von der Landwirtschaft. Vier Haupterwerbsbetriebe gibt es - mit insgesamt gut 300 Kühen. Auch das war schon immer so: Im Dorf gibt es wesentlich mehr Kühe als Einwohner.

Das Dorf liegt einsam am Ende der Zufahrtsstraße. Durchgangsverkehr und moderne Bauwut sind Musweiler erspart geblieben. Sogar beim Ausbau der Dorfstraße haben die Einwohner darauf gedrängt, dass das alte Kopfsteinpflaster aus den dreißiger Jahren erhalten bleibt. So bietet der Ort bis heute Eifel-Idylle pur.

Musweiler
Kurfürstenstr. 15
54531 Manderscheid
Tel: 06572/9215-0
Fax: 06572/921550
| Einwohnerzahl: | 75 (Stand: 2006) |
| Gemeindeart: | landwirtschaftlich geprägtes Dorf, das das alte Ortsbild bewahrt hat |
| Geschichte: | 1171 erstmals urkundlich erwähnt. Soll Sitz einer Wasserburg gewesen sein, von der es aber keine Spuren mehr gibt. |
| Tourismus: | Wanderwege im Tal der Salm und zum Kloster Himmerod |
Letzte Änderung am: 03.08.2006, 00.00 Uhr