Ein Ortsporträt von Wolfgang Bartels
aus der Sendung vom Montag, 20.4.2009 | 18.45 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Wie kommen Sie nach Pfalzel? Am schönsten ist es, sich nach alter Sitte per Schiff auf den Weg zu machen. Schon im 19. Jahrhundert war der Bootsausflug nach Pfalzel das Sonntagsvergnügen der Trierer. Heute fährt die „Undine“ und bringt während der warmen Jahreszeit viele Touristen nach Pfalzel, denn hier sind auf engstem Raum Spuren einer fast 2000jährigen Geschichte zu bestaunen.
Römischer Palast, fränkisches Kloster, erzbischöfliche Burg – das alles ist Pfalzel gewesen. Schon die Römer gönnten sich den kleinen Schiffsausflug von ihrer Kaiserresidenz nach „Palatiolum“, der „kleinen Pfalz“, wie sie die Sommerfrische am Moselufer unterhalb von Trier nannten. Bis heute umschließt eine Festungsmauer den historischen Ortskern von Pfalzel. Und auch das älteste bewohnte Steinhaus Deutschlands, im 4. Jahrhundert erbaut von den Römern, befindet sich hier.

Pfalzel hat sich viel von seinem ländlich-dörflichen Charakter erhalten, auch wenn es seit 1969 keine eigenständige Gemeinde ist. Gegen allen Protest wurden damals die 3500 Pfalzeler nach Trier eingemeindet, um der alten Kaiserresidenz zum Großstadt-Status zu verhelfen. Heute ist Pfalzel ein Stadtteil von Trier.
Die „Viez-Gruppe“ erinnert an die Zeiten, als rings um Pfalzel noch Landwirtschaft betrieben wurde und Streuobstwiesen blühten. Mitten im Ort haben sie eine Obstkelter aufgestellt. Den „Viez“ (Apfelwein), den Wein der armen Leute“, trinken sie nur aus dem Porzellankrug, der traditionellen „Porz“. Nicht mehr Dorf, aber auch nicht richtig Stadt: Das ist genau das Ambiente, das der Keramiker Leo Dellwoo gesucht hat. 1997 kam er vom Hunsrück nach Pfalzel, um sein Atelier zu eröffnen. Heute gestaltet er Skulpturen – „Körperformen“ nennt er seine Kunst.

Wenn Sie alles in Pfalzel gesehen haben, nachdem Sie sich in der Klosterschenke gestärkt haben, dann wartet am Moselufer die „Undine“, die sie wieder in den Trubel der Großstadt Trier zurückbringen wird.

Pfalzel
Rathaus
Am Augustinerhof
54290 Trier
Tel: 0651/718-0
Fax: 0651/718-1138
| Daten & Fakten | |
| Einwohnerzahl: | 3500 (Stand: Januar 2008) |
| Gemeindeart: | Stadtteil von Trier, in dem es sich angenehm wohnen läßt |
| Geschichte: | Im 4. Jh. errichteten wohlhabende Römer einen Palastbau außerhalb von Trier, genannt „Palatiolum“, die „kleine Pfalz“. Daraus entstand der heutige Namen Pfalzel. Um 690 Gründung eines Damenstifts durch die Fränkin Adula. Im 11. Jh. Gründung der erzbischöflichen Burg. Bis zum 16. Jh. Bau der Wallanlagen und Festungsmauern. 1969 Eingemeindung in die Stadt Trier |
| Tourismus: | Schiffsfahrten von Trier-Zurlauben nach Pfalzel, Festungsmauer mit Bastion, die eine frühere römische Palastanlage umschließt, Klosterschenke am Moselufer mit hervorragender Küche |
| Vereine: | Angelsportclub Pfalzel, Musikverein Pfalzel, Turn- und Sportclub Pfalzel, Initiative Pro-Pfalzel, Viez-Brüder |
Letzte Änderung am: 04.04.2008, 23.23 Uhr