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SENDETERMIN Do, 16.10.2014 | 18:45 Uhr | SWR Fernsehen RP

Verwaltung von digitalem Nachlass Analog verstorben, doch digital noch am Leben

Verstirbt ein Mensch, haben Hinterbliebene einiges zu tun. Ein Aspekt kommt dabei jedoch oft zu kurz: die Verwaltung des digitalen Nachlasses, denn auch der wird vererbt - und zwar mit allen laufenden Verträgen.

Was ist digitaler Nachlass?

Viele Verstorbene haben Verträge im Netz, zum Beispiel für das Online-Abo der Tageszeitung oder einen Streaming-Dienst, die mit Kosten verbunden sind. Oder der Verstorbene hat sein Geld gar bei einer Internet-Bank angelegt.

Andere sind in einem Businessnetzwerk aktiv gewesen und haben auch dafür monatlich bezahlt. Auch Einkäufe im Netz sind sehr beliebt, der Strom wird inzwischen online verwaltet und auf einer Spieleplattform die Kontonummer hinterlassen: Überall befinden sich Daten von Toten.

Warum ist die Aufarbeitung des digitalen Nachlasses wichtig?

Martin Holthausen ist Bestatter in Neuwied. Er berät nicht nur in Sachen Begräbnis, neuerdings spricht er Hinterbliebene auch auf das digitale Erbe an. Wenn Daten und Kontoverbindungen von Verstorbenen im Netz kursieren, sind sie ein Leckerbissen für Hacker.

Martin Holthausen

Martin Holthausen

Teuer können auch digital geschlossene Verträge, die einfach weiterlaufen, werden. Schon oft kamen Angehörige mit Mahnungen zu ihm. "Das sind die bösen Überraschungen, die wir erleben, wo wir sagen: 'Diese Daten müssen gelöscht werden', damit die Angehörigen nicht noch weiter finanziell belastet werden."

Wer hilft bei der Aufarbeitung?

Einige Erben kommen vielleicht alleine zurecht, kennen womöglich das Internetverhalten des Verstorbenen und können so seine Accounts löschen und Verträge auflösen.

Andere können beim Bestatter für rund 50 Euro ein so genanntes Online-Schutzpaket digitaler Nachlassdienste kaufen. Die machen sich anhand des Namens auf die Suche nach den Internetspuren des Verstorbenen. Bis zu 160 gängige Internetseiten werden dabei gründlich überprüft. Die Firma benötigt dafür aber eine Vollmacht der Erben.

Die Ergebnisse werden zurückgemeldet, aber nur, wenn der Kunde das auch wünscht. "Die Dienstleister haben Verträge mit den Providern und düfen mit Hilfe von Vor- und Zuname sowie Geburtsdatum prüfen, welche Bewegungen bei welchem Provider durchgeführt worden sind", erklärt Martin Holthausen. "Und sie können sich daraufhin dafür einsetzen, ob ein Konto stillgelegt oder weitergeführt wird."

Welche Vorkehrungen lassen sich bereits vor dem Tod treffen?

Barbara Steinhöfel

Barbara Steinhöfel

Das Thema digitaler Nachlass gewinnt immer mehr an Bedeutung, das merkt auch Barbara Steinhöfel von der Mainzer Verbraucherzentrale. Noch offene Accounts von Verstorbenen können die Pietät stören. Das Problem: Tragen diese Accounts Phantasienamen, findet auch der Nachlassdienst sie nicht.

"Ein Tipp ist, eine Liste zu führen, wo alle Accounts hinterlegt sind, sodass die Erben sich mit den Anbietern direkt in Verbindung setzen können" empfiehlt Barbara Steinhöfel von der Verbraucherzentrale. "Man kann das Ganze zudem auch mit einer testamentarischen Verfügung beim Notar hinterlegen. Hier muss man allerdings darauf achten, das regelmäßig zu aktualisieren, denn das digitale Leben steht niemals still."

Fazit:
Hinterblieben sollten sich unbedingt auch um das digitale Erbe kümmern, denn alle im Netz geschlossenen Verträge müssen verwaltet werden. Empfehlenswert ist, Angehörige schon zu Lebzeiten in sein Internetverhalten einzuweihen. Unwissende Angehörigen sollten auf die Dienste eines digitalen Nachlassservices setzen.

aus der Sendung vom

Do, 16.10.2014 | 18:45 Uhr

SWR Fernsehen RP

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