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Ein Mann fährt auf einem Elektrorad

SENDETERMIN Di, 3.5.2016 | 18:45 Uhr | SWR Fernsehen RP

Entspannter fahren mit Strom Hilfe im E-Bike-Dschungel

Über eine Millionen E-Bikes, die auch Pedelecs genannt werden, sollen zur Zeit in Deutschland unterwegs sein. Eine Fahrradtour am Rhein oder der Mosel – und das völlig ohne Anstrengung. So lautet das Versprechen der E-Bike-Hersteller, deren Räder zusätzlich zur Muskelkraft mit einem kleinen Motor angetrieben werden.

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Jeden Monat werden Tausende Pedelecs verkauft, manche für ein paar Hundert, andere für Tausende Euros. Die Hersteller überbieten sich mit Garantien hinsichtlich der Akku-Laufzeit, der Haltbarkeit und der Sicherheit. Doch viele der Versprechungen haben in Produkttests keinen Bestand, Produkttester finden immer wieder gravierende Mängel, die Zahl der Unfälle mit E-Bikes hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen.

Auf einmal sind wir alle Supersportler – mit 25 Stundenkilometer den Berg hochfahren und das ohne ins Schwitzen zu kommen. Mit dem E-Bike ist das möglich. Über eine Million sollen laut deutschem Zweirad-Industrie-Verband auf deutschen Fahrradwegen unterwegs sein. Die Zahl nimmt stetig zu.

Die Illusion von der Kraft in den Beinen

E-Bikes sind motorisierte Fahrräder. Sie fahren also nur, wenn man in die Pedale tritt. Doch beim E-Bike messen Sensoren die Muskelkraft und verstärkten sie dann mit einem Motor. Hört man auf zu treten, schaltet der sich wieder aus. "Es fühlt sich an wie auf einem  Fahrrad", sagt Erhardt Vortanz vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club in Rheinland-Pfalz (ADFC). "Der Motor führt ab einer Geschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde keine Kraft mehr zu. Aus Sicherheitsgründen."

Wer noch schneller fahren will, der muss sich ein so genanntes S-Pedelec kaufen. Sie kommen auf bis zu 45 Kilometer pro Stunde. Hier gilt Helmpflicht, ähnlich wie bei einem Mofa. Außerdem braucht der Besitzer ein Versicherungskennzeichen und einen Führerschein.

Das E-Bike als Risikofaktor im Straßenverkehr

Die deutsche Unfallversicherungsbranche schaut mit Skepsis auf die schnellen Elektroräder. Ihre Experten bemängelt, dass vor allem die Bremsen bei Nässe nicht ausreichen.

Tatsächlich sind S-Pedelecs im Vergleich zu normalen Fahrrädern deutlich mehr in Unfälle verwickelt, zeigen Statistiken der Polizei. "Das liegt auch daran, dass Autofahrer ihre Geschwindigkeit nicht wirklich einschätzen können und deshalb irritiert sind", sagt ADFC-Experte Erhardt Vortanz. "Dass S-Pedelecs so schnell unterwegs sein können, sieht man ihnen nicht direkt an."

Außerdem zeigen Produkttests, dass einige Räder unter hohen Belastungen zerbrechen. "Vor allem wenn der Motor vorne an der Gabel angebracht ist, ist das Risiko meiner Einschätzung nach am höchsten", so Vortanz. Bei einem Test der Stiftung Warentest vor zwei Jahren kam es zu zahlreichen Lenkerbrüchen, im vergangenen Jahr allerdings fiel das Testergebnis deutlich besser aus.

Das Märchen von der Akku-Laufzeit

E-Bikes brauchen Strom – der Motor wird von einem Akku betrieben. Die meisten Hersteller versprechen, dass ihre Räder 80 bis 100 Kilometer fahren können, ohne sie zwischendrin aufladen zu müssen. "Das schaffen aber nur die wenigsten", sagt ADFC-Experte Erhardt Vortanz.

"Wenn Sie durch die Eifel oder den Hunsrück fahren, dann haben Sie viel mehr Steigung und brauchen auch deutlich mehr Energie. Entsprechend verringert sich die Akku-Leistung." Realistischer ist eine Laufzeit von 30 bis 60 Kilometern. Es gilt: Hat der Akku einen hohen Wattstunden-Wert, hält der Akku auch deutlich länger.

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Hohe Preisunterschiede

Discounter bieten Pedelecs schon ab 900 Euro an, manche Hersteller verlangen 5000 Euro. Der Preisunterschied kommt durch die Materialien, zum Beispiel die Sensoren. "Billige Fahrräder lassen sich nicht wirklich fahren, weil der Motor entweder zu viel oder zu wenig Kraft beisteuert" sagt Erhardt Vortanz. "Das liegt daran, dass die Sensoren zu schlecht sind und die Muskelkraft oder die Beinbewegung nicht richtig messen."

Von außen ist das meist nicht erkennbar. Man muss also eine Probefahrt machen. "Generell gilt aber: Pedelecs unter 2000 Euro haben immer einen Haken", so Vortanz.

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