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Frauenrechtlerin Edith Stein Ein Opfer des Holocaust

Seit 1998 ist Edith Stein offiziell eine katholische Heilige - geboren und ermordet wurde sie aber als Jüdin. Wichtige Stationen ihres Lebens waren Bad Bergzabern und Speyer. Aus Schifferstadt gibt es das letzte Lebenszeichen von ihr.

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29:46 min | So, 9.10.2016 | 18:45 Uhr | Bekannt im Land | SWR Fernsehen RP

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Edith Stein - Jüdin, Ordensfrau, Heilige

Andreas Berg

Seit 1998 ist sie offiziell eine katholische Heilige, geboren und ermordet wurde sie aber als Jüdin: Edith Stein.

Edith Stein wurde 1891 in Breslau als elftes Kind einer jüdischen Familie geboren. Nach dem Abitur studierte sie in Breslau, Göttingen und Freiburg im Breisgau Psychologie, Philosophie, Germanistik und Geschichte. Die hochbegabte Wissenschaftlerin und überzeugte Frauenrechtlerin promovierte 1916 bei dem renommierten Denker Edmund Husserl, anschließend arbeitete sie als seine Hochschulassistentin.

Obwohl mit Auszeichnung promoviert, wurde sie als Frau nicht zur Habilitation in der Philosophie zugelassen. Zu den beruflichen Problemen kamen private hinzu. Zweimal verliebte sich Edith Stein leidenschaftlich - beide Male wurde sie enttäuscht.

Jahre in der Pfalz

In Bad Bergzabern in der Südpfalz, zu Gast bei ihrer Freundin Hedwig Conrad-Martius und deren Mann Theodor, kam es Anfang der 1920er Jahre zu einem entscheidenden Wendepunkt im Leben von Edith Stein. In einer einzigen schlaflosen Nacht studierte sie die biographischen Schriften der heiligen Teresa von Avila. Von den Aufzeichnungen der bedeutenden spanischen Ordensfrau und Karmelitin des 16. Jahrhunderts war sie völlig gefesselt und beschloss, sich katholisch taufen zu lassen.

Die Taufe fand am 1. Januar 1922 in der Pfarrkirche St. Martin in Bad Bergzabern statt. Zu Ostern 1923 siedelte Edith Stein dann in die Pfalz über und trat eine Stelle als Lehrerin an den Schulen der Dominikanerinnen von St. Magdalena in Speyer an. Bis heute wird dort das Andenken an sie wachgehalten. Beispielsweise ist ihr ehemaliges Zimmer im Pfortenhaus jetzt eine Gedenkstätte. Zudem sind Ausstellungsräume mit zahlreichen Schriften, Fotos und Dokumenten eingerichtet.

Große Pilgerscharen kommen aus dem In- und Ausland hierher. Für den katholischen Pfarrer Bernd Höckelsberger steht fest: "Sie kommen nicht aus einem Wunderglauben heraus, sondern bewusst, um eine Person kennenzulernen, besser zu verstehen, die ihr Leben ganz konsequent am Glauben ausgerichtet hat."

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Erinnerungen an Edith Stein

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Im Taufbuch der St. Martinskirche in Bad Bergzabern ist die Taufe von Dr. Edith Stein eingetragen.

Im Taufbuch der St. Martinskirche in Bad Bergzabern ist die Taufe von Dr. Edith Stein eingetragen.

An ihre Taufe erinnert ein ungewöhnliches Denkmal. Durch einen optischen Trick wird der Vorrübergehende ständig vom Blick der Heiligen verfolgt.

Die Farben und Formen eines Glasfensters in dem nach ihr benannten Pfarrzentrum in Bad Bergzabern symbolisieren ihre Lebensstationen. Die blaue Farbe steht für die Philosophie, Gelb und Rot für göttliches Licht und Dreifaltigkeit. Zu erkennen sind auch Davidstern und Kreuz.

In Speyer hängt eine Gedenktafel, die daran erinnert, dass Edith Stein regelmäßig zur Messe in den Dom "über diese Brücke" ging.

Im Kloster St. Magdalena, unweit vom Dom, arbeitet Edith Stein ab 1923 neun Jahre als Lehrerin. Auch hier bei den Dominikanerinnen wird bis heute das Andenken an sie wach gehalten. Sogar ihr Betstuhl ist noch vorhanden.

Ihr ehemaliges Zimmer im Pfortenhaus des Klosters ist heute eine Gedenkstätte.

Ein Denkmal am Kölner Börsenplatz stellt die in Auschwitz Ermordete in einer Dreifaltigkeit dar: als Jüdin mit Davidstern, als suchende Philosophin und gespaltene Zweiflerin sowie als Ordensfrau, den gekreuzigten Jesus tragend.

Zwei Stolpersteine, für Edith Stein und ihre Schwester Rosa, erinnern vor dem Karmel im niederländischen Echt an die beiden ermordeten ehemaligen Bewohnerinnen.

Von den Nazis verfolgt

1932 wechselte Edith Stein als Dozentin zum katholischen Institut für wissenschaftliche Pädagogik in Münster. Auf Druck des Nazi-Regimes musste sie ihr Lehramt in Münster 1933 aufgeben und trat in Köln in den Orden der Karmelitinnen ein. Sie nahm den Ordensnamen Teresia Benedicta a Cruce an.

"Als ein Kind des jüdischen Volkes" hatte sie sich bereits im März 1933 in einem Brandbrief an Papst Pius XI gewandt. Sie bat ihn, öffentlich gegen die Judenverfolgung zu protestieren. Doch das katholische Oberhaupt erhörte sie nicht - statt einer Antwort sendete er ihr lediglich seinen Segen.

Durch ihre polizeiliche Anmeldung als katholische Ordensfrau war Edith Stein zunächst geschützt. Doch bei einer Volksabstimmung 1938 war sie nicht wahlberechtigt - weil sie "nichtarisch" war. Nach dieser Enttarnung als Jüdin siedelte sie, begleitet von ihrer Schwester Rosa, nach Echt in Holland um. Doch auch dort waren die beiden konvertierten deutschen Jüdinnen vor den Nazis nicht sicher. Am 2. August 1942 wurden sie nach Auschwitz deportiert.

"Buße für Andere"

Bereits 1939 hatte Edith Stein geahnt, was ihr bevorsteht, und begriff dies als Buße für Andere. Die Religionsphilosophin Hannah-Barbara Gerl-Falkovitz führt dazu aus: "Sie sagt das dann ganz deutlich in ihrem Testament: 'Für andere Sühne zu leisten, die schlechthin unglaublich Böses tun. Wer sühnt für die Untaten, die im Namen des deutschen Volkes begangen werden?' Und das heißt, dass sie selber in ihrem Testament vom Juni 1939 ja auch für Deutschland bereit ist zu sterben. Das ist ein unglaublicher Vertretungsgedanke - übrigens auch für das jüdische Volk."

Letztes Lebenszeichen

Das letzte Lebenszeichen der Edith Stein auf dem Weg in die Gaskammer gab es im pfälzischen Schifferstadt. Zum einen konnte sie dort bei einem unplanmäßigen Halt des Todeszuges einen bewegenden Brief aus dem Waggon werfen. Zum anderen führte sie, aus dem Güterwagen heraus, ein kurzes Gespräch mit einem jungen Kaplan, der damals zufällig auf dem Bahnsteig stand. Er hat diese letzte Begegnung Jahrzehnte später in einem SWF-Fernsehinterview ausführlich geschildert.

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2:13 min

Pfarrer Ferdinand Meckes erinnert sich an seine Begegnung mit Edith Stein

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