aus der Sendung vom Samstag, 13.8.2011 | 19.15 Uhr | SWR Fernsehen in Baden-Württemberg
Kein anderes Fürstengeschlecht ist so eng mit fast 1000 Jahren deutscher Geschichte verknüpft wie die Hohenzollern. Aus kleinsten Anfängen - einer schwäbischen Grafschaft - stiegen sie auf zu brandenburgischen Kurfürsten, preußischen Königen und deutschen Kaisern. Bis 1918, am Ende des 1. Weltkriegs, die Dynastie gestürzt und damit die Adelsherrschaft in Deutschland beendet wurde.

Burg Hohenzollern
Vor 950 Jahren wurden die Hohenzollern erstmals schriftlich in den "Reichenauer Annalen" erwähnt. Und dieses historische Datum wird gefeiert: mit Ausstellungen, Festen und Konzerten in Sigmaringen und Hechingen. Passend zum Jubiläumstermin gibt es auch eine festliche Hochzeit: In Potsdam heiratet Georg Friedrich Prinz von Preußen, sozusagen der Chef des Gesamthauses Hohenzollern, seine Verlobte Prinzessin von Isenburg. Der Termin ist am 27. August.
Zwei Linien
Zu Ansehen und höchster Macht brachte es die Hohenzollernlinie, die sich zunächst in Franken und dann in Brandenburg niederließ. Vom Soldatenkönig über Friedrich den Großen bis hin zu Kaiser Wilhelm den Zweiten bestimmten die Preußen über Jahrhunderte die Geschicke der Deutschen. Mal als umsichtige, aufgeklärte Herrscher, mal als Kriegstreiber - oder beides in einer Person. Aber auch die "Daheimgebliebenen" haben sich entwickelt. Die fürstliche Unternehmensgruppe hat heute 3200 Beschäftigte und gehört zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region. Beide Linien verfügen über zahllose Schätze, die zu einem guten Teil der Öffentlichkeit präsentiert werden: Schlösser, Gemälde, Porzellan, Juwelen und vieles mehr.
Burg Hohenzollern in Hechingen
Die Burg auf der Schwäbischen Alb ist der Stammsitz der Zollern. Die erste Burg wurde vermutlich in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts erbaut und 1423 bereits wieder zerstört. Eine zweite Burg überlebte den 30jährigen Krieg nicht. König Friedrich Wilhelm der 4. besichtigte auf einer Reise nach Italien die Ruine und ließ ab 1850 die jetzige Burganlage im historisierenden Stil errichten. Sie hat die Anmutung einer mittelalterlichen Ritterburg und entsprach so dem Repräsentationsbedürfnis des Herrscherhauses Preußen. Regelmäßig bewohnt war sie nie. Heute beherbergt sie ein Museum. Die Ausstellung im Torturm beschäftigt sich mit dem Thema "Romantik und Revolution" und präsentiert viele erstmals öffentlich gezeigte Gemälde, Grafiken und Dokumente.
Veranstaltungen
Am 13. August ist Sternschnuppennacht. Denn dann können die Perseiden am sommerlichen Firmament bewundert werden. Die Burg Hohenzollern bietet eine ausgezeichnete Aussicht. Sphärische Klänge, Musik und eine Lichtinstallation umrahmen dieses Naturschauspiel.
Am Samstag, den 1. Oktober wird das Hohenzollernjubiläum noch einmal groß gefeiert. Mit kostenlosem Eintritt, Geburtstagstorte für alle und einem bunten Programm den ganzen Tag über.
Schloss Sigmaringen
Die im 11. Jahrhundert errichtete Burg wurde im 19. Jahrhundert als Residenzschloss zu einem Treffpunkt des europäischen Hochadels ausgebaut. Das Museum beherbergt Kunstschätze aus 9 Jahrhunderten, eine der größten Waffensammlungen Europas und eine der größten Privatbibliotheken Baden-Württembergs.
Eine große Sonderausstellung unter dem Titel "Kleidung. Macht. Geschichte" befasst sich mit den berühmtesten Vertretern des Hohenzollerngeschlechts und ihren Repräsentationsformen. Zu sehen sind unter anderem zahlreiche, den Originalen nachgebildete Kostüme.
Historisches Dinner aus dem Jahr 1884 auf Schloss Sigmaringen
Für rund 150 Gäste wurde ein ursprünglich aus 13 Gängen bestehendes Menü nach historischen Rezepten nachgekocht. Anlass des Menüs vor 127 Jahren war die Goldene Hochzeit von Fürst Karl Anton und seiner Frau Josephine. Das Dinner wurde von Peter Veeser, dem Chefkoch des bekannten Gasthauses zum Adler in Leibertingen, gekocht, der sich bereits seit längerem mit historischen Rezepten beschäftigt.
Lachs, Fasan, Huhn und Flusskrebse kamen auf den Tisch. Serviert wurde in der prachtvollen Portugiesischen Galerie des Schlosses Sigmaringen. Auch die Tafelkultur und die Tafelsitten wurden dem historischen Vorbild nachempfunden- inklusive eines Toasts auf den Kaiser.
Historischer Hintergrund
Fürst Karl Anton war der letzte regierende Fürst des Hauses Hohenzollern-Sigmaringen.
Er gab seine Regentschaft nach den Wirren der Deutschen Revolution von 1848 zwei Jahre später an das Königreich Preußen im Jahr 1850 ab, um den Einigungsprozess des in viele Kleinstaaten zerfallenden Reiches voranzubringen. Karl Anton konnte im Gegenzug den Privatbesitz und das Vermögen des Hauses Hohenzollern-Sigmaringen sichern. Neben dem drittgrößten privaten Waldbesitz Deutschlands gehört dazu wesentlich die Zollern-Gruppe, die ihrerseits mehr als 300 Jahre alt ist, heute in der Metallbearbeitung gut 3.200 Mitarbeiter beschäftigt und damit zu den wichtigsten Arbeitgebern in der gesamten Region zählt.
Letzte Änderung am: 26.07.2011, 19.08 Uhr