Bitte warten...

Zeitumstellung als Problem für Tiere und Pendler Achtung - Vierbeiner auf der Fahrbahn

In der Nacht von Samstag auf Sonntag war es wieder soweit - die Uhren wurden auf Sommerzeit gestellt. Der Berufsverkehr nach Ostern beginnt somit eine Stunde früher. Um diese Zeit befinden sich viele auf der Straße, die dort eigentlich nichts zu suchen haben.

Ein totes Reh liegt am 30.10.2014 nach der Kollision mit einem Auto am Straßenrand der Landstraße L411 bei Sehnde in der Region Hannover (Niedersachsen)

Ist es trotz aller Vorsicht doch zu einem Wildunfall gekommen heißt es: Polizei informieren!

Mit der Zeitumstellung wird es morgens für viele Pendler erst einmal wieder dunkel auf dem Weg zur Arbeit. Und damit steigt auch die Gefahr von Wildunfällen, denn in den Dämmerstunden sind die Tiere generell hochaktiv. Hinzu kommt, dass beim Rehwild im April Revierkämpfe stattfinden, also alte Reviere verteidigt und neue erobert werden. Die Tiere legen dabei erhebliche Strecken zurück, erklärt Armin Liese vom Landesjagdverband Baden-Württemberg dem SWR. Und dabei geht es auch oft über Straßen.

Besonders häufig kommen Autofahrern in Baden-Württemberg Rehe in die Quere, erklärt der Experte. Im Jagdjahr 2014/15 waren es 17.415. Dazu kamen den Angaben nach 2.572 Wildschweine. Ähnlich sind die Zahlen für Rheinland-Pfalz. Hier stieg die Zahl der Wildunfälle im vergangenen Jahr um etwa 13 Prozent auf 22.922, teilte der Landesjagdverband mit. Auch hier waren am häufigsten Rehe betroffen.

Tiere suchen Sicherheit und Salz

Die wilden Tiere tauchen gerne auf Straßen auf, die entlang Waldrändern und Feldern verlaufen. Sie zeigen dabei immer weniger Furcht. Das hat zwei Gründe, erklärt Wildexperte Liese. Die Gefahr sei für das Wild trotz des Lärms der Autos kalkulierbar, denn Mensch und Hunde kämen hier selten vorbei. Außerdem würden die Tiere vom Salz angezogen, das im Winter auf die Straße gestreut und im Frühjahr dort noch liegen würde. Die darin enthaltenen Mineralien würden gerne geschleckt.

Liese empfiehlt daher, grundsätzlich langsamer zu fahren. Besonders natürlich dann, wenn das Wildwechsel-Warnschild zu sehen sei, denn dies kennzeichne Unfallschwerpunkte. Steht dann tatsächlich ein Tier auf der Straße oder versucht es diese zu überqueren, rät er: Bremsen, Warnblinker an, gegebenenfalls Licht aus und warten bis das Tier die Straße verlässt. Und Vorsicht: Es folgten oftmals weitere Tiere!

Eine Frau schaut müde auf ihren Wecker, im Vordergrund zeigt eine Uhr die Zeitumstelllung für Sommer auf - von zwei Uhr nachts auf drei Uhr nachts.

Immer zur Sommerzeit wird die Uhr eine Stunde vorgestellt 

Um die Gefahr von Wildunfällen zu minimieren, arbeiten viele Jäger in ihren Revieren teilweise mit Duftzäunen entlang der Straßen an Unfallschwerpunkten und mit Reflektoren. Das Licht soll die Wildtiere von der Fahrbahn fernhalten. Blaue Wild-Warn-Reflektoren haben sich bewährt, erklärt Liese, denn blau sei eine Signalfarbe fürs Rehwild. Diese Reflektoren sind auch in Rheinland-Pfalz im Einsatz. Auf etwa 1.810 der rund 18.000 Straßenkilometer in Rheinland-Pfalz sei bereits eine spezielle blaue Reflektorfolie angebracht, heißt es vom Verband.

Was tun wenn ein Unfall passiert ist?

Wenn es trotz aller Vorsicht doch zu einem Unfall gekommen sei, müssten Autofahrer die Polizei informieren, erklärt er weiter. Diese habe eine Übersicht zu den Revierpächtern, die in diesem Gebiet zuständig sind. Sollte ein Tier angefahren sein und sich noch vom Unfallort entfernen, müsse mit einem Jagdhund nachgesucht werden und das verletzte Tier erlöst werden.

Auf gar keinen Fall aber sollte man versuchen, ein Tier selbst von seinen Leiden zu erlösen. Das Gesetz verbiete das Töten von Wirbeltieren ohne die notwendige Sachkunde.

365 Tage im Jahr Vorsicht walten lassen

Aufpassen sollte man übrigens das ganze Jahr über. In der Zeit zwischen Ende Juli und Anfang August ist die Gefahr für Autofahrer ebenfalls sehr hoch, auf Wildtiere zu treffen. Denn im Hochsommer ist Paarungszeit bei den Rehen. Sowohl im Frühjahr wie auch im Herbst sind sowohl der Sonnenuntergang wie der Sonnenaufgang kritische Zeiten. Da laut Liese das Rehwild ungefähr alle drei Stunden frisst und dabei wandert, sind aber auch außerhalb der Dämmerungszeiten Wildunfälle möglich.

Aktuell im SWR