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Volkskrankheit Alzheimer Neue Antikörper gegen das Vergessen

Alzheimer kann bisher nur schwer behandelt werden. Jetzt weckt eine Studie unter Medizinern neue Hoffnung. Die SWR-Wissenschaftsredaktion hat die Ergebnisse genauer betrachtet.

Mehr als eine Million Menschen in Deutschland sind dement, die meisten von ihnen leiden an Alzheimer. Mit Medikamenten können Ärzte die Krankheit im Moment nur etwas verzögern, aufhalten lässt sich der Gedächtnisschwund derzeit nicht. Jetzt weckt eine aktuelle Studie, deren Ergebnisse im Forschungsmagazin „Nature“ veröffentlicht wurden, neue Hoffnungen: Die Therapie mit einem Antikörper hat bei Patienten im Frühstadium von Alzheimer offenbar geholfen. SWR-Medizinredakteurin Ulrike Till gibt eine Einschätzung über die Erfolgsaussichten.

Könnte die neue Therapie der Durchbruch im Kampf gegen Alzheimer sein?

Möglich ist das tatsächlich. Sicher wissen wird man es aber erst nach weiteren Studien, denn im Moment sind die Daten noch sehr dünn. Die Forscher haben insgesamt 165 Probanden mit ersten Anzeichen von Alzheimer entweder mit dem Antikörper Aducanumab behandelt oder mit einem Placebo. Nach einem Jahr waren schädliche Eiweißablagerungen im Gehirn bei den echt therapierten Probanden deutlich geschrumpft. Bei der Placebogruppe gab es keine positive Veränderung.

Einen Abbau der Plaques haben zwar auch schon andere Mittel erreicht – nur ging es den Patienten dadurch nicht besser. Das ist bei dem neuen Antikörper möglicherweise anders: Es sieht so aus, als hätten die Spritzen auch den geistigen Abbau verlangsamt. Wenn sich das bestätigt, wäre das wirklich eine Sensation.

Wie stehen denn die Chancen, dass dieser Antikörper bald als Mittel gegen Alzheimer auf den Markt kommt?

Auch wenn alles perfekt klappt, würde eine Zulassung noch Jahre dauern. Jetzt müssen erstmal noch weitere Testreihen mit deutlich mehr Teilnehmern dieselben positiven Ergebnisse zeigen. In der jetzt veröffentlichten Studie ging es eigentlich noch nicht um die Wirksamkeit, sondern erstmal nur um die Verträglichkeit.

Birgt die neue Therapie auch Risiken?

20 Patienten sind wegen Komplikationen aus der Studie ausgestiegen. Am häufigsten wurde ein Hirnödem festgestellt, also eine Schwellung des Gehirns. Zum Teil war das aber nur mittels Kernspintomografie zu sehen, ohne dass die Betroffenen etwas spürten. Allerdings zeichnet sich jetzt schon ab, dass höhere Dosen des Antikörpers am besten wirken - und mit der Dosis steigen auch die Risiken. Und klar ist außerdem, dass die neue Therapie bestenfalls Patienten im Frühstadium von Alzheimer helfen kann - selbst wenn alle weiteren Tests gut verlaufen. Bei fortgeschrittener Demenz ist im Gehirn einfach schon zu viel kaputtgegangen. Das lässt sich leider nicht mehr reparieren.

Von Ulrike Till, Wissenschaftsredaktion | Online: Christine Veenstra

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