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Tierschützer erzwingen Verbote Der Weihnachtsmarkt ist kein Ponyhof

Es sind leise Abschiedsrunden, die viele Ponys auf Weihnachtsmärkten in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz momentan laufen. Für das kommende Jahr werden immer mehr dieser lebenden Karusselle verboten.

Ein Pony mit Sattel

Mehr als vier Stunden darf sich kein Pony täglich in einem Karussell befinden

Zuletzt sorgte das Verbot in Konstanz für Aufsehen. Über Wochen hatte vor allem die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. für ein solches Verbot geworben - wie schon in den vergangenen Jahren, doch diesmal organisierter und mit vorangegangenen Verboten in anderen deutschen Städten im Rücken.

So brachte wohl auch ein Brief an den Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt (CDU) die Entscheidung voran. Darin kritisierte PETA "den rücksichtslosen Umgang mit den Ponys und Pferden, denn Wirbelsäule und Beine der Tiere sind nicht für stundenlanges Im-Kreis-Laufen ausgelegt".

Die Initiativen der Tierschützer umfassen mittlerweile auch den gesamten Südwesten. So formierte sich Widerstand beispielsweise Ponykarussells auf der Mannheimer Mess, dem Landauer Herbstmarkt und dem Stuttgarter Wasen - auch in Form von Online-Petitionen. Bundesweit haben sie auch das Münchner Oktoberfest im Visier.

Tierschützer finden Unterstützer bei Facebook

Vor allem auf Facebook verbreiten sich Bilder und Fernsehbeiträge zu der nicht artgerechten Haltung von Ponys und Pferden von Schaustellern, darunter die mitunter verzweifelten Kommentare von Tierschützern.

Nutzerin Ursula Geitz schreibt: "Die Leute haben keine Ahnung was sich da alles an Tierquälerei abspielt. Die sehen nur die Ponys und denken nicht weiter." Eine andere Nutzerin kommentiert ebenfalls ein Beispiel nicht artgerechter Pony-Haltung mit den Worten: "Schrecklich, ich möchte so gerne helfen".

In Facebook-Gemeinschaften wie "Gegen Ponykarusselle auf den Volksfesten" haben sich mittlerweile fast 4.000 Mitglieder zusammengefunden und organisieren hier ihren bundesweiten Protest. "Hopp, hopp, hopp - Ponyreiten stop!" ist ihr gemeinsamer Schlachtruf.

"Missbrauch als Rondellmaschinen"

Auch in der breiten Bevölkerung habe eine Umdenken stattgefunden, sagen die Tierschützer von PETA und verweisen auf eine eigene repräsentative Umfrage vom August 2015. Während darin 19 Prozent aller Befragten der Ansicht seien, dass Ponykarussells weiterhin auf Jahr- und Weihnachtsmärkten zugelassen werden sollten, spräche sich eine deutliche Mehrheit von rund 59 Prozent für ein Verbot aus.

"Ponys sind empfindsame Lebewesen – für sie ist es eine körperliche und seelische Qual, den ganzen Tag in einem Ponykarussell zu laufen", sagt Peter Höffken, Fachreferent bei PETA Deutschland e.V. "Für ein kurzes Kindervergnügen werden die Tiere ihr Leben lang als Rondellmaschinen missbraucht."

"Ponyreitbahnen nicht mehr als zeitgemäß"

Viele Städte begründen ihr Verbot auch gleichlautend damit, dass aus Sicht des ethischen Tierschutzes Ponyreitbahnen heute nicht mehr als zeitgemäß angesehen würden. "Das eintönige Im-Kreis-Laufen und die akustischen und optischen Reize können das Wohlbefinden der Ponys negativ beeinflussen", erklärt Manuel Rebelo vom Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen im Landratsamt Konstanz auf SWR-Anfrage.

Unter die vielen Facebook-Kommentare gegen das Ponyreiten im Kreis mischen sich aber auch kritische Stimmen, die auf die Existenz der betroffenen Schausteller verweisen. Auch hierfür müssten die Tierschützer von PETA Vorschläge einbringen, denn es ginge um viele Existenzen.

Schwierige Situation für Schausteller

Auf solchen Rat ist auch Familie Bügler aus dem rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach jetzt angewiesen. In den vergangenen 15 Jahren hat sie das Ponyreiten auf dem Konstanzer Weihnachtsmarkt angeboten. Seit 70 Jahren arbeitet die Familie mit Tieren, erzählte Betreiber Peter Bügler der Konstanzer Zeitung "Südkurier". Sein Vater habe einst einen kleinen Zirkus betrieben.

Auch auf dem Herbstmarkt im pfälzischen Landau hatte seine Familie ein Pony-Karussell betrieben. Vor allem Schüler-Initiativen waren dagegen zuletzt sturmgelaufen.

Böse Gerüchte machen die Runde

Er fürchtet nun um seine Existenz. Der Konstanzer Weihnachtsmarkt sei ihre einzige Veranstaltung im Winter gewesen. "Wenn das nun wegfällt, wird es eng für uns", so Peter Bügler. Für Schausteller wie die Büglers schlagen Facebook-Nutzer eigene Weihnachtsmärkte auf ihren heimischen Stallungen vor.

In jedem Fall sollen seine Tiere aufgrund des Verbots, wie durch kursierende Gerüchte befürchtet, nicht beim Schlachter landen. "Um Gottes willen! Wir haben einige Tiere damals ja gerade vor dem Schlachter gerettet", sagt der 44-Jährige dem "Südkurier".

Aktuell im SWR