Energiewende

Griff ins private Portemonnaie

Autorin: Stefanie Peyk; Online-Redaktion: Peter Mühlfeit

"Darf's ein bisschen mehr sein?" Die Bundesregierung hat Schadensersatzzahlungen für Netzprobleme bei Hochsee-Windparks und eine Abschaltprämie für Strom-Großkunden beschlossen. Mit immer neuen Umlagen für die Energiewende werden die Strompreise nach oben getrieben, besonders für den Privatverbraucher.

Windpark in der Nordsee

Windpark in der Nordsee

Bei der Finanzierung der Energiewende ist der größte Batzen die Ökostrom-Umlage, mit der die Stromkunden schon seit Jahren den Ausbau der erneuerbaren Energien bezuschussen. Größter Kostentreiber war da bisher die Sonnenenergie, aber auch bei den Windparks wird der Verbraucher mehr und mehr zur Kasse gebeten.

Allein die Ökostrom-Förderung kostet einen Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden 2013 rund 185 Euro, fast 60 Euro mehr als in diesem Jahr. Doch damit nicht genug, immer weitere Zusatzkosten belasten den privaten Geldbeutel:

  • Die Kraft-Wärme-Kopplung fördern die Stromkunden mit über vier Euro im Jahr.
  • Die Kosten für den Ausbau und den Betrieb der Stromnetze machen laut Verbraucherzentrale Bundesverband rund elf Euro pro Jahr aus.
  • Ebenfalls etwa elf Euro müssen die privaten Stromkunden ab 2013 dafür berappen, dass Stromgroßverbraucher von den Netzkosten befreit werden.
  • Außerdem sollen die privaten Stromkunden für Pannen beim Netzanschluss von Windparks auf hoher See mithaften – mit maximal rund neun Euro pro Jahr. Bei den Strompreiserhöhungen der vergangenen Wochen war das häufig schon eingepreist.
  • Dazu kommt eine Art Abschalt-Umlage. Aluminiumhütten und Stahlproduzenten und andere energieintensive Unternehmen sollen entschädigt werden, wenn sie bei Stromknappheit ihren Stromverbrauch auf Zuruf massiv drosseln. Kostenpunkt für den Durchschnittshaushalt: bis zu vier Euro im Jahr.
  • Um Blackouts zu vermeiden, sollen die Behörden Stromversorgern künftig verbieten können, unrentable Kraftwerke stillzulegen. Aber auch dafür würden wieder Entschädigungszahlungen fällig.

Ausnahmen für Wirtschaft in Milliardenhöhe

Das macht künftig mehr als 220 Euro Energiewendekosten im Jahr für den privaten Verbraucher. Er wird auch deshalb so stark belastet, weil es viele Ausnahmen für die Wirtschaft gibt. Sie profitiert von Entlastungen in Milliardenhöhe.

"Die Kosten der Energiewende werden unverhältnismäßig stark auf die privaten Haushalte abgewälzt", kritisiert der Verbraucherzentrale Bundesverband. "Wenn aber der Ausbau von Sonne-und Windkraft zu sinkenden Strompreisen an der Börse führt, dann geben die Energieversorger diesen Vorteil nicht oder kaum an ihre Kunden weiter." Die Verbraucherschützer sagen deshalb: "Energiewende ja – aber bitte fair!"

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08:18 min | Di, 6.11.2012 | 18.15 Uhr | natürlich! | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Stand: 29.11.2012, 13.35 Uhr