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Stichwort "Versorgungsstärkungsgesetz" Termin beim Facharzt - aber zackig

Ein neues Gesetz soll dafür sorgen, dass Patienten mit einer gesetzlichen Krankenversicherung schneller einen Termin beim Facharzt bekommen. Doch es gibt Ausnahmen und Einschränkungen.

Viele Patienten sitzen in einem Wartezimmer einer Arztpraxis.

Überfüllte Praxen - in Großstädten kein Einzelfall

Ulrike Till, SWR Wissenschaftsredaktion

Gesetzlich Versicherte, die dringend einen Termin beim Facharzt brauchen, müssen oft lange warten - vor allem in ländlichen Gebieten, in denen es weniger Spezialisten gibt. Das Problem taucht aber auch in Großstädten auf, wo die Praxen überfüllt sind.

Das soll sich mit dem sogenannten Versorgungsstärkungsgesetz für Kassenpatienten, das jetzt in Kraft getreten ist, ändern. Ab sofort lassen sich über neu eingerichtete Servicestellen Termine beim Facharzt einfordern. Verantwortlich für das Termincenter sind die jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigungen der Länder (KV).

Nicht jeder hat Anspruch auf die schnelle Vermittlung

Höchstens vier Wochen sollen Kassenpatienten künftig auf einen Facharzttermin warten müssen - allerdings nur dann, wenn die Untersuchung dringend ist. Und genau hier liegt eine entscheidende erste Hürde: Nur wenn Patienten eine als eilig gekennzeichnete Überweisung in der Tasche haben, werden die Mitarbeiterinnen der Terminservicestelle aktiv.

Einzige Ausnahme: Zu Augen- oder Frauenärzten kann man sich auf eigene Faust direkt vermitteln lassen. Aber auch hier gibt es für Routineuntersuchungen oder sogenannte Bagatellerkrankungen keine Hilfe bei der Terminsuche.

Keine freie Arztwahl über die Terminservicestelle

Ein Augenarzt überwacht den Einsatz eines computer- und videogesteuerten Kaltlicht-Lasers am menschlichen Auge.

Vermittlung zum Augenarzt über die Servicestelle: Nicht bei Routineuntersuchungen

Wer zum Zahnarzt möchte, muss die Praxen in jedem Fall selbst abtelefonieren. Auch um Termine bei Psychotherapeuten muss man sich zunächst noch selbst kümmern.

Außerdem gilt für alle Anfragen eine wichtige Einschränkung: Patienten können sich die Mediziner beim KV-Termincenter nicht aussuchen. Wer zur beliebtesten Hautärztin der Stadt möchte, muss dort selbst mit der Sprechstundenhilfe verhandeln.

Und noch eine Kröte müssen Patienten schlucken: der vermittelte Facharzt soll zwar in "zumutbarer Entfernung" liegen. Das kann aber deutlich über eine Stunde Anfahrt bedeuten. Bei Radiologen und anderen selteneren Spezialisten heißt die Formel: nächster erreichbarer Facharzt plus maximal 60 Minuten.

Teilnahme für Ärzte ist freiwillig - noch

Drei freie Termine pro Woche soll jeder Facharzt der Kassenärztlichen Vereinigung melden. Im Moment ist das noch freiwillig. Aber die KV droht auch: Wenn sich kein niedergelassener Spezialist findet, verweisen die Termincenter Patienten in die nächste Klinik-Ambulanz - die Kosten dafür sollen dann die niedergelassenen Fachärzte tragen.

Online: Ulrike Raffel

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