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Vogelgrippe in Zuchtverein in Wörth Viele Tiere sollen gerettet werden

Geflügelzüchter in Wörth haben sich erfolgreich gegen die Tötung von rund 540 Enten, Hühnern und Gänsen wegen der Vogelgrippe gewehrt. Laut Kreisverwaltung müssen nicht alle Vögel gekeult werden.

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2:04 min | Mi, 11.1.2017 | 19:30 Uhr | SWR Fernsehen RP

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Vogelgrippe in Rheinland-Pfalz

Wörther Vogelfreunde müssen nicht keulen

Vorerst muss kein Geflügel in Wörth wegen des Verdachts der Vogelgrippe getötet werden. Der Vogelzucht-Verein darf so viele Tiere wie möglich retten.

Wie die zuständige Kreisverwaltung am Mittwoch mitteilte, sollen so viele Tiere wie möglich gerettet werden. Geholfen hat dem Rassezuchtbetrieb, dass die Tiere nicht an dem derzeit grassierenden, besonders gefährlichen Vogelgrippe-Virus H5N8 erkrankt waren. Vielmehr handelt es sich nach Angaben des Umweltministeriums in Mainz um den harmloseren Virustyp H5.

Beim Rassegeflügelzuchtverein Wörth ist die Erleichterung groß. Laut Vorsitzendem Joachim Gottschang wurde ausgehandelt, dass alle Tiere, die in Ställen untergebracht würden, am Leben bleiben dürfen. "Und wir sorgen dafür, dass alle Tiere leben", kündigte Gottschang an. Ob wirklich alle Tieren gerettet werden können, ist aber weiter offen. Derzeit leben die sieben erkrankten Tiere noch mit den anderen Vögeln zusammen. "Die haben gar nichts, die sind topfit", so Gottschang.

Höfken widerspricht Landrat Brechtel

Die Tiere in Wörth haben das Virus H5N3 in sich. Das ist eine Variante der Vogelgrippe, die sehr harmlos verläuft. Die Geflügelpestverordnung sieht aber auch bei den weniger ansteckenden Varianten der Krankheit vor, dass alle Tiere getötet werden müssen. Allerdings können in speziellen Fällen Ausnahmen gemacht werden. Über diese kann die Kreisverwaltung alleine entscheiden.

Verwirrung gab es um Aussagen des Landrates des Kreises Germersheim, Fritz Brechtel (CDU). Er hatte mitgeteilt, er habe sich mehrfach bei der Landesregierung für die Rettung der Vögel eingesetzt. Er habe dem Ministerium vorgeschlagen, möglichst viele Vögel in geschlossenen Ställen unterzubringen und vom verbleibenden Bestand regelmäßig Proben zu nehmen. Diesem Kompromissvorschlag habe das Umweltministerium zugestimmt.

Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) widersprach der Darstellung Brechtels und erklärte, es sei bedauerlich, "dass im Landrats-Wahlkampf im Kreis Germersheim die wichtige Frage der Seuchenbekämpfung politisch instrumentalisiert" werde. Ihr Ministerium habe die Kreisverwaltung von Anfang an auf die Rechtslage und die Bedingungen für Ausnahmemöglichkeiten von einer Tötung hingewiesen. "Gerade im Hinblick auf seltene Rassen wollen wir, dass in den Kreisen die Möglichkeiten genutzt werden können, die Tiere nicht zu töten", hieß es. Gleichzeitig müssten jedoch die Rasse- und Nutzgeflügelbestände im Kreis Germersheim und in ganz Rheinland-Pfalz geschützt werden.

Rassegeflügel bisher von Stallpflicht ausgenommen

Die Kreisverwaltung Germersheim hatte am Montag zunächst angekündigt, alle rund 540 Tiere töten zu lassen, darunter auch bedrohte Arten. Um Druck aufzubauen, hatte der Rassegeflügelzuchtverein Wörth beim Verwaltungsgericht Neustadt an der Weinstraße einen Eilantrag gegen die Tötung eingereicht. Eine Entscheidung über den Antrag sei nach der neuen Anordnung der Kreisverwaltung vom Mittwoch nicht mehr nötig, teilte das Gericht mit. Zunächst hatte das Gericht verfügt, dass die Tiere bis zur Erledigung des Eilantrags weiterleben dürfen.

Im Landkreis Germersheim gilt eine kreisweite Stallpflicht. Die Rassegeflügelzüchter in Wörth haben eine Ausnahmegenehmigung, weil ihre Wassertiere nicht lange in Ställen gehalten werden können. "Das sind Raritäten", sagte Helmut Demler vom Landesverband der Rassegeflügelzüchter Rheinland-Pfalz. Die Tiere würden sich "dort die Köpfe einrennen. Wassergeflügel muss aufs Wasser".

Zuchtanlage unter Quarantäne

Der Geflügelzuchtverein war der erste Geflügelhalter in Rheinland-Pfalz, bei dem die Vogelgrippe nachgewiesen wurde. Die Proben aus dem Zuchtverein waren zur Untersuchung an das Friedrich-Loeffler-Institut auf die Insel Riems geschickt worden. Die Experten bestätigten am Dienstagabend die niedrigansteckende Vogelgrippe-Variante des Typs H5.

Die Zuchtanlage in den Wörther Rheinauen steht weiter unter Quarantäne. Zudem wurden die Sicherheitsvorkehrungen weiter erhöht. So wurde eine Schutzzone rund um die betroffene Geflügelzuchtanlage eingerichtet. Nach Behördenangaben sind knapp 30 private Geflügelhalter davon betroffen. Deren Tiere sollen auch untersucht werden.

Bisher nur Wildtiere von H5N8 betroffen

Das gefährliche Vogelgrippe-Virus H5N8 war kurz vor Weihnachten erstmals in Rheinland-Pfalz bei Wildtieren nachgewiesen worden. In Geflügelbetrieben tauchte es bislang nicht auf. In anderen Bundesländern ist die Geflügelwirtschaft jedoch betroffen. Das Virus ist für Vögel hoch ansteckend, gilt für Menschen aber als ungefährlich. Trotzdem gilt: Wer einen toten Wildvogel entdeckt, soll das Tier nicht anfassen, sondern der Kreisverwaltung melden.

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