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Online-Wahlkampf in RP Auf Stimmenfang in der digitalen Welt

Schnell, direkt und ungefiltert: Der Online-Wahlkampf läuft sich heiß. Dabei ist Facebook für die meisten Parteien die bevorzugte Plattform. Doch für die Wahlkämpfer ist nach wie vor eines am wichtigsten.

Schwarz-Roter Wahlkampf wird auf Facebook ausgetragen

Kampf um die meisten Follower und "Likes"

Auf der Straße achten die Wahlkämpfer der Parteien auf Abstand, im Netz knallen sie auch mal voll zusammen. "Jetzt wirds dümmlich", twittert SPD-Fraktionschef Alexander Schweitzer an die Adresse der CDU-Rheinland-Pfalz zu einem Zitat von Spitzenkandidatin Julia Klöckner: "Rot-Grün hatte 2 Anliegen: Cannabisgrenze erhöhen und Gebühren für Bummelstudenten abschaffen."

Welchen Stellenwert hat der Online-Wahlkampf im heiß umkämpften Rennen um die Regierungsmacht in Rheinland-Pfalz? "Er ist eine Säule des Wahlkampfs, ohne die man einen den Menschen zugewandten Wahlkampf gar nicht mehr machen kann", antwortet Schweitzer. Wichtiger aber sei der "persönliche Kontakt von Auge zu Auge".

Der Ton im Netz ist rau

Ähnlich flexibel tummelt sich auch Klöckner im Online-Wahlkampf. Zwar könne der digitale Wahlkampf den analogen nie ersetzen. Aber "manche Leute treffe ich nicht in Bad Kreuznach vor dem Kurhaus oder in Wissen vor der Kulturhalle, sondern in der digitalen Welt". Mit der Schärfe im Online-Wahlkampf gehen die Politiker unterschiedlich um. Klöckner sagt: "Ich merke aber, dass der Ton im Netz merklich rauer, unerbittlicher, gar böse wird - das macht den Austausch nicht gerade einfacher."

Manchmal peinlich

Die Verwendung von Twitter, Facebook und Co. hat aber auch manchmal peinliche Konsequenzen. Ende Januar verband die grüne Spitzenkandidatin Eveline Lemke ihre Facebook-Kritik an Klöckner mit einer durchgestrichenen Hitler-Darstellung und dem Slogan "Grün gegen Nazis". Nach heftigen Protesten löschte sie den Eintrag mit diesem "Sharepic", wie die zur Verbreitung in den sozialen Medien gedachten Bildchen genannt werden.

Dann war es ein CDU-Kommunalpolitiker in Koblenz, der mit einem Facebook-Eintrag einen "Shitstorm" auslöste. Zu Bildern von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) im Rollstuhl schrieb er, sie solle "Erwerbsminderungsrente beantragen und abtreten". Auch die CDU reagierte empört, der Ortsverband leitete erste Schritte zu einem Parteiausschluss ein.

Auch aktiv auf Instagram und WhatsApp

Facebook ist für die meisten Wahlkämpfer die bevorzugte Plattform. "Auf einem Marktplatz erreiche ich etwa 30 bis 40 Leute in einer Stunde - mit einem Facebook-Posting geht das schnell in die Tausende", sagt die Grünen-Landesvorsitzende Katharina Binz. Die Partei nimmt daher auch Geld in die Hand, um eigene Beiträge als Anzeigen in der Facebook-Timeline von Nutzern zu platzieren, die die Seite der Grünen nicht mit einem "Gefällt mir" abonniert haben. Zielgruppe sind alle wahlberechtigten Rheinland-Pfälzer.

Die sozialen Medien werden von den Parteien auf ihre jeweiligen Besonderheiten geprüft und gezielt beackert. "Erstwähler erreichen wir nicht vorrangig auf Facebook, das ist für diese Generation nicht mehr die wichtigste Plattform", sagt der Referent für digitale Kommunikation bei der CDU Rheinland-Pfalz, Alexander Hoffmann. "Deshalb sind wir auch verstärkt auf Instagram aktiv und experimentieren mit WhatsApp-Mitteilungen."

Follower-Zahlen im Blick

Die Parteien nutzen die statistischen Analyse-Möglichkeiten der Plattformen im Netz, beobachten genau die Reichweite einzelner Beiträge, wie oft sie weiterverbreitet oder mit einem "Gefällt mir" versehen werden. "Es freut mich sehr, wie viele Menschen hier auf Facebook meine Arbeit verfolgen und diskutieren", schreibt Dreyer auf ihrer Facebook-Seite, zu der sich mehr als 42.000 Menschen mit einem Klick auf "Gefällt mir" angemeldet haben. Rund 34.000 haben das bei Klöckner getan. Lemke hat ein Facebook-Profil, das 5.000 Freunde aufweist; auf Twitter folgen ihr mehr als 9.300 Nutzer. Die Tweets von Klöckner haben rund 42.000 abonniert, Schweitzer zählt mehr als 2.900 Follower.

Auf Facebook für Stimmabgabe werben

"Über soziale Medien haben Parteien und insbesondere auch einzelne Politiker die Möglichkeit, direkt mit ihren potenziellen Wählern zu kommunizieren", sagt der Mainzer Politikwissenschaftler Kai Arzheimer. Keine Partei könne es sich leisten, nicht auf Facebook präsent zu sein. Twitter sei in Deutschland eher "ein soziales Nischenmedium, über das Politiker untereinander und mit professionellen Politikbeobachtern über politische Inhalte kommunizieren".

Besonders heiß wird es in der letzten Woche vor dem 13. März zugehen. Dann geht es für die Parteien vor allem darum, die Bürgerinnen und Bürger auch zur Stimmabgabe zu bewegen.

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