Bitte warten...

Nürburgring-Verkauf Entscheidung gefallen - Capricorn erhält Zuschlag

Die monatelange Hängepartie um die Zukunft des Nürburgringes ist beendet. Der Gläubigerausschuss segnete den Verkauf der insolventen Eifel-Rennstrecke an den Automobilzulieferer Capricorn ab. Das Gesamtvolumen der Transaktion liegt im dreistelligen Millionenbereich.

Luftaufnahme der Eifel-Rennstrecke Nürbuirgring

Der Nürburgring hat den Besitzer gewechselt.

Das Ergebnis der Verhandlungen teilten die Sachwalter Jens Lieser und Thomas Schmidt auf einer Pressekonferenz in Koblenz mit. "Den Kaufvertrag haben wir heute unterschrieben", sagte Schmidt, der hinzufügte: "Ich bin sehr, sehr glücklich." Mit dem Zuschlag für Capricorn geht die US-Investorengruppe H.I.G. leer aus, der zwischenzeitlich die besseren Chancen eingeräumt worden waren.

"Interessen der Region berücksichtigt"

Laut Lieser hat der Verkauf ein finanzielles Gesamtvolumen von mehr als 100 Millionen Euro. Es fließe ein Kaufpreis von 77 Millionen Euro, bis zu 25 Millionen sollten am und um den Ring investiert werden. Das Konzept von Capricorn sei wegen eines neuen Ansatzes gewählt worden. Demnach soll am Ring der Motorsport weiter im Mittelpunkt stehen, aber auch ein Automobil-Technologiecluster entstehen.

Es sei letztlich eine knappe Entscheidung gewesen: "Wir glauben, dass wir mit Capricorn einen Partner gefunden haben, der auch die Interessen der Region ausreichend berücksichtigt", sagte Lieser. Der Käufer soll den 1927 errichteten Nürburgring zum 1. Januar 2015 übernehmen, laut Schmidt aber sofort an Bord sein. Bereits am Mittwoch beginne die neue Tochter Capricorn Nürburgring GmbH, die Saison 2015 mitzuplanen und mit Veranstaltern Verträge zu schließen.

Harte und lange Verhandlungen

Im Rennen waren zuletzt nur noch Capricorn und H.I.G. Die entscheidende Sitzung dauerte dennoch deutlich länger als geplant. Die Entscheidung verzögerte sich stundenlang, eine zunächst für 14.00 Uhr angekündigte Pressekonferenz wurde mehrfach verschoben. Als Grund dafür nannte Lieser harte Verhandlungen im Gläubigerausschuss. Der Abstimmungsbedarf sei größer gewesen als gedacht.

"Ich warte schon ein ganzes Leben auf den Nürburgring. Da machen ein paar Stunden nichts aus", hatte Capricorn-Geschäftsführer Robertino Wild am Rande der Zusammenkunft des Ausschusses erklärt. Etwas Geduld ist auch weiterhin gefragt, denn der Kaufvertrag ist erst gültig, wenn die EU-Kommission ihren Bescheid zur Prüfung möglicher illegaler Beihilfen des Landes vorlegt. "Wir gehen davon aus, dass Brüssel bis zum Spätsommer zu einer Entscheidung kommt", sagte der Sprecher der Sanierer, Pietro Nuvoloni.

Vergnügungspark vor Rückbau

Trotzdem sind Wilds Pläne für den Ring schon ganz konkret. So soll der überdimensionierte Freizeitpark nach seinen Vorstellungen schon bald gestutzt werden. "Sofort werden wir die 'Grüne Hölle' einstellen - einen der großen Verlustbringer", sagte der Manager. Die Ringracer-Achterbahn, die nach langen Verzögerungen erst vergangenen Herbst ihren Betrieb aufgenommen hat, werde innerhalb von Rheinland-Pfalz umziehen - wohin, verriet Wild noch nicht. Auf die Frage, was mit den Gebäuden geschehe, sagte er: "Höflich gesagt heißt das Rückbau."

Den Aufbau eines Automobil-Technologieschwerpunkts betreffend sei man in Gesprächen mit verschieden Instituten, unter anderem dem Fraunhofer-Institut. "Wir hoffen, das ein oder andere an den Nürburgring locken zu können", sagte der Capricorn-Geschäftsführer, der auch gleich Bedenken in der Region zerstreute: "Der Nürburgring wird öffentlich zugänglich bleiben." Der gewohnte Betrieb solle weitergehen. Dazu zählten etwa auch die Touristenfahrten und das Rockspektakel "Rock am Ring". Auch die Formel 1 solle auf jeden Fall weiter ihre Runden in der Eifel drehen, "solange es bezahlbar bleibt".

Der Nürburgring hatte 2012 Insolvenz angemeldet, nach der auch Steuergeld in Millionenhöhe fließen musste. Die Sanierer suchten seit Mai 2013 einen Käufer für die Rennstrecke und den zu groß geratenen Freizeitpark, den die damalige SPD-Alleinregierung für rund 330 Millionen Euro bauen ließ. Im Insolvenzverfahren in Eigenregie dürfte nun ein größerer Teil des Kaufpreises indirekt ans Land zurückfließen.

Der des Ausbaus der Rennstrecke vor dem Landgericht Koblenz näherte sich am Dienstag mit den Plädoyers der Staatsanwaltschaft parallel zum Abschluss des Ring-Verkaufs seinem Ende: Dem ehemaligen rheinland-pfälzischen Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) drohen vier Jahre Haft.

Das Unternehmen Capricorn-Gruppe
Die Firmengruppe hat ihren Sitz in Düsseldorf. Der Autozulieferer stellt unter anderem Kurbelwellen, Kolben, Motorblöcke und Laufbuchsen her und bezeichnet sich als weltweiter Technologieführer in Entwicklung und Herstellung des Kurbelbetriebs für Hochleistungs-Verbrennungsmotoren. In einem Werk am Nürburgring werden Bauteile aus Verbundstoffen entwickelt und hergestellt. Das Unternehmen ist dort auch mit einem Testcenter vertreten. Capricorn hat auch in Frankreich, Großbritannien, Italien und den USA Werke. Die Gruppe ist auch in der Immobilienentwicklung aktiv.

Aktuell in Rheinland-pfalz