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SENDETERMIN Di, 12.1.2016 | 18:45 Uhr | SWR Fernsehen RP

Nach Silvester-Übergriffen in Köln Online-Hetze gegen Selina

Beschimpft, belästigt und bedrängt: Die 26-jährige Selina aus Koblenz berichtete vergangene Woche von den Übergriffen, die sie in der Silvesternacht in Köln am eigenen Leib erfahren hatte. Danach wurde sie im Internet massiv angefeindet.

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Selina ist geschockt und unglaublich wütend, wenn sie an das Video denkt, das ein wildfremder Mann über sie ins Internet gestellt hat. Zu sehen sind darin Ausschnitte aus ihrem Fernsehinterview. Darin erzählt sie, dass die Männer, die sie an Silvester belästigt haben, südländisch aussehen und arabisch gesprochen haben. Dafür wird die 26-Jährige als rassistisch und rechtsradikal beschimpft.

Selina aus Koblenz (wurde an Silvester in Köln bedrängt)

Selina aus Koblenz

"Ich hätte gesagt, es wären Muslime gewesen", erzählt sie dem SWR in einem zweiten Interview. "Aber das habe ich nirgendwo gesagt, würde ich auch nie sagen, da man vom Aussehen her niemals die Religion festmachen kann." Die Macher des Videos hätten ausgiebig recherchiert und sogar ihren vollen Namen im Internet veröffentlicht. "Das hat mir schon sehr Angst gemacht", sagt die junge Frau.

Das Hetz-Video habe sich rasend schnell im Internet verbreitet und sei sogar auf der Seite des islamistischen Predigers Pierre Vogel gelandet. "Als ich das gesehen habe, musste ich wirklich schlucken und ich hatte Angst. Ich war mir nicht sicher, was passiert, wenn jetzt jemand vor meiner Tür steht", sagt sie. "Was wenn das jemand sieht, der das sofort glaubt oder einen radikalen Hintergrund hat?"

Instrumentalisiert für salafistische Zwecke

Die Hetze wäre sogar soweit gegangen, dass sie auf der Arbeit Drohanrufe bekommen hätte. Doch Selina lässt sich das nicht gefallen und wehrt sich auf ihrer Facebookseite gegen die Vorwürfe. Schließlich hätte sich der Mann, der sie in dem Video beschimpft hat, gemeldet. Ob das etwa nicht stimme, was er in dem Video behaupte, fragt er sie. "Ich habe ihm dann erklärt, dass das alles nicht stimmt und ihm gedroht, zum Anwalt zu gehen und wegen Rufmordes und Geschäftsschädigung anzuzeigen", erzählt Selina. Eine Ansage die Wirkung zeigte: Das Video wurde aus dem Netz genommen.

Selina hat den Mann nicht angezeigt. Dass es solche Reaktionen auf ihren öffentlichen Auftritt geben könnte, damit hätte die 26-Jährige niemals gerechnet. Doch sie würde immer wieder so handeln: "Ich lasse mich davon nicht unterkriegen und genau deshalb spreche ich offen darüber", sagt sie.

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