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Mobilität auf dem Land in RP Trampen war gestern - Mitfahrerbank im Trend

Warum trampen, wenn es auch bequemer geht: Immer mehr kleine Orte stellen speziell gekennzeichnete Bänke auf, wo man auf eine Mitfahrgelegenheit warten kann. Ein Trend aus der Westeifel, der immer mehr Nachahmer findet.

Mitfahrbänke bieten Mobilität auf dem Lande

Diese Herren warten auf eine Mitfahrgelegenheit zum drei Kilometer entfernten Bahnhof von Speicher im Eifelkreis Bitburg-Prüm

Mit Klappschildern statt auf einem Stück Karton kann die neue Generation der Tramper an den Bänken oft anzeigen, wo es hingehen soll. Statt Paris, Berlin oder München ist dies meist das Einkaufszentrum, der Bahnhof oder der Nachbarort.

Eigentlich entstand die Idee per Zufall, erzählt Ursula Berrens vom Caritasverband Westeifel im rheinland-pfälzischen Bitburg. Im Nachbarort Speicher war sie mit einem Projekt zur Verbesserung der Situation alter Menschen beschäftigt und wollte mit einer Kollegin Standorte für neue Bänke erkunden. "In dieser Situation kam mir die Idee, die Bänke auch für Mitfahrgelegenheiten zu nutzen."

Im August 2014 ging es los. "Das Charmante an der Mitfahrbank ist, dass die Bank an sich niemals eine Fehlinvestition sein kann", erklärt Berrens. Eine Lösung aller Mobilitätsprobleme im ländlichen Raum sei sie allerdings auch nicht.

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3:41 min | Fr, 3.7.2015 | 18:45 Uhr | Landesschau Rheinland-Pfalz | SWR Fernsehen RP

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Trampen ist "in"!

Mitfahrerbörse 1.0

Es ist eine einfache Idee: Man setzt sich auf eine Bank, klappt ein Schild mit seinem Fahrziel auf und wartet darauf mitgekommen zu werden. Die Mitfahrerbank in Speicher in der Eifel wird immer mehr zum Exportschlager: Acht Dörfer haben sie mittlerweile eingeführt.

Die Erfahrung zeige, dass nicht jeder gleich schnell wegkomme von der Mitfahrbank. Zwei ältere Frauen zum Beispiel warteten eine ganze Zeit vergeblich und machten sich dann zu Fuß auf den Weg, erzählt Berrens. Als direkt danach zwei junge Mädchen die Bank ansteuerten, stoppten gleich zwei Wagen. Schwerer hatte es auch ein Mann, der mit einer offenen Büchse Bier auf eine Mitfahrmöglichkeit wartete. Die Mitfahrbank sei kein Massenverkehrsmittel, so Berrens. Sie führe aber mitunter dazu, dass sich Menschen für die nächste gemeinsame Fahrt verabreden.

Die Mitfahrerbank findet Gefallen

So eine grüne Mitfahrerbank gibt es inzwischen und in Auw und den Eifelgemeinden Spangdahlem, Hosten, Beilingen, Herforst, Orenhofen, Preist und Bitburg. Aber auch in anderen Bundesländern wird sie kopiert, beispielsweise in Kleinnaundorf in der Sächsischen Schweiz, in Bünsdorf in Schleswig-Holstein, im niedersächsischen Asel im Kreis Hildesheim und in Lügde im Kreis Lippe.

Auf solch zufällige Mitfahrgelegenheiten setzt das Forschungsprojekt "digitale Dörfer" des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering (Iese) in Kaiserslautern dagegen nicht. Es konzentriert sich stattdessen auf eine digitale Vernetzung auf dem Land. Wege, die Menschen ohnehin zurücklegen, sollen über eine App sichtbar und für andere nutzbar werden, als Mitfahrgelegenheit oder zum Transport von Waren. Die Bäcker oder Apotheker, die regelmäßig eine Strecke fahren, könnten als Chauffeure für autolose Nachbarn dienen. Das Ziel: Der ländliche Raum soll attraktiv bleiben.

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