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Diplomatisches Nachspiel nach "Mainz bleibt Mainz"? Polen kritisiert Kabarettist Reichow

Die polnische Regierung hat verärgert auf Auszüge der Fastnachtsrede des Kabarettisten Lars Reichow reagiert. Auch ein Düsseldorfer Motivwagen hat während der närrischen Tage für Unmut gesorgt. Aus Warschau gab es heftige Kritik.

Kabarettist Lars Reichow bei der Fernsehsitzung "Mainz bleibt Mainz"

Kabarettist Lars Reichow bei "Mainz bleibt Mainz"

Auch wenn der Düsseldorfer Wagen dieses Jahr gar nicht auf die Strecke ging, erklärte der polnische Außenminister Witold Waszczykokwski: "Wir werden unsere deutschen Partner auf diplomatische Art fragen, wem ein solcher Unsinn nutzen soll." Der Düsseldorfer Motivwagen zeigt Polen als misshandelte Frau unter dem Stiefel des nationalkonservativen Parteichefs Jaroslaw Kaczyński.

"Widerwärtiger, rüpelartiger Witz"

Kritik gab es auch an dem Kabarettisten Lars Reichow. In den polnischen Abendnachrichten war von schockierenden Witzen die Rede. Reichow hatte in der Fernsehsitzung "Mainz bleibt Mainz" ebenfalls Kaczyński kritisiert. Reichow sagte: "Der mächtigste Mann aus Polen ist Kaczyński - ein eineiiger Zwilling - das andre Ei ist vor ein paar Jahren abgestürzt." Über diesen Witz habe die Berliner Polit-Prominenz wie der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier gelacht. In dem Bericht kommen auch Experten zu Wort. Einer erklärte, ein Witz sollte Charme versprühen und Ironie. Aber ein widerwärtiger, rüpelartiger Witz, der allein von Verachtung lebt, habe nichts mit Kultur zu tun.

Keine demokratischen Verhältnisse

Dem SWR sagte Reichow, er sei ein Gegner dieser nationalkonservativen Regierung. "Ich finde es sehr traurig, wie die Polen gewählt haben. Natürlich haben sie demokratisch gewählt, aber so haben die Ungarn auch angefangen und die Russen haben auch mal gedacht, sie werden demokratisch." Das seien aber keine demokratischen Verhältnisse, wenn eine Gleichschaltung passiere wie das jetzt in Polen der Fall sei, sagte Reichow weiter. Und das könne man in der Mainzer Fastnacht auch offen sagen.

Uneuropäisch und altmodisch

In den sozialen Netzwerken hagelte es Kritik an der Fastnachtsrede von Lars Reichow. Er selber schrieb: "Ich bin ein Freund Polens. Ich habe keinen Grund, mich pauschal, negativ oder herablassend über das Land und seine hilfsbereiten und sympathischen Bewohner zu äußern. In meinem Vortrag habe ich darauf hingewiesen, dass ich sowohl die polnische Kultur, besonders die polnischen Komponisten und Musiker, aber auch die hervorragenden Handwerker sehr schätze. Das war kein Witz, sondern ernst gemeint! Und ja, mit der neu gewählten Regierung kann ich nicht viel anfangen, denn sie erscheint mir altmodisch rückwärtsgewandt und uneuropäisch!".

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