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Benefizkonzert von Mainzer Staatstheater und Polizeiorchester "Wir stehen auf derselben Seite"

Zwar hat das Mainzer Staatstheater eine Anzeige für seine Protest-Singen bei einer AfD-Kundgebung bekommen. Innenminister Lewentz (SPD) fand die Aktion jedoch sympathisch. Die Folge: Ein Theater-Polizei-Benefizkonzert.

Staatstheater Mainz

Vor dem Mainzer Theater fand die AfD-Kundgebung statt.

Das Benefizkonzert des Mainzer Staatstheaters und des Landespolizeiorchesters soll am 24. Januar im Kleinen Haus des Theaters stattfinden. Die Idee hatte Innenminister Roger Lewentz (SPD) persönlich. "Ich habe Herrn Müller persönlich angerufen und ihm den Vorschlag unterbreitet. Er fand ihn ganz toll – und jetzt werden wir etwas für Flüchtlinge machen", sagte er dem SWR.

Am Dienstag hat sich der Leiter des Polizeiorchesters schon mit Theaterintendant Markus Müller getroffen. Es gibt schon ein paar erste Ideen zum Inhalt, sagt der Intendant. "Wir wollen versuchen, die Internationalität des Ensembles und natürlich die Weltoffenheit, für die das Theater steht, auch damit zu zeigen. Es werden Sänger dabei sein, die aus Amerika, aus Australien, aus Frankreich aber auch aus Deutschland kommen." Musikalische Ausflüge in verschiedene Länder soll es geben. Aber eines ist für Markus Müller klar: Die "Ode an die Freude" wird nicht auf dem Programm stehen.

Gegen die "Vergangenheitsparolen"

Nach der Anzeige von Polizei und AfD gegen das Mainzer Staatstheater hatte sich auch Oberbürgermeister Ebling (SPD) geäußert und die Gesangseinlage der Theatermitarbeiter ausdrücklich gelobt. Er zolle allen Mainzern Respekt, die am Samstag vor einer Woche gegen die "Vergangenheitsparolen der Alternative für Deutschland (AfD)" Haltung gezeigt hätten, sagte Michael Ebling vergangenen Donnerstag im Gespräch mit dem SWR.

Die Kritik der AfD, dass eine mit öffentlichen Mitteln finanzierte Einrichtung wie das Staatstheater nicht für die Verbreitung politischer Ansichten missbraucht werden dürfe, wischte Ebling beiseite: "Wer das Theater in einer Phase gesellschaftlicher Diskussionen wie über die Flüchtlingspolitik dafür kritisiert, dass es eine Haltung besitzt, hat die über zweitausendjährige Tradition des Theaters in Mainz nicht begriffen", sagte der OB.

Ebling stärkt Müller den Rücken

Michael Ebling

Begrüßt den Protest ausdrücklich: Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD)

Ebling, der auch als Aufsichtsratsvorsitzender des Mainzer Sttaatstheaters fungiert, stärkte auch demonstrativ Theaterintendant Markus Müller den Rücken. Den Protest samt Gesangseinlage der Theatermitarbeiter nannte er "ein Gesamtkonzert von über 2.000 Mainzern". Müller war dafür kritisiert worden, dass seine Angestellten mit Lautsprechern verstärkt die Ode und so für eine Unterbrechung der AfD-Veranstaltung gesorgt hatten.

Zunächst hatte die Mainzer Polizei, am Mittwoch dann auch die AfD das Theater angezeigt. Der AfD-Landesvorsitzende in Rheinland-Pfalz, Uwe Junge, begründete den Schritt mit grober Störung und der Verbreitung von Hassparolen. Als Beleg führte er den Vorwurf von Teilnehmern der Kundgebung an, dass Theatermitarbeiter versucht hätten, ein Plakat mit der Aufschrift "AfD verrecke" am Theater aufzuhängen, was die Polizei verhindert habe, so Junge weiter.

Theatersprecherin widerspricht Junge

Sylvia Fritzinger, Sprecherin des Mainzer Staatstheaters, widersprach im Gespräch mit dem SWR Junges Darstellung. "Das Transparent ist definitiv nicht von einem Mitarbeiter des Theaters angebracht worden", so Fritzinger. "Sobald wir das Banner entdeckt hatten, haben wir es entfernt." Und man habe dies auch am Samstagabend umgehend der Polizei so mitgeteilt.

Die Anzeige der AfD richtet sich aber auch gegen die Gesangseinlage. Es sei inakzeptabel, dass die Mitarbeiter des Theaters "ihre staatlich finanzierte Musikanlage" eingesetzt hätten, um die Kundgebung gezielt zu stören, so AfD-Landeschef Junge. Aus diesem Grund hatte auch die Mainzer Polizei Anzeige erstattet. Auch sie sah die AfD-Kundgebung in grober Art und Weise gestört, was gegen das Versammlungsrecht verstoße.

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