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Landesweit weniger Messdiener Pfarreien werben um Nachwuchs

Die Zahl der Katholiken sinkt. Auch deshalb finden sich immer weniger Jugendliche als Messdiener. Nun suchen viele Pfarreien nach neuen Möglichkeiten, Nachwuchs zu gewinnen und zu halten.

Ein Messdiener steht in einer Kirche und hält eine Kerze in der Hand.

Nachwuchssorgen bei Messdienern

Die Zahl der Ministranten ist in allen Bistümern in Rheinland-Pfalz in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Im Bistum Mainz waren es bei der letzten Zählung im vergangenen Jahr noch etwa 9.000 und damit rund 1.600 weniger als 2008. Ganz ähnlich ist der Rückgang im Bistum Limburg, das zum Teil in Rheinland-Pfalz liegt. Auch hier waren es 2015 noch rund 9.000 Jugendliche. Im Bistum Trier sank die Zahl im gleichen Zeitraum von 27.000 auf rund 20.000 Messdiener. Im Bistum Speyer gibt es noch etwa 7.000 "Minis". Einen Notstand sehen die Bistümer angesichts dieser Zahlen aber noch nicht. Zudem ist die Situation von Gemeinde zu Gemeinde sehr unterschiedlich.

Für die sinkende Zahl der Messdiener in vielen Kirchengemeinden gibt es zahlreiche Gründe, wie etwa weniger Kirchenmitglieder, Ganztagsschule und andere Freizeitmöglichkeiten. Deshalb gehen die Pfarreien bei der Nachwuchswerbung neue Wege. "Wir versuchen uns den Möglichkeiten der Kinder anzupassen", sagt Pastoralreferent Clemens Fiebig von der Pfarrei Hl. Katharina von Siena in Ludwigshafen. Tobias Sattler, Referent für Messdiener beim bischöflichen Jugendamt in Mainz, mahnt: "Da kann man nicht tatenlos zusehen - sonst haben die Gemeinden irgendwann ein Zukunftsproblem."

"Wir sind da sehr flexibel geworden"

Fiebig, in dessen Pfarrei fünf Gemeinden zusammengeschlossen sind, berichtet, dass etwa in der Ludwigshafener Gartenstadt an manchen Sonntagen kein einziger Messdiener am Gottesdienst mitwirkt: "Das ist dann schon trist." Grund seien die häufig zerrütteten Familienverhältnisse in diesem Teil der Stadt, oft lebten Vater und Mutter getrennt und weit voneinander entfernt. "Da sind die Kinder am Wochenende oft gar nicht hier."

In Ludwigshafen gelte deshalb: Auch wer nur einmal im Monat oder sogar nur alle zwei Monate zum Ministrieren kommen könne, sei willkommen. "Wir sind da sehr flexibel geworden", sagt Fiebig.

Mit Ausflügen und Freizeiten auch mit Ministranten anderer Gemeinden soll zudem die soziale Gemeinschaft gestärkt werden. Für Sattler geht es darum, den Jugendlichen klarzumachen, dass der Dienst ein persönlicher Gewinn für sie ist. Großveranstaltungen wie der bistumsweite Ministrantentag sollen für den Dienst werben und zeigen, dass Messdiener sein mehr ist, als nur im Gottesdienst mitzuwirken.

Sinkende Bedeutung von Religion und demografischer Wandel

Zwei Trends verschärfen die Situation. Da wäre zum einen die sinkende Bedeutung von Religion und Glaube in der Gesellschaft. "Kirche scheint für viele nicht mehr attraktiv zu sein", sagt Clemens Mann vom Bistum Limburg. Sinkende Katholikenzahlen bedeuten eben auch weniger Jugendliche in den Gemeinden. Die Kirchennähe der Familie sei ein entscheidender Faktor, sagt Pastoralreferent Fiebig. "Das ist in immer weniger Familien der Fall." Umgekehrt gebe es aber auch Kinder, die sich bewusst für den Dienst entscheiden, obwohl die Eltern sonntagmorgens lieber im Bett bleiben.

Zum anderen machen sich der demografische Wandel und sinkende Geburtenzahlen bemerkbar. "Es werden überhaupt weniger Kinder geboren", sagt Mann vom Bistum Limburg. Ein immer größeres Angebot von Sport- und Musikvereinen auch an Sonntagen tut sein übriges. Der Ludwigshafener Pastoralreferent Fiebig bleibt trotzdem optimistisch: "Solange es uns gelingt, die zusammenzuführen, die noch wollen, können wir das positiv beeinflussen."

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