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Koblenzer Landgericht Prozess gegen Hells Angels vertagt

Kaum begonnen, wurde der Prozess vor dem Landgericht Koblenz gegen neun Mitglieder des Rockerclubs Hells Angels auch schon wieder unterbrochen. Einer der Angeklagten ist für die Polizei ein "alter Bekannter".

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2:00 min | Mi, 20.1.2016 | 18:00 Uhr | SWR Fernsehen RP

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Landgericht Koblenz

Prozessauftakt gegen Hells Angels

Vor dem Koblenzer Landgericht hat der Prozess gegen neun Mitglieder des Rocker-Clubs Hells Angels begonnen. Die Angeklagten sollen sich Revierkämpfe mit anderen Rocker-Clubs geliefert haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern die Bildung einer kriminellen Vereinigung im Norden von Rheinland-Pfalz vor. In dem Mammut-Verfahren - die Anklageschrift ist etwa 400 Seiten lang - will sie das nachweisen.

Am Mittwochmorgen vertagte das Gericht die Verhandlung kurz nach Beginn auf den kommenden Mittwoch: Der Rechtsanwalt eines der Angeklagten hatte bemängelt, dass er erst am Dienstag die volle Einsicht in die Ermittlungsakten bekommen hätte. Außerdem war ein weiterer Angeklagter nicht zum Prozessauftakt erschienen, weil er krank war.

Geiselnahmen und Erpressung

Unter den neun angeklagten Rockern ist auch der polizeibekannte "Kalli" B., der 2010 einen SEK-Beamten erschoss, später aber freigesprochen wurde. Die Beschuldigten sollen Mitglieder des Charters Bonn des Motorradclubs Hells Angels gewesen sein, einer Art Regionalclub mit Hauptquartier in Unterelsaff bei Neustadt/Wied. Sie sollen in unterschiedlicher Besetzung jahrelang schwere Straftaten begangen haben, unter anderem im Großraum Bonn und im Norden von Rheinland-Pfalz. Den Rockern werden etwa Verstöße gegen das Waffenrecht, sowie Nötigung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Straff organisierter Club

Besucher und Männer von hinten mit einer schwarzen Lederweste mit der Aufschrift "Hells Angels"

Besucher und Mitglieder des Rockerclubs beim ersten Prozess gegen "Kalli" B.

Laut Staatsanwaltschaft waren alle Mitglieder straff organisiert, sie mussten anscheinend die Clubinteressen über ihre eigenen stellen. Jede Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden sei ihnen verboten gewesen. Die Angeklagten hätten einen "Alleinvertretungsanspruch" des Clubs in ihrem Beritt durchsetzen wollen. Das heißt, sie machten etwa die Gründung anderer Motorradclubs in der Region von ihrer Zustimmung abhängig, in Einzelfällen sollen sie sie auch gewaltsam aufgelöst haben.

Großrazzia im April 2015

Dass es jetzt zu dem Prozess vor dem Koblenzer Landgericht kommt, hat mit einer Großrazzia im Frühjahr 2015 zu tun. Damals durchsuchten rund 650 Polizisten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zahlreiche Wohnungen, auch im Kreis Neuwied. Die Beamten beschlagnahmten mehrere Schusswaffen und nahmen sechs Mitglieder der Hells Angels fest. Von ihnen sitzt nach Angaben des Landgerichts nur noch "Kalli" B. aus Anhausen im Kreis Neuwied in Untersuchungshaft.

Tödliche Schüsse auf SEK-Beamten

Das ist der Mann, der im Frühjahr 2010 einen SEK-Beamten durch die geschlossene Haustür erschossen hatte. Damals wollten Polizisten am frühen Morgen sein Haus in dem kleinen Westerwaldort durchsuchen. Dabei fielen die tödlichen Schüsse, die den Polizisten Manuel K. so unglücklich trafen, dass er trotz einer Schutzweste starb.

Ein Foto des Polizeibeamten Manuel K. mit Trauerflor steht während der Trauerfeier an der Landespolizeischule Rheinland-Pfalz am Flughafen Hahn neben dem Kondolenzbuch.

Ein Foto des Polizeibeamten Manuel K. während der Trauerfeier an der Landespolizeischule am Flughafen Hahn Ende März 2010

Vor dem Koblenzer Landgericht sagte "Kalli" B. damals aus, ihm sei nicht bewusst gewesen, dass er auf einen SEK-Beamten ziele. Er habe aus Notwehr geschossen, weil er verdächtige Geräusche gehört und geglaubt habe, es handele sich um einen Eindringling. Er habe den Angriff eines Mitglieds des konkurrierenden Motorradclubs "Bandidos" gefürchtet. Dieser Darstellung folgte der Bundesgerichtshof im Revisionsverfahren und hob das Urteil von neun Jahren Haft wegen Totschlags auf.

Vermutlich lange Verhandlung

Für den neuen Prozess sind vorerst 14 Verhandlungstage angesetzt. Es gibt verschärfte Personenkontrollen.

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