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Kampagne vor 25 Jahren Als in Mainz die Fastnacht ausfiel

Mainz zur Fastnachtszeit ohne Rosenmontagszug? Undenkbar! Und doch gab es vor 25 Jahren eine Ausnahme: Wegen des brodelnden Golfkriegs ging als das Jahr ohne fünfte Jahreszeit in die Geschichtsbücher der Stadt ein.

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3:00 min | Di, 19.1.2016 | 18:00 Uhr | SWR Fernsehen RP

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Mainz

Vor 25 Jahren fiel die Fastnacht aus

Seit den Anschlägen von Paris und den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln wird viel über die Sicherheit bei Großveranstaltungen diskutiert. Es wird sogar überlegt, Fastnachtsumzüge abzusagen. Das gab es schon einmal 1991: Schuld war der Golf-Krieg.

11. Februar 1991 in Mainz: Es liegt Schnee, vereinzelt laufen in Wintermäntel gehüllte Passanten durch die Innenstadt. An sich kein ungewohntes Bild - wenn nicht Rosenmontag wäre. Der erste Krieg zwischen dem Irak und den USA hatte damals weltweit Ängste geschürt. Was aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar scheint, versetzte die damalige vom Kalten Krieg geprägte Bevölkerung in einen Alarmmodus. Ein Dritter Weltkrieg schien möglich.

"Es war eine vorauseilende Angst", erinnert sich die Mainzer Fastnachtslegende Hans-Peter Betz. "Meine kleine Tochter war damals im Kindergarten nahe der Lee Barracks, wo US-amerikanische Einheiten stationiert waren. Da fehlte die Hälfte der Kinder, weil die Eltern Angst hatten." Als fast schon hysterisch empfand Betz die Stimmung damals.

Kollektive Absage

Die Fastnachts- und Karnevalsvereine trafen sich in Mainz zu einer gemeinsamen Krisensitzung. Fast alle größeren Veranstaltungen wurden abgesagt. Schwellköppe und Motivwagen wurden abgebaut und eingemottet. In einem Zeitraum vom 65 Jahren war das Jahr 1991 das einzige Jahr ohne Fastnacht.

Mainzer Fastnachter blicken zurück

Auch der MCV war an den Entscheidungen beteiligt: "Wir konnten es nicht verantworten, dass, während am Golf tausende junge Menschen sterben, wir Fastnacht feiern und so tun, als ob nichts gewesen sei", erzählt Rudi Henkel. Und Heinz Meller ergänzt: "Man hatte den Eindruck, man müsse etwas tun, denn schließlich war Krieg ausgebrochen und man darf da nicht feiern." Eigentlich dürfe man dann heute auch nicht feiern, sagt er. Denn die Situation damals sei nicht viel anders gewesen.

Zwischen moralischen Skrupeln und rationalen Bedenken

Krieg, Terror, Flucht und neue Formen innerer Konflikte - so sieht es 2016 aus. Doch heute glaubt wohl keiner mehr, dass ein Verzicht auf die Fastnacht die Welt sicherer und besser machen würde. Im Gegenteil: Die Großen der Mainzer Fastnacht sind sich einig, dass sie Flagge zeigen wollen. "In unseren Sitzungen sieht man: Die Leute haben Spaß, die haben Freude", sagt Heinz Meller. Er habe gerade am vergangenen Wochenende die Zuschauer dazu animiert, zu feiern. Das sei viel sinnvoller, als sich zu viele schlimme Gedanken zu machen. "Wenn wir jeden Konflikt zum Anlass nehmen würden, die Fastnacht ausfallen zu lassen, gäbe es irgendwann keine Fastnacht mehr", sagt Hans-Peter Betz.

25 Jahre nach dem historischen Ausfall der Fastnacht findet sie also statt. Doch so voll wie im Vorjahr werden die Straßen in diesem Jahr vermutlich nicht. Denn anders als 1991 geht es nicht mehr um moralische Skrupel, sondern um die ganz praktische Abwägung, wie viel Risiko man für den Spaß in Kauf nehmen möchte.

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