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Gewerkschaft fordert in Trier mehr Polizeistellen Protest mit der Brechstange

Die Gewerkschaft der Polizei hat am Samstagvormittag in Trier für mehr Polizeistellen demonstriert. Mit kreativen Verkleidungen machten sie auf einen Personalengpass aufmerksam.

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1:32 min | Sa, 27.2.2016 | 18:00 Uhr | SWR Fernsehen RP

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Proteste in Trier

Polizei am Limit

In Trier haben Polizisten - verkleidet als Verbrecher - für zusätzliche Vollzeitstellen demonstriert. Laut Gewerkschaft der Polizei (GdP) arbeiten die Polizisten seit Jahren jenseits der Belastungsgrenze.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte am Samstag in Trier beim Start einer landesweiten Kampagne unter dem Motto "Wir brauchen Verstärkung" 1.000 zusätzliche Vollzeitstellen für die rheinland-pfälzische Polizei.

"Mit 9.000 Polizeibeamten schaffen wir es nicht mehr", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Trierer GdP-Bezirksgruppe, Dieter Engemann, am Samstag. Die Polizei im Land arbeite seit Jahren jenseits der Belastungsgrenze. "Wir sind am Ende."

Protest im Verbrecherkostüm

Als Verbrecher in schwarz und mit Sturmhaube verkleidet übergaben Polizeibeamte Fußgängern in Trier Brecheisen aus Pappe. Sie warben bei den Passanten um Unterstützer-E-Mails. "Wir finden bei der Bevölkerung großen Zuspruch und Verständnis", sagte der GdP-Landesvorsitzende Ernst Scharbach über die Aktion.

Engemann bemängelt unzählige Sondereinsätze, neue Aufgaben und das normale Alltagsgeschäft: "Auf jedem Schreibtisch liegen 50 bis 80 Akten zur Bearbeitung. Der Arbeitsdruck wird immer größer", sagte Engemann. Mit der angespannten Sicherheitslage und der Flüchtlingskrise habe sich die Lage noch verschärft.

Überlastung schlägt auf die Gesundheit

Der Berg an Überstunden bei den Polizisten im Land sei mittlerweile auf fast zwei Millionen gewachsen. "Die Kollegen sind fertig." Rund 1.000 Beamte seien nur noch eingeschränkt dienstfähig, der Krankenstand bei den 25- bis 35-Jährigen sei besonders hoch. Denn sie seien es vor allem, die bei Engpässen einsprängen und sich dann verausgabten.

"Dass die Beamten vor Ort im Moment unter starker Belastung sehr ächzen und leiden, das verstehe ich vollkommen", sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD). Er nehme die Sorgen und Ängste "sehr ernst". Mittelfristig werde es aber eine "deutliche Verbesserung" geben, versprach er.

Land bildet weitere Polizisten aus

Die rot-grüne Landesregierung hat nach eigenen Angaben bereits 2014 mit einer hohen Zahl an Neueinstellungen reagiert. 2015 waren es 475 Polizeianwärter, die neu hinzukamen, im laufenden Jahr sollen es 500 werden. Mit dann 1.440 Anwärtern in der Ausbildung sei ein Rekordniveau erreicht. Nach Angaben des Ministeriums waren am 1. Juli 2015 landesweit 9.357 Polizisten im Dienst.

Nach Angaben von Engemann müssen neu Eingestellte aber zunächst drei Jahre ausgebildet werden und zwei Jahre bei der Bereitschaftpolizei Station machen, bevor sie in einer Dienststelle eingesetzt werden könnten. Zudem sei zu berücksichtigen, dass derzeit mehrere Hundert Beamte pro Jahr in Pension gingen.

Nach dem Start in Trier sind auch Protestveranstaltungen in Kaiserslautern, Koblenz, Ludwigshafen und Mainz geplant.

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