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Gesundheitliche Risiken befürchtet Rheinland-Pfalz verbietet Einsatz von Glyphosat

Umweltministerin Höfken hat den Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat auf öffentlichen Flächen in Rheinland-Pfalz verboten. Das Mittel wird auch privat verwendet.

Auf einem Feld werden Düngemittel per Traktor versprüht

Kein Glyphosphat mehr erlaubt (Symbolbild)

Ulrike Höfken (Grüne) wies den Pflanzenschutzdienst an, aus Gesundheitsgründen keine Genehmigungen mehr für den Einsatz zu erteilen. Glyphosat wird unter der Produktbezeichnung "Roundup" auch von privaten Hausbesitzern verwendet, um etwa Garagenzufahrten von Unkraut freizuhalten.

"Die Hinweise auf eine gesundheitsschädliche Wirkung von Glyphosat verdichten sich", sagte die Ministerin am Mittwoch. "Deshalb wollen wir den Einsatz des Mittels auf Landesebene so weit wie möglich einschränken."

Umstrittener Wirkstoff

Laut Höfken hält die Weltgesundheitsorganisation WHO den Wirkstoff möglicherweise für krebserregend. Außerdem hatte Ende Juni ein Leipziger Labor eine Untersuchung veröffentlicht, wonach in Muttermilch Glyphosat-Rückstände gefunden worden waren, deren Konzentration viermal so hoch wie der zulässige Grenzwert für Trinkwasser war. Die Muttermilchproben stammten unter anderem von Frauen aus Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg.

Höfken kritisierte die Bundesregierung, dass sie bislang nicht auf einen Vorstoß des Bundesrats aus dem Jahr 2013 reagiert habe, das Mittel in Haus- und Kleingärten sowie beim Einsatz in der Landwirtschaft kurz vor der Ernte zu verbieten.

"Schritt in die richtige Richtung"

Nach Einschätzung von SWR-Umweltredakteur Manfred Ladwig ist das partielle Glyphosat-Verbot in Rheinland-Pfalz ein Versuch, den "grauen Markt" in den Griff zu bekommen. "Das ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung", sagt er. Allerdings müsse man noch viel weiter gehen und das Herbizid flächendeckend verbieten - und zwar bundesweit.

"Wir müssen weg vom Gifteinsatz in der Landwirtschaft", sagt Ladwig. Nur so könne man ein richtige Agrarwende umsetzen. Nach Meinung des Umweltexperten ist Glyphosat durchaus mit dem Insektizid DDT und dem Unkrautvernichtungsmittel Atrazin vergleichbar. Bei beiden habe es eine Weile gedauert, bis man sich über die Gefahren der Stoffe bewusst geworden sei. "Das erleben wir jetzt bei Glyphosat", so Ladwig.

Kommt ein EU-Verbot?

Die EU muss Ende des Jahres entscheiden, ob sie die Zulassung des Herbizids in der Landwirtschaft verlängert. Allzu große Hoffnungen setzt Ladwig nicht in die Brüsseler Entscheidung. Möglicherweise würden schärfere Grenzwerte beschlossen. Ein Verbot werde es aber nicht geben. Grund sei das "big money". Mit Glyphosat verdienten große Chemiekonzerne wie Monsanto, BASF oder Bayer einfach zu viel Geld. Und das wirke sich politisch aus.

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