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Eisige Temperaturen in Rheinland-Pfalz Zecke und Mücke jucken Minusgrade nicht

von Andrea Lohmann

Mit dicken Socken und heißem Tee trotzt der Mensch der klirrenden Kälte. Das alles haben Mücken, Zecken und Fliegen nicht zur Hand - was nicht bedeutet, dass sie bei - 10 Grad den Kältetod sterben.

Eine Zecke.

Diese Zecke hat den Winter überlebt und sich mit ihrem Lebenselixier Blut vollgepumpt

Ob Mücken, Zecken, Stubenfliegen oder Eichenprozessionsspinner-Raupen: Sie alle können gewaltig nerven. Wer sich allerdings Hoffnungen macht, dass es den Plagegeistern an den Kragen geht, wenn es nur mal richtig kalt wird, der wird von Laura Kettering vom NABU Rheinland-Pfalz eines Besseren belehrt: "Die Tiere haben ihre eigenen Überlebensstrategien entwickelt."

Wir haben zwar Wollpullis und Heizungen. Die Waffen der Insekten gegen Kälte, Schnee und Eis heißen: Winterstarre, Winterspeck, Frostschutzmittel und Körper-Heizung.

Wenn die Eier zur Eiskugel werden

Die kritische Marke, bei der auch die tierischen Überlebensstrategien nichts mehr nützen, liege bei -20 Grad abwärts, weiß die Biologin vom NABU. Das sind Temperaturen, die in Rheinland-Pfalz allerdings eher selten vorkommen. Die eigentliche Gefahr gehe vielmehr von einem anhaltenden Dauerfrost aus. Dann erreichen die Minusgrade langsam aber sicher auch die Orte, an denen Eier und Larven geschützt abgelegt wurden, wie zum Beispiel Laubhaufen oder Mauernischen. Eier und Larven drohen dann selbst zu gefrieren: Die Flüssigkeit in ihrem Körper werde zu Eis, dehne sich entsprechend aus und schädige die Zellen, erklärt Kettering. Das sei dann der Todesstoß für die Tiere. "Wichtig ist also weniger die Temperatur auf der Wetterkarte, sondern das Mikroklima, das die Tiere umgibt."

Frühlings- und Sommerwetter wichtig

Entscheidender als die Temperaturen im Winter sind nach Aussage von Kettering aber die Witterungen im Frühjahr und im Sommer. Im Frühling entwickelten sich die Tiere aus den Eiern und Larven. Dann seien die Temperaturen und die Niederschläge entscheidend. So brauche die Stechmücke zum Beispiel viel Feuchtigkeit, um sich gesund und in großer Anzahl zu entwickeln. Trockenheit ist eher ungünstig. "Das hat also gar nichts mit einem harten Winter oder Minustemperaturen zu tun, ob es viele Stechmücken gibt", so Kettering.

Manchmal seien es auch gerade die milden Winter, die den Insekten und ihrem Nachwuchs zu schaffen machten. Ist es mild, könnten sich die Sporen von Pilzkrankheiten schön vermehren und die seien für Insekten viel gefährlicher als der Frost. Auch andere Krankheiten machten in milden Wintern den Insekten zu schaffen, weiß die Biologin.

Die tierischen Überlebensstrategien

Wie schafft es also das "Ungeziefer", über den Winter zu kommen? Und wenn Mücken und Fliegen bei Frosttemperaturen nicht die Flügel hängen lassen, schaffen es dann wenigstens auch Marienkäfer und Bienen unbeschadet durch die kalte Jahreszeit?

Eine Stechmücke in Eis

Stechmücke

Die meisten von ihnen überleben den Winter im Eistadium - für sie gilt: lieber kein Dauerfrost, aber ein paar kalte Tage lässt sie kalt. Das Weibchen der Hausstechmücke verbringt den Winter als befruchtetes Weibchen - das sind die, die nach Blut dürsten. Wer also eine Mücke im Winter im Haus sichtet, sollte zum Pantoffel greifen, bevor zugestochen wird. Gut versteckt überleben die Weibchen auch draußen.
Nahaufnahme einer Fliege.

Stubenfliege

Die Stubenfliege überwintert im lockeren Erdreich und kann das in den verschiedenen Stadien tun: als Ei, Puppe oder Larve. Klirrende Kälte können ihnen nichts anhaben, wohl aber Dauerfrost. Theoretisch könnte sie auch als ausgewachsenes Tier überwintern. Da sie aber nur eine Lebenserwartung von etwa 4 bis 6 Wochen hat, würde sie aus diesem Grund den Winter nicht überstehen.
Eine Zecke.

Zecke

Zecken überwintern in allen Entwicklungsstadien unter Laub oder Steinen. Die Population wird nur durch sehr lange Frostperioden und starke Minusgrade (- 20 C°) geschwächt. Ist der Winter eher mild - so wie bei uns im Land - und der Sommer feucht, sind das gute Voraussetzungen für die Zecken-Vermehrung.
Raupe vom Eichenprozessionsspinner

Eichenprozessionsspinner

Die Weibchen legen im Sommer ungefähr 150 Eier auf dünnen Ästen schön aufgereiht ab. Sie wählen dafür den Kronenbereich von Eichen aus. Im Herbst entwickeln sich dann die Embryos, die den Winter in den Eiern überdauern. Wichtiger als Wärme oder Kälte im Winter ist für eine "gute" Entwicklung mildes Wetter im Frühjahr mit wenig Wind und Regen. Diese würden die Eier von den Bäumen pusten. Viel Sonne im Spätsommer bei der Eiablage erhöht die Wahrscheinlichkeit einer großen Population im nächsten Jahr.
Eine Wespe auf einem Stück Wassermelone.

Wespe

Im Spätsommer schlüpfen die neuen Königinnen, die sich nach dem Hochzeitsflug Reserven für den Winter anfressen, um dann an frostfreien Orten wie Mauerritzen, Holzstapeln oder Dachböden in Winterstarre auf den Frühling zu warten. Im Frühjahr erwachen dann ausschließlich Königinnen.
Blattlaus auf einem Finger

Blattlaus

Erwachsene Blattläuse müssen auf milde Winter hoffen, denn ihnen versetzen Minustemperaturen den Todesstoß. Bleibt das Quecksilber über Null, überleben sie problemlos. Fällt das Thermometer im Frühjahr nochmal unter Null, werden bereits geschlüpfte Jungtiere dadurch geschädigt - ein paar frostige Nächte im März oder April sollten also allen Gärtnern recht sein.
Ein Schmetterling in einem Eiswürfel eingefroren.

Schmetterlinge

Je nach Art wird die kalte Jahreszeit als Ei (Frostspanner), Raupe (Apfelwickler), Puppe (Kohlweißling) oder ausgewachsener Schmetterling überdauert. Der ausgewachsene Zitronenfalter hat dabei wie einige andere Insekten auch eine ganz eigene Überlebensstrategie entwickelt: Er mixt sich sein eigenes "Frostschutzmittel", um das Gefrieren seiner Körperflüssigkeiten mit entsprechenden Zellschäden und dem Tod zu verhindern. Sein Frostschutzmittel ist eine Mischung aus Alkohol, Salzen und Eiweiß. Salze und Alkohol setzen den Gefrierpunkt der Flüssigkeit herab, so dass das Tier auch Temperaturen unter Null überlebt.
Hummel sitzt auf einer Blume

Biene

Die Bienen haben eine sehr soziale Art, den Winter ohne Winterstarre zu überleben - wobei es eine von ihnen immer besser als alle anderen und immer richtig kuschelig warm hat. Die Honigbienenvölker mit rund 20.000 Bienen überwintern gemeinsam. Dabei bilden sie in ihrem Stock eine Wintertraube, in der sich sie sich gegenseitig vor Kälte schützen. In der Mitte, da wo es am wärmsten ist, sitzt die Königin. Dort herrscht stets eine Temperatur von mindestens 25 Grad. Mit ihrer Flugmuskulatur heizen die Bienen die Wintertraube auf und bewahren so die Königin und das ganze Volk vor dem Erfrieren.
Ein Marienkäfer krabbelt auf einer Eisdecke.

Marienkäfer

Der Marienkäfer sucht sich zum Überwintern geschützte Orte wie Spalten, Höhlen, Rolladenkästen oder Dachritzen. Dort verbringt er den Winter in Massenansammlungen und verharrt in einer Winterstarre. Auch der Marienkäfer produziert sein eigenes Frostschutzmittel zum Schutz gegen den Erfrierungstod.
Libelle auf Blatt an der Jagst

Libelle

Die Libelle hat eine ganz eigene Überlebensstrategie für die kalten Tage. Sie bringt ihren Nachwuchs schon im Sommer in Sicherheit unter und legt ihre Eier in Gewässern ab. Da am Grund das Wasser nicht friert, besteht für die Eier dort keine Gefahr.

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