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Debatte um Senioren im Straßenverkehr Sind ältere Menschen schlechtere Autofahrer?

Eine 96-Jährige erkennt ein Stauende nicht. Es kommt zum Unfall. Unfälle wie dieser werfen die Frage auf: Sind Senioren im Straßenverkehr eine besondere Gefahr?

Ein älterer Mann fährt Auto und lächelt seine Beifahrerin an.

Für Senioren ist der Führerschein ein Mittel der Teilhabe

Das Auto ist gerade für ältere Menschen der Garant für Mobilität. Doch sobald schwere Verkehrsunfälle mit Senioren bekannt werden, stellen viele die Frage: Müssen 80-Jährige noch am Lenkrad sitzen?

Fahren ältere Leute schlechter als junge?

Nein, sagen Experten. "Nur steigt die Zahl der älteren Menschen, dadurch steigt auch die Zahl der Unfälle, in die Senioren verwickelt sind", sagt der verkehrspolitische Sprecher des Auto Club Europa (ACE) Matthias Knobloch. Bei jungen Menschen bestehe das Risiko, dass sie sich überschätzten, bei älteren Menschen trete die Unsicherheit in den Vordergrund. Nach Angaben des Innenministeriums sind die Senioren nicht überproportional an Unfällen beteiligt. Auch der Chef des Landesseniorenrates, Roland Sing, sagt: "Das sind Einzelschicksale, wenn so etwas passiert." 

Was sind die Ursachen für Unfälle von Senioren?

Knobloch spricht von Konzentrationsschwächen und Medikamenten. Oft fehle die Aufklärung über die Nebenwirkungen von Arzneien, die das Autofahren erschweren. Da seien die Ärzte gefragt. "Aber nicht nur die Mediziner müssen beraten, sondern auch die älteren Leute selbst müssen akzeptieren, dass sie irgendwann nicht mehr alles können."

Wie könnte man Schwierigkeiten älterer Leute begegnen?

Für Seniorenverbandschef Sing muss mehr über die Möglichkeiten moderner Fahrerassistenzsysteme wie den Totwinkelwarner informiert werden. "Oft werden die Autos innerhalb von einer halben Stunde übergeben und die Menschen wissen gar nicht, was das eigene Fahrzeug alles kann." Für ACE-Experten Knobloch ist eine sicherere Verkehrsplanung das A und O. Kreuzungen könnten übersichtlicher gestaltet werden. Und: "Manche Autobahnauffahrten sind so angelegt, dass auch junge Probleme haben, nicht als Geisterfahrer zu enden." Der ACE schlägt auch vor, den geplanten Austausch der Führerscheine alle 15 Jahre wenigstens mit einem verpflichtenden Sehtest zu verbinden. Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums sagt: "Es gibt es keine Überlegungen für Pflichttests für Senioren."

Sollte es ab einem bestimmten Alter Tauglichkeitstests geben?

Für Sing wäre das eine unakzeptable Altersdiskriminierung. "Wenn man so etwas einführt, dann für alle", meint er. "Es gibt 85-Jährige, die Höchstleistungen bringen" - und 40-Jährige, bei denen das ganz anders sei. Man habe allerdings als Angehöriger eine "Lebensverantwortung", ältere Verwandte notfalls zu überzeugen, dass sie sich vom Steuer fernhalten sollen.

Warum hängen alte Menschen so am Führerschein?

Für sie ist das Auto ein Mittel der Teilhabe, insbesondere in ländlichen Gebieten. Mit dem Auto kommen sie zum Einkaufen, zum Arzt, zu Familienangehörigen, Freunden oder zu kulturellen Veranstaltungen. "Kein Wunder, dass sich alte Menschen so an den Führerschein klammern", meint Sing. Der frühere Landeschef der AOK fügt hinzu: "Menschen, die von diesen Dingen isoliert sind, werden krank."

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