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Zeichnung der Lok "Der Rhein"

Auf Schatzsuche nach der verschollenen "Rhein" Jäger der versunkenen Lok

Einen ganzen Tag waren Polizeitaucher im Einsatz, um auf dem Boden des Rheins mögliche Teile der versunkenen Dampflokomotive "Rhein" zu finden. Das Ergebnis ist eindeutig: Dort, wo nach Echolotmessungen eventuell ein Teil der Lok aus dem Rheinboden ragen sollte, konnten nur große Gesteinsbrocken, eine Handvoll kleiner Eisenstücke und ein Stück Holz mit unbekannter Herkunft gefunden werden - leider kein Hinweis auf die versunkene Lok.

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2:06 min | Mi, 12.8.2015 | 19:30 Uhr | SWR Fernsehen RP

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Gemmershausen

Loksuche geht weiter

Taucher setzten die Suche nach der Dampflok, die vor mehr als als 160 Jahren von einem Schiff in den Rhein gestürzt ist, fort. Doch das Ergebnis war ernüchternd.

Die "Jäger der versunkenen Lok" wollen nicht aufgeben: Die Suche nach der vor über 160 Jahren im Rhein versunkenen Lok geht weiter. "Wir wissen, dass Sie dort unten liegt", so die einhellige Überzeugung der Schatzsucher. Zwar hatte sich die Hoffnung, dass ein Teil der metertief im Kiesboden vermuteten Lok möglicherweise bis an die Oberfläche des Rheinbodens ragen könnte, nach einer Suchexpedition rheinland-pfälzischer Polizeitaucher Mitte August zerschlagen. Das ändere jedoch nichts an der Tatsache, so die beteiligten Wissenschaftler, dass genau an dieser Stelle in einigen Metern Tiefe unter dem Rheinboden ein rund 20 Tonnen schwerer und etwa sechs Meter langer Eisenkörper läge. Bereits vor drei Jahren hatten sie nach zwei Jahrzehnten intensiver Suche mithilfe von Magnetresonanz-Messungen den vermuteten Unglücksort entdeckt.

Zahlen und Fakten

Skizze von Lok "Concordia"

Die "Rhein" und die "Concordia" gelten als baugleich ...

Die 1852 gebaute Lok wäre heute die älteste noch erhaltene deutsche Dampflokomotive. Sie war in den Anfangsjahren der deutschen Eisenbahngeschichte von der Fabrik Emil Kessler in Karlsruhe gebaut worden und sollte mangels Schienenstrecke auf einem Lastensegler an die Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahngesellschaft ausgeliefert werden. Bei einem Unwetter riss sich die sechs Meter lange und 20 Tonnen schwere Lok los und fiel von Bord des Schiffes in den Rhein. Mehrere Versuche, sie mit Hilfe speziell geschmiedeter Ketten, die von den Ufern aus von 400 Männern durch den Rhein gezogen wurden, und aus London angereister Taucher zu bergen, schlugen fehl. Sie geriet langsam in Vergessenheit und galt anderthalb Jahrhunderte lang als verschollen.

Erst in den 90er-Jahren begab sich der damalige Lokomotivführer und begeisterte Freizeit-Forscher Horst Müller aus Cochem mit Hilfe von Eisenbahnfreunden aus Darmstadt-Kranichstein auf die Suche nach der mittlerweile sagenumwobenen Lok. Nach jahrzehntelangen Recherchen in Behörden- und Zeitungsarchiven und einer Vielzahl von wissenschaftlich begleiteten Messungen des Freiberger Geophysikers Prof. Dr. Bernhard Forkmann entpuppten sich mehrere vermutete Fundorte als Flop.

Auf der Suche nach dem endgültigen Beweis

Kamerateam auf Rhein bei Messung mit Echotlot

Aufwendige Suche ...

Da das Rheinufer an dieser Stelle im Laufe der letzten anderthalb Jahrhunderte durch die Folgen von Tullas Rheinbegradigungen stark verändert worden war, hatte man den damaligen Unglücksort lange Zeit an Land vermutet. Erst nach der Entdeckung einiger bislang unbekannter Karten und Originalakten waren sich die Schatzsucher sicher, den tatsächlichen Lagerort der Lokomotive - etwa 50 Meter vom Ufer entfernt mitten im Rhein - identifiziert zu haben. Zudem ergaben zahlreiche Messungen an dieser Stelle eine auffallende geologische Anomalie: einen Metallkörper von rund 20 Tonnen Gewicht und sechs Metern Länge. Selbst Messungen mit einem neuentwickelten Sediment-Echolot konnten allerdings bislang nicht klären, ob es sich bei dem gemessenen Metallkörper tatsächlich um die gesuchte älteste noch erhaltene Dampflokomotive Deutschlands und damit um eines der bedeutendsten Denkmale deutscher Technik-Geschichte handelt.

"Also müssen wir sie jetzt ausbuddeln, um sicher zu sein", so der ehrgeizige Plan der Schatzsucher. Das allerdings schaffen sie nicht alleine. Denn obwohl das Land Rheinland-Pfalz - laut gültigem Schatzregal alleinige Eigentümerin der Uralt-Lok - ihnen versprochen hat, bei einer geglückten Bergung das schwergewichtige Schätzchen 25 Jahre lang in ihrem Eisenbahnmuseum in Darmstadt ausstellen zu dürfen, ist das Projekt fraglich. Den Aufwand für eine Bergung schätzen Fachleute vorsichtig auf eine halbe bis zu einer ganzen Million Euro. Deshalb heißt es jetzt für die Schatzsucher erst mal: auf die Suche nach großzügigen Mitstreitern und Sponsoren gehen.

Flug über die vermutete Fundstelle:


Mario Schmiedicke / Online: Manuela Hübner und Jens Freitag

Lupe auf Buch (schwarz-weiß)

Jäger der versunkenen Lok

Chronologie

1851/1852:
Bau der Dampflok mit dem Namen "Rhein" in der Fabrik Emil Kessler in Karlsruhe.

14.2.1852:
Die Lok fällt beim Transport nach Düsseldorf wegen eines Unwetters vom Lastensegler "Coblentz" und versinkt bei Germersheim in den Fluten des Rheins.

11.3.1852:
Ein großangelegter Bergungsversuch mit Tauchern aus England und 400 Helfern scheitert. Die Versicherung zahlt 25.000 Gulden (heute ca. 360.000 Euro).

1852-1876:
Der Rhein wird begradigt und das Ufer immer wieder verändert.

1925:
Ein Unternehmer sucht nach der über 70 Jahren verschollenen Lok, um sie als Sensationsfund bei der Industrieausstellung in München zu präsentieren - erfolglos.

1980:
Der Cochemer Lokomotivführer Horst Müller macht die Suche nach der Lok zu seiner Lebensaufgabe.

31.3.1993:
Der SWF-Fernseh-Flohmarkt "Schnick-Schnack" sucht Helfer für die Suche.

1993-2013:
Intensive Suche mit Eisenbahnfreunden des Darmstadt-Kranichsteiner Eisenbahnmuseums und dem Freiberger Geophysiker Prof. Dr. Bernhard Forkmann führen lediglich zu erfolglosen Bohrungen an vermuteten Fundstellen.

2008:
Das Land Rheinland-Pfalz führt ein neues "Schatzregal" ein und wird für den Fall einer Bergung zum hundertprozentigen Eigentümer der Ur-Lok. Die Eisenbahnfreunde Darmstadt-Kranichstein vereinbaren eine 25-jährige Dauerleihgabe an ihr Museum.

2009:
Nach der Entdeckung bislang unbekannter Akten im Landesarchiv Speyer gibt es grundlegend neue Erkenntnisse über den Unglücksort und neue Hoffnung, die Lokomotive zu finden.

16.6.2012:
Nach insgesamt 1667 Einzelmessungen mit einem GPS-unterstützten Caesium-Dampf-Magnetometer entdecken die "Jäger der versunkenen Lok" bei Rheinkilometer 386,750 in einer Tiefe von 7,5 Metern einen etwa 20 Tonnen schweren versunkene Stahlkörper. Sie sind sich sicher, dass es die versunkene Lok ist.

27.6 2015:
Unterstützt von einer Rostocker Fachfirma wollen die Wissenschaftler mit einem hochmodernen Sediment-Echolot ein unterirdisches Foto der Lok erstellen, um zu zeigen, dass es sich tatsächlich um die älteste deutsche Lokomotive handelt und was von ihr übriggeblieben ist.
 
22.7.2015:
Die Auswertung ergibt zwar kein dreidimensionales Bild der Lok, aber die unerwartete Erkenntnis, dass offensichtlich an der vermuteten Fundstelle ein massives Teil aus dem Rheinboden ragt. Könnte es ein Teil der Lok sein? [Video]
 
13.8.2015:
Zwei Polizeitaucher sind insgesamt drei Stunden unter Wasser unterwegs um möglicherweise aus dem Boden ragende Lokteile aufzuspüren. Das Ergebnis: Fehlanzeige. Sie finden an der Oberfläche keine Metallteile, sondern nur große Steinbrocken. Die Wahrheit liegt möglicherweise doch ein paar Meter tiefer.

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