Porträt

Malu Dreyer - "Königin der Herzen"

Ihre überraschende Nominierung zur Nachfolgerin von Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) gilt als raffinierter Schachzug ihres Vorgängers: Arbeits- und Sozialministerin Malu Dreyer ist sehr beliebt - nicht nur unter Mitgliedern und Anhängern der SPD.

Malu Dreyer lacht

Malu Dreyer

Die 51-jährige Juristin ist bundespolitisch eher unbekannt und seit rund zehn Jahren Ministerin für Arbeit, Familie, Soziales und Gesundheit in Mainz. Die Politikerin leidet an Multipler Sklerose. Damit geht sie sehr offen um. 2006 informierte sie die Öffentlichkeit über ihre Erkrankung.

Innerhalb der Sozialdemokraten in Rheinland-Pfalz ist Dreyer sehr beliebt. Sie sei die "Königin der Herzen", sagte beispielsweise Landtagspräsident Joachim Mertes (SPD) über sie. Attribute wie "Teamgeist" und "Leidenschaft" fallen gerne, wenn Dreyer und ihre Arbeitsweise charakterisiert werden sollen. Vorgezeichnet war eine steile politische Karriere allerdings keineswegs. "Ich bin eigentlich eine sogenannte Quereinsteigerin", sagte sie einmal über sich. Erst im Alter von 34 trat sie in die SPD ein.

Politische Quereinsteigerin

"Mir geht es unheimlich gut. Ich kann nur nicht gut laufen." Malu Dreyer über ihre Krankheit

Dreyer war Staatsanwältin, bevor sie von 1995 bis 1997 hauptamtliche Bürgermeisterin der Stadt Bad Kreuznach wurde. Danach war sie Sozial- und Baudezernentin in Mainz. 2002 machte Kurt Beck sie zur Arbeits- und Sozialministerin. Seit 2005 ist Dreyer Vorsitzende der SPD Trier. Bei der Landtagswahl 2011 gewann sie 40,6 Prozent der Erststimmen und holte das Direktmandat in dem eher konservativ geprägten Wahlkreis.

Stolz ist sie auf das Kinderschutzgesetz, das in ihrer Zeit als Familienministerin in Kraft trat. Unter Druck geriet Dreyer im Jahr 2004. Damals war eine Erzieherin von zwei jugendlichen Insassen eines Erziehungsheims im pfälzischen Rodalben erstochen worden. Die Opposition forderte Dreyers Rücktritt. Sie warf der Ministerin Versäumnisse bei der Umsetzung des Projekts "Heimunterbringung statt Untersuchungshaft" vor.

Die 1961 geborene Malu (Marie-Luise) Dreyer stammt aus Neustadt/Weinstraße. Mit ihrem Mann, dem Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen (SPD) und dessen drei Kindern aus erster Ehe, lebt Dreyer im Wohnprojekt Schammatdorf in Trier, wo behinderte und nicht behinderte Menschen zusammen wohnen.

Stand: 09.11.2012, 11.14 Uhr