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Bauzaun mit dem Schriftzug "Wir schaffen das nie, Frau Merkel"

Pro und Contra: "Wir schaffen das" "Deutschland braucht eine Abschiebekultur"

Vor genau einem Jahr verkündete die Bundeskanzlerin erstmals "Wir schaffen das". Der Satz und die dadurch folgenden Konsequenzen sorgen immer noch für viele Diskussionen - auch im ARD-Hauptstadtstudio Berlin.

War es richtig, so viele Flüchtlinge aufzunehmen oder hätte Angela Merkel (CDU) anders entscheiden müssen? Mittlerweile hat die Bundeskanzlerin im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" Fehler in der Flüchtlingspolitik eingeräumt. An ihrer Entscheidung, die deutschen Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen, hält sie jedoch weiter fest.

Die beiden SWR-Berlin-Korrespondeten Frank Wahlig und Mathias Zahn haben auf das vergangene Jahr zurückgeblickt. Ihre Meinung zu Merkels folgenreichen drei Worten "Wir schaffen das" in einem Pro und Contra:

SWR-Berlin-Korrespondent Frank Wahlig: "Es braucht dringend einen Kurswechsel"

Frank Wahlig

Frank Wahlig

Wir schaffen das nicht mit dieser Willkommenskultur für alle und jeden. Die Physikerin Merkel hat Deutschland ein Experiment der Menschlichkeit verordnet. Der Ausgang ist so offen wie die deutschen Grenzen. Helfen ja. Doch Herz und Härte sind kein Widerspruch. Es braucht dringend einen Kurswechsel. Bevor die Politik der offenen Grenzen uns schafft und das Land so verändert, dass nur noch Merkel es als ihr Land betrachtet.

Es ist nicht ihr Land. Deutschland braucht eine Abschiebekultur, schnell und bitter. Das ist Chefsache. Und das ist machbar - wenn Merkel nur will.

Asyl darf nicht weiter ein Grund zum Einwandern in die sozialen Systeme sein. Eines geht nicht: offene Grenzen, offene Herzen, Moral über alles und Sozialstaat. "Wir schaffen das" heißt Fehler zu benennen und dann zu handeln. Merkels Politik hat das Land buchstäblich radikalisiert, gespalten und diese Politik wird das Land und seine Bürger überfordern.


SWR-Berlin-Korrespondent Mathias Zahn: "Die einzig richtige Entscheidung"

Mathias Zahn

Mathias Zahn

Mensch, Deutschland! Natürlich schaffen wir das. Klar - es war eine chaotische Zeit nach der Grenzöffnung. Aber so sind historische Momente eben. Angela Merkel hat damals die einzig richtige Entscheidung getroffen: Wenn Menschen in Not sind, helfen wir. Respekt dafür, denn Merkel hat damit auch Mut bewiesen. Sie hat eine der größten Herausforderungen angenommen.

Und es läuft ja. Nach und nach kommt Ordnung in die Sache. Flüchtlinge werden registriert. Sie können leichter einen Job annehmen. Werden aber auch gefordert. Deutsch lernen muss sein! Das Integrationsgesetz wird wirken. Auch finanziell ist diese Herausforderung zu stemmen. Deutschland erlebt schließlich gerade ein kleines Wirtschaftswunder. Flüchtlinge in Arbeit werden dazu beitragen. Und was gerne vergessen wird: Unter Merkel ist das Asylrecht so verschärft worden wie seit Jahrzehnten nicht.

Blauäugig war die Flüchtlingskanzlerin nie. Wir schaffen das. Dieser Weg wird kein leichter sein. Aber das hat Merkel auch nie versprochen.

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