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Neue Exzellenz-Initiative "Leuchttürme der Wissenschaft"

Die Exzellenz-Initiative hat Bewegung in die deutsche Hochschullandschaft gebracht. In der letzten Runde konnten elf Universitäten den Elite-Titel abräumen. Jetzt gibt es neue Spielregeln.

Uni Mannheim

Die Universität Mannheim ist eine der Exzellenz-Universitäten

Für die neue Runde der Exzellenz-Initiative werden die Spielregeln neu ausgehandelt - das schafft Nervosität an den Universitäten. Die gerade veröffentlichte Evaluation spricht von einer positiven Entwicklung in den zurückliegenden zehn Jahren der Exzellenz-Initiative. "Die deutschen Universitäten sind auf dem Weg, aber das Ziel ist noch weit", sagte der Vorsitzende des von Bund und Ländern berufenen Gutachter-Gremiums, Dieter Imboden, bei der Präsentation des mit Spannung erwarteten Gutachtens. Es gebe noch mehrere "Baustellen" in der deutschen Wissenschaft, die bearbeitet werden müssten, beispielsweise bei der "Differenzierung von Forschungsthemen" an den Unis.

Zugleich halten die Experten eine Verstetigung und Verbesserung des bisher 4,6 Milliarden Euro teuren Förderprogramms für notwendig, um "auf Augenhöhe mit den Besten" etwa in Großbritannien oder den USA zu gelangen.

Gespräch mit Anja Braun, SWR Wissenschaft und Bildung

Was ist das genau - eine Exzellenz-Initiative?

Johanna Wanka: Exzellenzinitiative für Spitzenforschung hat Priorität

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka: Exzellenzinitiative für Spitzenforschung

Die 'Exzellenz-Initiative für die Spitzenforschung', so heißt sie in voller Schönheit, ist ein Wettbewerb, und zwar der Wettbewerb unter den Unis in Deutschland. Der Gedanke, dass nicht alle Unis gleich gut aufgestellt sind und ein paar vielleicht besser sind als der Rest, den hat es schon lange gegeben. 2005 haben Bund und Länder sich geeinigt, diese paar Guten, richtig Guten, über einen Wettbewerb zu ermitteln und denen ordentlich Geld zuzuschießen, damit genau diese guten Unis auch international in die Spitzengruppe aufsteigen können.

Das eigentliche Ziel ist, dass die deutschen Unis dadurch in der internationalen Forschung mitmischen können und Strahlkraft haben. Deswegen wurde auch der Begriff "Leuchttürme der Wissenschaft" geprägt.

Waren das wirklich immer Leuchttürme, die man auserwählt hatte?

Das steht mir nicht zu, das zu beurteilen. Aber ich denke, sie sind durch sehr strenge wissenschaftliche Verfahren gegangen. Die paar, die da ausgewählt wurden, sind zumindest sehr gut und haben eine große Strahlkraft.

Was waren das in der Vergangenheit für Kriterien?

Es gab drei Wettbewerbslinien, in denen die Unis antreten mussten. Das waren einmal die Nachwuchsförderung, die Graduiertenschulen. Da sollte der wissenschaftliche Nachwuchs bei der Promotion besonders unterstützt werden. Da mussten sie zeigen, wie sie da besonders gut antreten und wie sie das gut ausgestalten.

Audimax der LMU München

Der Wettbewerb geht über drei Runden

Dann gab es die Exzellenz-Cluster, die zweite Linie. Da haben Wissenschaftler aus verschiedenen Fachbereichen zu einem übergeordneten Thema gearbeitet und vielleicht auch noch mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie Max Planck oder Helmholtz kooperiert.

Wenn sie den Elitetitel schließlich haben wollten, mussten die Unis also in diesen beiden ersten Wettbewerbslinien schon erfolgreich sein, also beim Nachwuchs und bei den Exzellenz-Clustern. Anschließend konnten sie auch noch für ein Zukunftskonzept antreten. Denn das ist eigentlich die Idee, wie sich diese Hochschule künftig entwickeln will, um tatsächlich zur internationalen Spitze durchzustoßen. Also man musste sich erst durch die ersten zwei Runden kämpfen, konnte dann in der dritten antreten, und wenn man die noch geschafft hat, dann war man Exzellenz-Uni.

Es geht also um einen richtigen Wettbewerb mit harten Kriterien. Was wird jetzt neu ausgehandelt? Ändern sich die Kriterien?

Die sollen sich ändern. Das ist zumindest politisch so gesagt worden. Und es gibt ja bisher, wie beim Fußball, Aufsteiger und Absteiger. Es sind also auch welche abgestiegen, zum Beispiel in Baden-Württemberg das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Freiburg. Die mussten den Titel in der zweiten Runde abgeben. Neu dazugekommen ist dafür Tübingen.

Humboldt-Universität Berlin

Wissenschaftspolitik im Parteienstreit

Da geht es jetzt darum, soll es in Zukunft wieder Aufsteiger und Absteiger geben, oder soll das verstetigt werden. Will man vielleicht sagen, wir einigen uns tatsächlich auf fünf oder zehn Elite-Unis und die bekommen durchgängig Geld und müssen sich nicht ständig immer wieder neu darum bewerben. Oder machen wir diesen Wettbewerb so, dass es ständig eine neue Auswahl gibt und stellen das auf viel breitere Ebenen, dass man sagt, wir können auch 20 Elite-Unis haben zum Beispiel.

Da ist noch gar nichts festgeschrieben. Da gibt es natürlich politisch unterschiedliche Konzepte. Die CDU möchte nur ein paar - möglichst zwischen drei und fünf - Elite-Unis haben. Die SPD möchte die Exzellenz in der Breite fördern. Deswegen gibt es auch ein bisschen Streit und deswegen schauen auch alle so auf dieses Gutachten, das jetzt vorgelegt wird, weil sie sich eine Richtung erhoffen, nach der sie dann entscheiden können.

Sagen wir mal, man einigt sich darauf, wir haben zehn Elite-Unis. Das wird verstetigt und die bekommen ihr Geld - und die anderen sind keine Elite-Unis. Führt das nicht zwangsläufig zu einer Grabenbildung in der Uni-Landschaft?

Ja, und da nimmt man die Dynamik raus. Das heißt, wir sagen tatsächlich, das sind die Guten und die anderen sind schlecht, die brauchen sich dann gar nicht mehr zu bemühen.

Und die bleiben ewig schlecht - Das ist ja eigentlich auch nicht gut?

Das wäre nicht ideal.

Wofür plädieren Sie?

Bei der Ausschreibung von EU-Fördermitteln für Nachwuchsforscher hat Baden-Württemberg am besten abgeschnitten

Junge Wissenschaftler profitieren von Exzellenz-Unis

Ich könnte mir schon vorstellen, dass man einen Teil dieser Förderung verstetigt, weil es den Stress aus den Universitäten rausnimmt, ständig diese Anträge zu schreiben. Man könnte auch längere Förderlinien machen, dass es nicht immer nur zwei, drei Jahre geht, sondern dass man sagt: Wir fördern jetzt mal für zehn Jahre gewisse Gebiete. Das, glaube ich, wäre sinnvoll, um einfach diese Hektik aus dem Unibetrieb rauszunehmen. Aber ich würde grundsätzlich den Wettbewerb weiter zulassen.

Ich würde das nicht festbetonieren und sagen, ja wir nehmen jetzt diese zehn Unis oder diese fünf Unis und fördern die durchgehend gut. Damit würden wir vielleicht international tatsächlich mehr an Strahlkraft gewinnen, aber im eigenen System hätten wir tatsächlich die Dynamik raus.

Wird ein Abgänger einer Elite-Uni in Deutschland und auch außerhalb von Deutschland bessere Chancen haben? Gibt es schon eine Zwei-Klassen-Gesellschaft?

Es gibt keine Statistiken dazu, aber man weiß aus Umfragen unter Studierenden, die von den ausgezeichneten Exzellenz-Universitäten kommen, die zum Beispiel ins Ausland gehen wollen, dass der Name dort bekannt ist. Dass die sagen, ah, sie kommen von Heidelberg! Heidelberg war vielleicht auch vorher schon bekannt, aber dass auch andere Universitäten jetzt darüber einfach mehr Reputation gewonnen haben. Es ist sicherlich nicht schlecht, wenn man an so einer Uni studiert hat.

Hat die Initiative etwas gebracht für die Professoren?

Wissenschaftler läßt Quadrocopter setiegen

Wettbewerb spornt an

Sicherlich hat sie viel gebracht für die Professoren. Sie hat vor allem die Zusammenarbeit in der Universität gestärkt, weil eben alle Wissenschaftler gefordert waren, auch interdisziplinär zusammen zu arbeiten, und das hat noch viele andere Blüten gezeigt. Sie arbeiten jetzt, selbst wenn sie nicht erfolgreich waren in diesem Wettbewerb, oft stärker interdisziplinär zusammen. Ich glaube, dass es ganze Unis hat mehr zusammenwachsen lassen, weil es tatsächlich ein Wettbewerbsgedanke ist, wo sie alle gemeinsam angetreten sind gegen die anderen.

Der Wettbewerb geht in eine neue Runde, die Exzellenz-Initiative wird wieder starten. Aber erst einmal müssen die Kriterien neu ausgehandelt werden. Sie haben gesagt, am Freitag liegt das Papier vor. Was passiert damit?

Dann wird die Politik sich überlegen, wie sie jetzt die Regeln gestaltet. Es gibt ja schon mehrere Konzepte, die vorgelegt worden sind - ich habe es ja eben schon geschildert. Dann wird das alles noch einmal diskutiert und muss bis zum Sommer tatsächlich auch ausdiskutiert sein, denn dann müssen die Förderlinien klar sein, damit die Universitäten sich auch bewerben können. 2017 läuft die zweite Runde aus und soll direkt die dritte Runde anschließen. Das heißt, es muss jetzt schnell gehen, um diese Regelungen klar zu machen.

Sicher ist schon, dass die Nachwuchsförderung drin bleiben wird in dem Wettbewerb. Darauf haben sich Bund und Länder schon verständigt.

Das Gespräch führte SWR Moderator Ralf Caspary

Online: Heidi Keller, Heidemarie Martin

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