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Mit Zahlen gegen Vorurteile Faktencheck zur Flüchtlingssituation

Wie viele Flüchtlinge haben in diesem Jahr in Deutschland Asyl beantragt? Wie sind diese Menschen ausgebildet, und dürfen sie hier arbeiten? SWR-Hauptstadtkorrespondentin Rebecca Lüer hat die wichtigsten Zahlen zur Flüchtlingssituation zusammengestellt.

Ein Flüchtling hält einen Fragebogen zur Registrierung in Händen

Ein Flüchtling hält einen Fragebogen zur Registrierung in Händen

Frank Jürgen Weise, Chef des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), rechnet damit, dass in diesem Jahr weniger als 300.000 Geflüchtete in Deutschland ankommen. Andere Experten gehen von bis zu 400.000 aus - sofern das EU-Türkei-Abkommen hält, und die Balkon-Route geschlossen bleibt. Das wären signifikant weniger als im letzten Jahr.

Wie viele Menschen genau 2015 nach Deutschland flüchteten, soll demnächst bekannt gegeben werden. Sicher ist sich BAMF-Chef Weise, dass es weniger als eine Million waren - und damit weniger als eigentlich angenommen.

Wer beantragt Asyl?

Auch wenn mittlerweile viel weniger Flüchtlinge bei uns ankommen: Die Zahl der Erstanträge auf Asyl ist im ersten Halbjahr 2016 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum drastisch gestiegen - um knapp 140 Prozent auf fast 470.000. Das hat auch damit zu tun, dass viele der Menschen, die schon seit dem vergangenen Jahr in Deutschland sind, erst mit erheblicher Verzögerung ihre Anträge stellen konnten.

Mittlerweile hat das BAMF seine Mitarbeiterzahl stark aufgestockt und hofft, nicht nur die Erstanträge, sondern auch den Berg an unerledigten Asylanträgen nach und nach abarbeiten zu können. Ende Juli waren noch knapp 530.000 Asylanträge nicht entschieden.

Die meisten Anträge auf Asyl stellen laut BAMF nach wie vor Syrer, aktuell gefolgt von Geflüchteten aus Afghanistan und dem Irak. Die weitaus meisten Asylanträge wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres in Nordrhein-Westfalen gestellt, auf Platz zwei steht Baden-Württemberg. Rheinland-Pfalz landet im Bundesländer-Vergleich im Mittelfeld. Fast drei Viertel der Asylantragsteller sind jünger als 30 Jahre, zwei Drittel der Erstanträge wurden von Männern gestellt.

Gibt es für alle einen Job?

Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung hatten in Deutschland Ende Juli 345.000 Flüchtlinge im erwerbsfähigen Alter einen Aufenthaltsstatus, der ihnen unbeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt einräumt. Langfristig werde sich diese Zahl auf etwa 700.000 erhöhen, heißt es.

Rund 70 Prozent der arbeitsuchenden Flüchtlinge haben demnach keine abgeschlossene Berufsausbildung. Die gute Nachricht: Das Potential, das zu ändern, ist groß. Denn mehr als die Hälfte dieser Gruppe ist jünger als 25 Jahre.

Ist die Kriminalität gestiegen?

Das Bundeskriminalamt untersucht die Kriminalität im Kontext von Zuwanderung. Innerhalb des ersten Quartals dieses Jahres ging die Zahl der Straftaten, vor allem Diebstahl und Fälschungsdelikte, um fast 20 Prozent zurück. Das BKA betont auch: Der weitaus größte Anteil der Zuwanderer beging gar keine Straftaten.

Die Behörde verweist zudem darauf, dass es weiterhin viele Straftaten aus fremdenfeindlichen Motiven gibt - zum Beispiel gegen Flüchtlingsunterkünfte oder gegen - auch nur vermeintliche - Asylbewerber. So wurden von Januar bis März 345 Straftaten gegen Asylunterkünfte angezeigt. 65 davon waren Gewaltdelikte.

Von Rebecca Lüer, Berlin | Online: Christine Veenstra

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