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Mehr als 650 Vorschläge "Gutmensch" ist das "Unwort des Jahres"

Wer andere als "Gutmenschen" bezeichnet, unterstellt ihnen meist, dass sie naiv, dumm und weltfremd seien. Dabei sind Menschen gemeint, die sich für andere engagieren.

Eine Hand schreibt Unwort des Jahres an die Tafel

Zum 25. Mal wurde der Titel "Unwort des Jahres" vergeben

"Als 'Gutmenschen' wurden 2015 insbesondere auch diejenigen beschimpft, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren oder die sich gegen Angriffe auf Flüchtlingsheime stellen", sagte die Sprecherin der "Unwort"-Jury, die Sprachwissenschaftlerin Nina Janich, bei der Präsentation am Dienstag in Darmstadt. Mit dem Vorwurf "Gutmensch", "Gutbürger" oder "Gutmenschentum" würden Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd, als Helfersyndrom oder moralischer Imperialismus diffamiert.

Der Begriff "Gutmensch" floriere dabei nicht mehr nur im rechtspopulistischen Lager als Kampfbegriff, sondern werde auch von Journalisten in Leitmedien als Pauschalkritik an einem "Konformismus des Guten" benutzt, so die Jury. Die Verwendung dieses Ausdrucks verhindere somit einen demokratischen Austausch von Sachargumenten.

25. "Unwort"-Wahl

Nina Janich präsentiert das "Unwort des Jahres"

Nina Janich präsentiert das "Unwort des Jahres 2015"

Auf Platz zwei der Unwort-Rangliste setzte die Jury den Begriff "Hausaufgaben" im Zusammenhang mit Griechenland sowie den Ausdruck "Verschwulung". Insgesamt habe es mehr als 650 Vorschläge gegeben. Es ist das 25. Mal, dass die Jury ein "Unwort des Jahres" kürt. Das erste von ihr bestimmte Unwort war 1991 "ausländerfrei". Im vergangenen Jahr brachte es der Ausdruck "Lügenpresse" zu der zweifelhaften Ehre.

Die institutionell unabhängige und ehrenamtlich arbeitende Jury besteht aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten und wird in diesem Jahr vom Kabarettisten Georg Schramm ergänzt. Sie entscheidet unabhängig und richtet sich nicht danach, welcher Begriff am häufigsten vorgeschlagen wurde.

Wie jedes Jahr konnten auch diesmal Vorschläge aus allen Feldern der öffentlichen Kommunikation darunter sein, die beispielsweise gegen das Prinzip der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, diskriminierend, verschleiernd oder irreführend sind. Wichtig war, dass die entsprechenden Wörter und Formulierungen öffentlich geäußert wurden und eine gewisse Aktualität besitzen.

Sensibler Umgang mit Sprache

Sprachwissenschaftler schenken "Unwörtern" ganz bewusst öffentliche Aufmerksamkeit, die sprachkritische Aktion soll das Sprachbewusstsein der Bevölkerung fördern und zu einem sensibleren Umgang mit Sprache und öffentlicher Kommunikation anregen. Denn "Unwörter" entständen dadurch, dass sie gedankenlos oder mit kritikwürdigen Intentionen im öffentlichen Kontext verwendet würden.

Wort des Jahres: "Flüchtlinge"

Auch das Pendant "Wort des Jahres" wird jedes Jahr vergeben. Für das vergangene Jahr wurde von einer Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) kurz vor Jahresende der Begriff "Flüchtlinge" gewählt. Die Bezeichnung sei stark im deutschen Wortschatz verankert und bringe die zentrale gesellschaftliche Diskussion auf den Punkt. Daher ist es wenig verwunderlich, dass auch viele Vorschläge für das "Unwort des Jahres 2015" aus diesem Bereich kamen.

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