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Flüchtlinge warten in einer Schlange vor einem Zelt.

Kommentar zu Merkels "Wir schaffen das" "Ein geschichtsträchtiges Jahr"

"Wir haben es geschafft," meint SWR-Redakteur Utku Pazarkaya. Aber nur mit viel Nachjustieren beim Flüchtlingsrecht und einem unerwartet großen Engagement zahlloser ehrenamtlicher Helfer.

"Wir schaffen das", hatte die Kanzlerin gesagt. Diesen Satz hat sie jetzt noch einmal bekräftigt. Und ja, wir haben es geschafft - das erste Jahr. Wir haben Hunderttausende, vielleicht sogar eine Million Flüchtlinge untergebracht und versorgt.

Dabei wurde klar, wie schlecht wir auf solch eine Fluchtbewegung in Deutschland und in Europa vorbereitet sind.

Man möchte sich wirklich nicht ausmalen, wie es ohne die zahllosen ehrenamtlichen Helfer gelaufen wäre. Ohne sie würde die Bilanz heute ganz anders ausfallen: eher düster.
Gleichzeitig hat die Bundesregierung quasi im Quartalstakt neue Gesetze verabschiedet, um der Situation im Nachhinein gerecht zu werden. Das Nachsteuern, Nachjustieren, Ausbessern im Flüchtlingsrecht und bei der Integration ist noch lange nicht zu Ende. Der Dampfer ist schon auf hoher See, aber es wird immer noch kräftig gehämmert, gefeilt und gebohrt.

Europa hat noch keine Antwort gefunden

Die Balkanroute ist inzwischen zwar verbarrikadiert und das Abkommen mit der Türkei tut sein Übriges. Aber Europa hat noch immer keine Antwort gefunden auf die Herausforderungen der humanitären Krisen in seiner Nachbarschaft.

Ein junger Flüchtling aus Pakistan

Daten von einem jungen Flüchtling aus Pakistan werden aufgenommen

Das Jahr seit dem Sommer 2015 ist geschichtsträchtig. Es wird in Erinnerung bleiben. Für Deutschland ist die Bilanz ganz klar positiv. Das wunderbare bürgerliche Engagement konnte niemand so voraussehen, auch nicht die Kanzlerin. Sie hatte vielleicht darauf gehofft. Zwei Drittel der Helfer sagten jüngst in einer nicht repräsentativen Umfrage, sie hätten sich 2015 zum allerersten Mal in der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit engagiert.

Wir schaffen das, ja. Wie gut es am Ende gelingt, wird man erst in zehn bis 20 Jahren beurteilen können. Und auch diese Bilanz wird entscheidend davon abhängen, ob sich weiterhin so viele Menschen in ihrer Freizeit für die Flüchtlinge einsetzen und ihnen bei der Integration helfen.

Am Ende entscheidet sich der Erfolg auch daran, wie viele Menschen sagen: "Ja, wir wollen das schaffen."


Ein Kommentar von Utku Pazarkaya, Redaktion International | Online: Miriam Kruse

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