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Klimawandel im Südwesten  Fünf Grad plus mit Nebenwirkungen

Neue Klimaforschung zeigt, dass sich durch den Treibhauseffekt die mittlere Temperatur bis 2100 möglicherweise um mehr als fünf Grad erhöhen wird. Ganz abgesehen von globalen Effekten wie Meeresspiegelanstieg: Was bedeuten fünf Grad bei uns im Südwesten?

Gewitter am Horizont

Wer bei einer Klimaerwärmung um die fünf Grad gleich von Cabrio-Fahrten im Dezember träumt und sich mit wehendem Haar und Sonnenbrille durch eine Allee von Palmen brausen sieht, wird leider - nach Florida umziehen müssen. So schnell geht es nicht: Im Südwesten Deutschlands wird es zwar wärmer, aber der Schwarzwald wird sich auch in Zukunft nicht in ein tropisches Urlaubsparadies verwandeln.

Zunächst nur eine Prognose

Wie sich der Klimawandel genau bei uns auswirkt, weiß niemand und auch das folgende Szenario ist zunächst nicht mehr als eine Prognose für den Fall, dass sich das Weltklima bis zum Jahr 2100 um fünf Grad erwärmen sollte. Bei unverändertem globalen CO2-Ausstoss könnte dieses Computermodell gegen Ende des 21. Jahrhunderts aber mit einer deutlichen Wahrscheinlichkeit eintreten.

Der Winter im Jahr 2100 ist schmuddelig-nass

Fünf Grad mehr - was heißt das für den Südwesten? Von weißen Weihnachten können wir uns weitgehend verabschieden. Und auch vom Ski-Urlaub in den Alpen, denn dort wird der Schneemangel sehr wahrscheinlich zur Regel.

Dafür müssen wir mit mehr Niederschlag im Winter rechnen - das bedeutet dann aufgrund der erhöhten Temperaturen im Winter aber eher Regen statt Schnee. Die Menschen im Südwesten werden sich künftig mit schmuddeligen und nass-kalten Wintern arrangieren müssen und Frühlingsmonaten, die aufgrund des Starkregens von Hochwasser geprägt sind.

Weniger Frost birgt unangenehme Konsequenzen

Im Winter der Zukunft wird es auch weniger Frosttage geben - Experten erwarten für Rheinland-Pfalz gegen Ende des Jahrhunderts 35 Frosttage weniger. In Baden-Württemberg gehen sie sogar von 49 sehr kalten Tagen weniger aus. Diese milderen Winter können sehr unangenehme Folgen haben: Wenn die eisige Kälte im Winter fehlt, führt das im Sommer leichter zu Schädlingsplagen, hinzu können tropische Krankheiten wie Malaria oder verstärkter Pilzbefall in der Landwirtschaft kommen. Und auch die Winzer müssen sich umstellen, denn bei immer weniger Eistagen hat der klassische Eiswein kaum eine Zukunft mehr, für den es mehrere Tage hintereinander klirrend kalt sein muss.

Der "Regionale Klimaatlas Deutschland" der Helmholtz Gemeinschaft zeigt für das Jahr 2100 folgende Szenarien, sollte sich das globale Klima um fünf Grad erwärmen:

Die Zahl der Tropennächte wird stark zunehmen

Schöner werden die Sommer - zumindest in der Freizeit - denn es gibt deutlich mehr sommerlich warme Tage: In Rheinland-Pfalz kann mit 79 Sommertagen mehr gerechnet werden, in Baden-Württemberg gar mit 81 zusätzlichen warmen Tagen. Und es wird auch mehr Hitzetage geben - also solche mit 30 Grad und mehr. Die Nächte im Sommer der Zukunft werden ebenfalls heiß: Über 50 tropische Nächte mehr, die wärmer als 20 Grad sind, erwarten die Klimaforscher.

Trockenperioden werden länger

Dafür werden die Menschen im Südwesten im Sommer deutlich weniger Niederschlag erleben: Bei bis zu elf Prozent weniger Regen im Südwesten müssen die Landwirte deutlich nachhelfen, um die Böden vor dem Austrocknen zu schützen. Insgesamt werden die Trockenperioden häufiger: Bis zu zwei Wochen länger könnten diese regenlosen Phasen künftig andauern. Gut fürs Freibad - hart für Bauern und Winzer. Und auch für die Förster wird es knapp: Ob ihnen die Umstellung auf hitzeresistente Baumarten schnell genug gelingen wird ist noch offen.

Die Jahreszeiten werden sich verändern

Doch Landwirte haben auch Grund zum Optimismus, denn die Vegetationsperiode wird sich künftig ausweiten - an die 80 Tage mehr wird es im Südwesten grünen und blühen. Generell werden sich die Jahreszeiten spürbar verändern: Im Frühling der Zukunft wird es deutlich zeitiger anfangen zu sprießen: Rund einen Monat früher wird die Vegetation einsetzen - zwei Ernten im Jahr könnten somit zur Regel werden.

Sabine Gronau; Onlinefassung: Stephan Braig

Quelle: Odysso

Letzte Änderung am: 03.12.2012, 11.05 Uhr