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Foodwatch fordert strengere Tierschutzgesetze Frühstücksei vom kranken Huhn

Den Keksen aus dem Supermarkt sieht man es nicht an, wie es dem Huhn ging, dass die Eier dafür legte. Die Organisation foodwatch warnt, viele Lebensmittel kämen von kranken Tieren.

Hühnereier

Frische Eier für uns - elendes Leben für die Hühner?

Verbrauchern würden regelmäßig Lebensmittel verkauft, die von kranken Tieren stammen, sagt Matthias Wolfschmidt von foodwatch. Die Produkte seien trotzdem sicher, aber die Tiere müssten für den niedrigen Preis mit Schmerzen und Leid bezahlen. Studien zeigten, dass etwa jede zweite Legehenne gebrochene Knochen hat. Die auf Leistung gezüchteten Hühner brauchten all ihr Kalzium für die Schalen der vielen Eier. Die Folge: Die Knochen der Hennen werden brüchig. Nach einem Jahr sei es dann im Durchschnitt vorbei mit dem Huhn. Dann werden aus den Legehennen Suppenhühner.

Bei Schweinen und Kühen sieht es nicht viel anderes aus: Jedes zweite Mastschwein macht in seinem kurzen Leben eine Lungenentzündung durch. Wolfschmidt erklärt, dass zwischen 30 und 50 Prozent der geschlachteten Schweine entzündete Gelenke und Klauen haben. Aber auch Entzündungen der inneren Organe. Viele Milchkühe litten unter Euterentzündungen.

"Bauern haben keine Wahl"

Die meisten dieser Krankheiten wären vermeidbar, beteuert der Veterinärmediziner. Sie entstünden durch die Art und Weise, wie die Tiere gezüchtet, gehalten, gefüttert und betreut werden. Für Wolfschmidt heißt das aber nicht, dass die Bauern Tierquäler seien: "Die Bauern haben keine Wahl, sich für mehr Tierpflege und mehr Tiergesundheit zu entscheiden, denn das kostet. Das ist mit einem hohen Aufwand an Betreuung verbunden, teilweise mit baulichen Veränderungen, für die sie von niemandem entlohnt werden." Die Landwirte hätten keine Chance, sich gegen die Marktmacht der Fleischindustrie, der großen Molkereien und Handelskonzerne durchzusetzen. Die erzeugen einen teils ruinösen Preisdruck.

Kranke Sau liegt mit blutig Erbrochenem auf dem Boden.

Kranke Tiere seien in der Massentierhaltung die Regel, kritisiert foodwatch.

Auch die Landestierschutzbeauftragte von Baden-Württemberg, Claudia Jäger, kritisiert die Tierhaltung. Besonders schrecklich findet sie, wie Schweinemütter im Stall geradezu eingezwängt werden. "Es gibt diese sogenannten Ferkelschutzkörbe, die verhindern sollen, dass die sehr große Muttersau die kleinen Ferkel erdrücken könnte. Trotzdem bin ich der Meinung, dass es zu weit geht, die Tiere über Wochen in dieser Position zu fixieren."

"Haltungsbedingungen sind nicht zukunftsfähig"

Die Missstände sind auch der Bundesregierung bekannt. Voriges Jahr hat der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik beim Bundeslandwirtschaftsministerium ein Gutachten zur Tierhaltung vorgelegt. Eine zentrale Aussage darin: "Die derzeitigen Haltungsbedingungen eines Großteils der Nutztiere sind nicht zukunftsfähig."

Der Vorsitzende des Beirats, Harald Grethe, erklärt wie die Zukunft der Tierhaltung aussehen sollte: "Es geht um deutlich geringere Besatzdichten, mehr Fläche, um Außenklimazugang, um mehr Beschäftigungsmaterialien für die Tiere, um mehr Abwechslung bei den Bodenbelägen und bei den verschiedenen Klimabereichen. Grethe rät, die Agrarförderung umzubauen. Die Subventionen aus Brüssel sollten stärker in den Tierschutz fließen. Außerdem empfiehlt er ein staatliches Tierschutzlabel für Lebensmittel aus artgerechter Haltung.

Ein Mann an der Fleischtheke im Supermarkt.

Verbraucher greifen häufig zu günstigem Fleisch im Supermarkt

Für Matthias Wolfschmidt von foodwatch greift ein solches Siegel zu kurz: "Experten gehen davon aus, dass im günstigen Fall 20 Prozent des Marktes für tierische Lebensmittel mit einem solchen Label abgedeckt werden könnten, was im Umkehrschluss heißt, dass 80 Prozent der Tiere weiterhin leiden würden." Verarbeitete Produkte wie die Fleischfüllung in Nudeln oder die Milch in der Schokolade würden mit solch einem Label auch nicht abgedeckt.

Auch Bio ist keine Garantie

Auch in der Biolandwirtschaft gebe es keine Garantie, dass die Tiere gesund seien. Der Anteil kranker Schweine oder Hühner etwa sei auch auf Bio-Höfen erstaunlich hoch. Auslauf und viel Platz allein genügt nicht. Für die Gesundheit entscheidend seien auch die Betreuung der Tiere, die Betriebshygiene, das Stallklima und vieles mehr. Für Wolfschmidt ist die einzige Lösung, EU-weit gültige Vorschriften, die allen Nutztieren ein gesundes Leben ermöglichen.

Ein Liter Vollmilch würde dann wohl 75 bis 90 Cent kosten, statt wie jetzt rund 65. Ein Ei aus Bodenhaltung sicher an die 20 Cent - deutlich mehr als die Discounter-Preise. Aber es wären Lebensmittel von gesunden Tieren.


Von Stefanie Peyk, SWR-Redaktion Umwelt und Ernährung | Online: Katharina Kunz

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