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Falschnachrichten im Internet Warum Cyberkriminelle leichtes Spiel haben

Falschnachrichten im Internet können für Demokratien gefährlich werden. Aktuell gibt es Hinweise, Russland habe die US-Wahl beeinflusst. Auch bei der Bundestagswahl könnte so etwas passieren.

Angreifer für Cyberattacken zu ermitteln ist schwierig

Angreifer für Cyberattacken zu ermitteln ist schwierig

In der aktuellen Diskussion um eine drohende Einflussnahme von Cyberkriminellen auf die Bundestagswahl spielen Soziale Medien als Informationskanäle eine große Rolle. Dort werden viele Falschnachrichten verbreitet, um Meinungen zu beeinflussen. Es kommt aber auch vor, dass Nutzer-Profile gehackt werden. "Spearfishing" nennt man das. SWR-Reporter Kai Laufen hat sich die Methoden von Online-Betrügern genauer angesehen.

Wie funktionieren solche Manipulationen, und was ist das sogenannte "Spearfishing"?

"Spearfishing" ist ein Kunstwort. Es geht darum, die Online-Identität einer Person zu stehlen, indem man sich ihr Passwort aneignet. Viele Personen schreiben sich das auf. Wenn man Zugang zu ihren Räumlichkeiten hat, dann kann man natürlich nach entsprechenden Notizen suchen. Man kann es aber auch auf anderem Weg bekommen: Indem man jemanden dazu bringt, auf einen Link zu klicken oder einen Anhang in einer E-Mail aufzumachen, und die führen dazu, dass der Computer mit einer Schadsoftware infiziert wird. Das sind dann Programme, die es dem Angreifer möglich machen, auf den Computer zu gucken, ihn zu steuern, Inhalte herunter zu kopieren und sich mit der Identität des eigentlichen Inhabers in der virtuellen Welt zu bewegen.

Nehmen wir an, ich würde mir ein Passwort klauen. Dann könnte ich mich als derjenige einloggen und dadurch Einfluss nehmen?

Genau. Es gibt ein krasses Beispiel, ein Fall, der auch tatsächlich vorgekommen ist: Was ist, wenn ich jemandem seinen Zugang klaue, dann Kinder-pornographisches Material auf seinem Computer ablege, und anschließend die Polizei informiere? Damit ließe sich massiv Einfluss nehmen auf einen Wahlkampf oder überhaupt auf die Politik.

In den USA gibt es Hinweise darauf, dass Russland Einfluss auf die Präsidentenwahl genommen hat. Wie groß schätzen Sie die Gefahr solcher Einflussnahme bei uns in Deutschland ein?

Die ist ganz klar gegeben, weil durch die Digitalisierung solche Art von Angriffen stattfinden können. Weil sie nie eindeutig einer Partei oder einem bestimmten Angreifer zuzuordnen sind, sind sie auch so verlockend. Wenn jetzt in den USA die CIA davor warnt und sagt, wir glauben beweisen zu können, dass das russische Hacker waren, dann muss man das mit sehr vielen Fragezeichen versehen und mit spitzen Fingern anfassen. Technisch gesehen ist es sehr einfach, einen solchen Angriff so aussehen zu lassen, als ob er eben aus Russland käme, und in Wirklichkeit kommt er von woanders. Umgekehrt sind die Beweise nie 100-prozentig zu führen.

Andererseits gibt es aber auch das Verbreiten falscher Nachrichten, so genannter "Fake News", über soziale Netzwerke. Versuche, die Betreiber der Plattformen wie Facebook in die Pflicht zu nehmen, sind bisher gescheitert. Wäre da eine härtere Gangart hilfreich?

Ja, aber das ist in Deutschland im Moment strafrechtlich noch nicht möglich. Da wir kein kodifiziertes Unternehmensstrafrecht haben, müsste man die verantwortliche Person direkt bei Facebook ermitteln, um strafrechtlich gegen sie vorgehen zu können. Das wird schwierig. Bundesjustizminister Heiko Maas will das ändern.

Wir hatten einen Fall von "Fake News" im Zusammenhang mit dem Mord in Freiburg. Da sollte mittels Falschnachrichten die Seite der Flüchtlingshilfe Freiburg schlecht dargestellt werden. Die Administratorin der Seite kämpft gerade einen Kampf gegen die Windmühlen. Sie hat Facebook dutzende von beleidigenden Äußerungen und Kommentaren auf ihrer Seite gemeldet und kriegt bisher nur negative Antworten.

Renate Künast hat am Wochenende Schlagzeilen gemacht, weil sie jetzt Strafanzeige stellt. Über sie wurde ebenfalls auf Facebook eine falsche Nachricht verbreitet. Die "Süddeutsche Zeitung" erwägt derzeit ähnliche Schritte. Kann man etwas erreichen, wenn man als User Strafanzeige stellt?

Die betroffene Person muss hier aktiv werden. Renate Künast kann als Opfer einer solchen Verleumdungskampagne Strafanzeige wegen Verleumdung stellen. Dann muss die Polizei versuchen herauszufinden, wer dieses Posting gefälscht hat.

Das Gespräch führte Constanze Schirra | Online: Christine Veenstra

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