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Ergebnisse einer WWF-Studie Kein Palmöl ist auch keine Lösung

Es ist so begehrt wie umstritten: Palmöl. Das Öl steckt in jedem zweiten Produkt aus dem Supermarkt. Doch der steigende Verbrauch von Palmöl belastet die Umwelt extrem. Welche Alternativen gibt es?

Eine Palmölplantage in Indonesien

Eine Palmölplantage in Indonesien

Für die Palmöl-Produktion werden riesige Plantagen angelegt - wofür wiederum riesige Flächen an Regenwald abgeholzt werden. Die Umweltschutzorganisation WWF hat geprüft, ob ein Austausch durch andere Pflanzenöle funktionieren könnte. SWR-Umweltredakteur Dominik Bartoschek über die Ergebnisse der Studie.

Warum ist Palmöl ein so begehrter Rohstoff? 

Palmöl ist deswegen so begehrt, weil es ein vergleichsweise günstiges Pflanzenöl ist. Außerdem hat es Eigenschaften, die es für sehr viele Verwendungszwecke einsetzbar machen. Palmöl steckt zum Beispiel in Lebensmitteln wie in Fertigpizza, Tüten-Suppen, Backwaren, Schokoriegeln und in Eiscreme. Es steckt aber auch in Kosmetika, wie Hautcremes, Duschgels und Waschmittel.

Indirekt ist Palmöl auch im Fleisch und in der Wurst, weil es in Futtermitteln für die Tiere in der Landwirtschaft verwendet wird. Auch die Industrie benutzt Palmöl - als Schmierstoff oder als Weichmacher. Und letztendlich steckt es auch häufig noch in unseren Autotanks, weil es Biokraftstoffen beigemischt wird. Man kann also sagen: Wir leben in einer Welt, die ohne Palmöl so gar nicht mehr vorstellbar ist.

Wenn wir aber probieren wollen, Palmöl zu ersetzen oder zu reduzieren - welche Öle kämen dafür infrage?

Ganz grundsätzlich könnten viele Pflanzenöle das Palmöl ersetzen. Bei den tropischen Ölen wären das zum Beispiel Sojaöl oder Kokosöl. Bei den heimische Ölen Rapsöl oder Sonnenblumenöl. Palmöl hat im Laufe der Zeit viele Öle und Fette ersetzt und auf die ließe sich auch theoretisch wieder zurückgreifen.

Und warum ist dieses Ersetzen laut WWF nicht ökologisch und nachhaltig?

Ganze und aufgeschnittene orangene Früchte der Ölpalme

Aus Fruchtfleisch und Kern der Palmölfrüchte wird Öl gepresst

Weil Palmöl per se kein schlechtes Öl ist. Im Gegenteil, es hat sogar einen ganz großen ökologischen Vorteil: Keine andere Ölpflanze braucht so wenig Fläche, um daraus einen Liter Öl zu gewinnen. Beispielsweise liegt der Flächenbedarf von Soja ungefähr zehn Mal höher als der von Ölpalmen.

Würden wir das Palmöl einfach durch Sojaöl ersetzen, dann würde der Flächenverbrauch dramatisch ansteigen. Es müsste also noch mehr Regenwald gerodet werden und die Klimabilanz wäre noch schlechter.

Wenn das Ersetzen nichts bringt - was bringt denn was?

Die Konsequenz kann letztlich eigentlich nur heißen, Palmöl zu reduzieren. Wir müssten also weniger von den Produkten verbrauchen, in denen viel Palmöl steckt. Zum Beispiel weniger Fertiggerichte und weniger Fleisch essen oder auch auf Palmöl als Biokraftstoff verzichten. Diese drei Maßnahmen, das sagen zumindest die Autoren dieser WWF-Studie, die könnten den Palmöleinsatz in Deutschland ganz massiv reduzieren. Für den Rest, der einfach nicht ersetzbar ist, müsste man auf Palmöl aus ökologischem Anbau zurückgreifen. Dann wäre für die Umwelt schon viel gewonnen.

Wäre das mit höheren Kosten für den Verbraucher verbunden?

Ja, natürlich. Wenn das verbliebene Palmöl aus ökologischer Erzeugung stammen würde, ist das immer mit höheren Kosten verbunden. Und wir müssten auch unser Verhalten ändern: Wenn weniger Fertiggerichte helfen, weniger Palmöl zu verwenden, dann heißt das in der Konsequenz auch, dass wir häufiger selbst kochen müssten.

Gespräch mit SWR-Umweltredakteur Dominik Bartoschek | Onlinefassung: Cornelia Stenull

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