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Verständlichkeits-Check von Wahlprogrammen Monstersätze und komplizierte Fremdwörter

Wahlprogramme. Eigentlich sollen sie Bürgern ermöglichen, sich über Parteien zu informieren. Doch laut eines Wissenschafts-Checks sind sie oft so unverständlich wie eine Doktorarbeit.

"Datenwolken" aus verschiedenen Wörtern in unterschiedlichen Farben

Satz-Monster, Fachwörter und Anglizismen fanden die Wissenschaflter in allen Programmen

Anlässlich der anstehenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt am kommenden Sonntag haben Wissenschaftler der Universität Hohenheim die Parteien-Wahlprogramme auf ihre formale Verständlichkeit hin untersucht. Das Ergebnis: Durch komplizierte Fremdwörter oder Fachbegriffe, die Verwendung von "Denglish" oder endlosen Bandwurmsätzen ist manches Schriftstück so kompliziert zu lesen wie eine Dissertation.

Die Grünen in Rheinland-Pfalz sprächen ihn ihrem Wahlprogramm etwa von einem "Wolfsmanagementplan" oder einer "SchwulLesbischBiTrans-Aufklärung". Bei der AfD in Baden-Württemberg sei von einer "Frühsexualisierung" die Rede. Dazu kämen Wortungetüme wie "Schwangerschaftskonfliktberatung" (AfD, Baden-Württemberg) oder "Seniorensicherheitsberaterinnen" (SPD, Rheinland-Pfalz) und lange Satzkonstruktionen ab 20 Wörtern, stellten die Stuttgarter Wissenschaftler fest. Die Wahlprogramme verstießen in allen drei Bundesländern gegen Verständlichkeitsregeln, erklärte der Leiter der Studie, Frank Brettschneider, am Montag.

Studienleiter: Verpasste Chance der Kommunikation

In dem langfristigen Forschungsprojekt wurden laut Uni CDU, SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke, die AfD und die Piratenpartei analysiert. Berücksichtig wurden die Parteien, die entweder im Deutschen Bundestag oder in mindestens drei Landtagen vertreten sind.

Allerdings seien nicht alle Passagen gleich unverständlich. "Gerade Einleitung, Schluss und die Kritik an den politischen Kontrahenten sind klar verständlich formuliert. Es sind vor allem die Fachabschnitte, die oft sehr kompliziert sind", sagte der Kommunikationsexperte.

Mit ihren nicht besonders lesefreundlichen Programmen verschenken die Parteien die Kommunikationschance mit den Bürgern, erklärte Brettschneider weiter. Zwar läsen nur wenige Menschen die Wahlprogramme komplett durch, doch sollten sie eigentlich dazu dienen, Wähler zu gewinnen oder zu halten. "Neben der formalen Verständlichkeit sollte es sich also von den Programmen der Gegner zumindest teilweise inhaltlich unterscheiden. Vor allem soll das Programm auf Themen hinweisen, die für die Partei erfolgversprechend sind."

Die Linke BW laut Studie mit verständlichstem Programm

Das Wahlprogramm der Linken in Baden-Württemberg ermittelten die Wissenschaftler als das formal verständlichste von allen. In Rheinland-Pfalz und in Sachsen-Anhalt landete die Partei jedoch auf dem letzten Platz. Deren Programm in Rheinland-Pfalz werteten die Wissenschaftler sogar als das insgesamt unverständlichste der drei analysierten Wahlen. An zweite und dritte Stelle bei der formalen Verständlichkeit kamen die SPD in Rheinland-Pfalz und die CDU in Baden-Württemberg.

Die Wahl in Baden-Württemberg