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Porträt Jörg Meuthen (AfD) Blitzkarriere am rechten Rand

Jörg Meuthen gehört zu den gemäßigten Stimmen in der umstrittenen AfD, die stark von der Flüchtlingskrise profitiert. Wer ist der Mann, der sich nicht eindeutig von radikalen Hetzern distanziert?

Persönliches

1961 in Essen geboren, verheiratet (in zweiter Ehe), fünf Kinder, katholisch, lebt in Karlsruhe

Werdegang
1984 - 1989 Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Mainz (Examen)
1993 Promotion über Kirchensteuer
Referent im Finanzministerium in Hessen
seit 1996 Professor an der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl
Parteikarriere
2013 Eintritt in die AfD
seit 2015 Vorsitzender des Bundesvorstands der AfD gemeinsam mit Frauke Petry
Vorsitzender und Sprecher des Landesverbandes der AfD in Baden-Württemberg, Spitzenkandidat für die Landtagswahl


Bürgerliches Feigenblatt?

Er sei das bürgerliche Feigenblatt der Alternative für Deutschland (AfD), sagen seine politischen Gegner. Der AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg bildet als Professor an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl künftige Bürgermeister aus. Der fünffache Vater gibt sich weltoffen und zugänglich. In der Sache ist er jedoch streng konservativ: Er steht zum "Leitbild der Familie mit Vater, Mutter, Kindern", Sexualkunde gehört für ihn nicht in die Schule, die Frauenquote ist überflüssig. Der "ideologische Gender-Quatsch" müsse seiner Meinung nach sofort beendet und mit der Energiewende Schluss sein.

Wahlkampf mit dem Flüchtlingsthema

Doch neben der Familien- und Schulpolitik ist die Flüchtlingspolitik sein eigentliches, zentrales Wahlkampfthema. Die "deutsche Leitkultur" drohe zu verschwinden und damit die europäische Aufklärung und die christlich-abendländisch geprägten humanistischen Werte. Meuthen, der einer von zwei Parteisprechern ist, zeigt sich zwar nicht glücklich, wenn sich Mandatsträger oder einfache AfD-Mitglieder ausländerfeindlich oder gar rassistisch äußern. Aber deswegen die Partei verlassen oder sein Vorstandsamt aufgeben? Nein, das will er nicht. Immer wieder muss er auch radikale Äußerungen seiner Parteikollegen rechtfertigen. Frauke Petry, mit der er gemeinsam die AfD führt, und ihre Ideen zur Grenzsicherung? Björn Höckes Rassentheorien? Klare Distanzierung mit allen Konsequenzen bei Meuthen? Fehlanzeige. Für den Katholiken gehört der Islam nicht zu Deutschland. Allerdings akzeptiere er "Menschen muslimischen Glaubens, die hier gemeinsam mit uns aufrichtig friedlich und gut integriert leben" als "Bestandteil unserer Gesellschaft".

Euro-Skeptiker und Liberaler

Er selbst bezeichnet sich als "Liberaler reinsten Wassers". Die AfD rechtspopulistisch? Er ordnet sie als rechtskonservativ und -liberal ein. Sein Lebenslauf bietet scheinbar beiläufig Anknüpfungspunkte an etablierte Parteien: als Jugendlicher verteidigte er Franz-Josef Strauß (CSU) auf dem Schulhof (um zu provozieren), mit 20 liebäugelt er mit der FDP, später ist er Mitglied einer Ortsgruppe der Jungen Union - er tritt aber in keine Partei ein. Bis 2013 - in die von Bernd Lucke mit gegründete AfD. Damals steht die Euro-Kritik im Fokus der jungen Partei. Euro-Skeptiker Meuthen will zwar die D-Mark nicht zwingend zurück, sieht sie aber als Ultima Ratio, wenn alles schief geht. Es kommt zum bekannten Zerwürfnis mit den Parteigründern. Mittlerweile bedauern ehemalige führende Parteimitglieder wie Hans-Olaf Henkel öffentlich, an der "monsterhaften Kreatur" mitgewirkt zu haben. Für Lucke ist die AfD längst "inhuman und nicht zu ertragen". Doch Meuthen, von dem man hätte annehmen können, dass er wegen seiner eher gemäßigten Töne damals mit Lucke und Henkel die Partei verlässt, zeigt sich kämpferisch.

Erklärtes Ziel: Oppositionsbank

Meuthen rechnet fest damit, mit einem zweistelligen Wahlergebnis ins baden-württembergische Parlament einzuziehen. Seine Wähler sieht er vor allem aus den Reihen der Nichtwähler sowie von der Bundespolitik frustrierter Christ- und Sozialdemokraten. Er gibt selbst zu, dass die AfD von Ängsten profitiert. Nachdem alle im Parlament vertretenen Parteien eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen haben, will Meuthen die Stimme der Opposition sein. Umfragen sehen die Partei derzeit bei zehn Prozent (Januar 2016).

Autorin: Susan Pfahlbusch

Die Wahl in Baden-Württemberg