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Porträt Nils Schmid (SPD) Partner im Schatten

Er leitet ein Superministerium, hat durchaus Erfolge vorzuweisen und kann doch in den Umfragen nicht punkten. Nils Schmid steht im Schatten des beliebten Landesvaters und will dennoch mit ihm weiterregieren.

Persönliches

1973 in Trier geboren, verheiratet, zwei Kinder, evangelisch, lebt in Reutlingen

Werdegang
1994 bis 1999 Studium der Rechtswissenschaften in Tübingen
(erstes juristisches Staatsexamen 1999, zweites juristisches Staatsexamen 2001)
2006 Promotion "Staatliches Liegenschaftsmanagement, Staatsverschuldung und Staatsvermögen"
Parteikarriere
seit 1991 Eintritt in die SPD
1993 bis 1997 Juso-Kreisvorsitzender in Esslingen
1993 bis 2011 Mitglied im SPD-Kreisvorstand Esslingen
1996 bis 1998 stellvertretender Juso-Landesvorsitzender in Baden-Württemberg
1999 bis 2010 Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Nürtingen
1997 Nachrücker in den Landtag von Baden-Württemberg, Wahlkreis Reutlingen
2001 bis Mai 2011 Finanzpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion
2006 bis Mai 2011 Stellvertretender Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion
Seit 2009 Landesvorsitzender der SPD Baden-Württemberg
Seit Mai 2011 Minister für Finanzen und Wirtschaft sowie stellvertretender Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg
Spitzenkandidat für die Landtagswahl Baden-Württemberg 2016


Klarer Sachverstand ohne Star-Allüren

Der 42-Jährige gilt als fleißig und sachkundig, an Fakten orientiert, detailgenau und seriös. Nils Schmid hat im starken Wirtschaftsland Baden-Württemberg, in dem die Steuereinnahmen sprudeln, durchaus Erfolge als Superminister für Wirtschaft und Finanzen vorzuweisen. Dennoch bleibt ihm die unliebsame Rolle des Vize hinter dem allseits beliebten grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Wohl auch deshalb, weil die lauten Töne und die große Bühne nicht sein Ding sind. Er teilt das Problem der Bundes-SPD, auch sie ist nur der kleine Koalitionspartner. Schmid selbst sieht sich und seine Partei als "Motor der Landeregierung", nur wird dies nicht überall so wahrgenommen. Dabei seien die Abschaffung der Studiengebühren, das Tariftreuegesetz und die Bildungszeit sozialdemokratische Erfolge. Gern verweist Schmid auch darauf, dass es vor ihm keinem Finanzminister gelungen sei, in der laufenden Legislatur viermal die Nullverschuldung zu erreichen.

Mehr als "Der kleine Nils"

Gerade einmal 37 Jahre alt war Schmid, als er in Kretschmanns Kabinett Superminister für Wirtschaft und Finanzen wurde. Die FDP verpasste ihm damals den Spitznamen "der kleine Nils", der ihm seither anhängt, aber keineswegs gerecht wird. Fast immer war er einer der jüngsten: Abitur mit glänzenden Noten, Prädikatsexamen als Jurist, Promotion, mit 24 Landtagsabgeordneter. Seit 2009 ist er SPD-Landesvorsitzender. 2011 hätte er einer der jüngsten Ministerpräsidenten werden können, doch die Reaktorkatastrophe im fernen Fukushima schrieb die Geschichte anders und brachte den ersten grünen Landeschef. Es fehle ihm an Charisma, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Dennoch hat Schmid Rückenwind durch die Partei, eine Mitgliederbefragung hatte er deutlich für sich entschieden.

Bodenständiger Familienmensch

Es ist bezeichnend, dass seine persönliche Musik-Playlist angeführt wird vom Titel "Wir ernten was wir säen" von den Fantastischen Vier. Den Glamour, den seine Parteifreunde bei ihm vermissen, verleiht ihm seine türkischstämmige Frau Tülay, die ihn im Wahlkampf unterstützt. Die Familie gibt ihm Halt, bedeutet ihm Geborgenheit und Glück. Sicher auch deshalb sind ihm familien- und bildungspolitische Themen zentrale Anliegen. Falls er weiteregieren darf, hat er sich eine Offensive für bezahlbaren Wohnraum und die garantierte Ganztagesbetreuung für Kinder vom ersten Geburtstag bis zum letzten Schultag auf die Fahnen geschrieben. Flüchtlinge will er nicht nur als Problem, sondern auch als Chance begreifen. Hier ist er auf Merkel-Kurs.

Weiter (Mit-)regieren

Die letzten schlechten Umfragewerte bezeichnete Schmid als "Schlag in die Magengrube". Dennoch sieht er sie als Ansporn zu kämpfen. Er will weiter mitregieren, am liebsten mit den Grünen, für die er sich klar ausgesprochen hat. Laut aktuellen Umfragen würde es derzeit jedoch nicht für eine grün-rote Mehrheit reichen. Und - anders als noch 2011 - ist die SPD derzeit weit davon entfernt, selbst den Regierungschef zu stellen. Dennoch könnte für Schmid nach der Wahl alles so sein wie vorher: Er könnte der Juniorpartner in der Regierung bleiben, im Zweifel dann auch mit der CDU.

Autorin: Susan Pfahlbusch

Die Wahl in Baden-Württemberg