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Porträt Guido Wolf (CDU) Der Herausforderer

Guido Wolf will den grünen Ministerpräsidenten stürzen und die CDU zu alter Macht bringen. Für den dichtenden Oberschwaben ist Baden-Württemberg ganz klar "Wolfs-Erwartungsland".

Persönliches

1961 in Weingarten geboren, verheiratet, kinderlos, katholisch, lebt in Tuttlingen

Werdegang
Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Konstanz
1988 - 1991 Landratsamt Tuttlingen (Amtsleiter, Rechts- und Verkehrsdezernent, kommissarischer Erster Landesbeamter)
1991 - 1993 persönlicher Referent von Verkehrsminister Dr. Thomas Schäuble, Leiter des Ministerbüros
1993 -1994 Richter am Verwaltungsgericht Sigmaringen
1994 - 1996 Staatsministerium Stuttgart, Referatsleiter in der Abteilung "Grundsatz und Planung"
Parteikarriere
seit 1985 CDU-Mitglied
1996 - 2003 Erster Bürgermeister Nürtingen
2003 - 2011 Landrat Landkreis Tuttlingen
seit 2006 CDU-Wahlkreisabgeordneter Tuttlingen-Donaueschingen im Landtag von Baden-Württemberg
2011 - 2015 Präsident des Landtags von Baden-Württemberg
2014 Mitgliederentscheid der CDU Baden-Württemberg wählt ihn zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl
seit 2015 Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg


Fest verwurzelt in Oberschwaben

Er kokettiert gern mit seinem Namen und macht sich die positiven Eigenschaften des stolzen Tieres gemein. Geboren und aufgewachsen ist Guido Wolf im katholisch geprägten Weingarten (Kreis Ravensburg). Jedes Jahr kann man ihn hier beim Blutritt hoch zu Ross sehen. Seiner Heimatstadt ist er treu verbunden, auch wenn er ausgerechnet hier seine erste politische Niederlage erfuhr, als er mit 30 Bürgermeister werden wollte, es aber nicht schaffte. Der 54-Jährige ist fest verwurzelt in Oberschwaben. Nicht weit weg, an der Universität Konstanz, hat er Jura studiert, war Verwaltungsbeamter, dann Richter am Verwaltungsgericht und ab 2003 Landrat in Tuttlingen.

Geschickter Netzwerker

Der Verwaltungsfachmann beruft sich gern auf seine kommunale Nähe, schließlich hat er damit als ehemaliger Erster Bürgermeister der Stadt Nürtingen und Landrat die meisten Erfahrungen machen können. 2006 zog Wolf in den Landtag ein und wurde 2011 dessen Präsident. Er ist ein geschickter Netzwerker, der die Basis sucht. In einer Mitgliederbefragung setzte er sich vor gut einem Jahr gegen seinen Konkurrenten Thomas Strobl durch und wurde damit Spitzenkandidat der CDU für die Landtagswahl. Spätestens jetzt wurde vielen klar, dass sie Wolf nicht auf den fröhlichen Gedichteschreiber in schwäbischer Mundart reduzieren können.

Konservatives Familienbild

Wolf ist mit der Inhaberin eines Geschäfts für Wohnaccessoires verheiratet. In der Familienpolitik ist er konservativ: Von der Homo-Ehe hält er nichts. Bei der Kinderbetreuung setzt er auf Wahlfreiheit. Ob Kita oder Betreuung zu Hause, beides soll möglich sein und finanziell unterstützt werden. Die Gemeinschaftsschule hält er für ein grün-rotes Prestigeobjekt - mit ihm soll es keine neuen geben. Dafür will er die Realschule stärken, setzt auf ein viergliedriges Schulsystem. In der aktuellen Debatte um die Flüchtlinge fällt es Wolf sichtlich schwer, ganz auf Merkel-Kurs zu gehen. Er muss sich absetzen von Amtsinhaber Kretschmann, der in dieser Frage als Grüner ungewöhnlich fest an Merkels Seite steht. Wolf warnt davor, die Integrationsfähigkeit der Gesellschaft zu überfordern. Der Rechtsstaat müsse zu 100 Prozent funktionieren, so der Jurist.

Den Chefsessel als klares Ziel

Beim Parteitag in Rust machte er klar, dass er sich für Macht und Amt nicht verbiegen lassen will: Er bleibe Guido Wolf. So sei er Bürgermeister, Landrat, Abgeordneter, Landtagspräsident und Fraktionschef geworden. Und nun könnte er im März der nächste Regierungschef werden. Allerdings herrscht im Land derzeit keine Wechselstimmung, Wolfs Wunschpartner FDP ist schwach und die AfD nimmt ihm viele Stimmen ab. Klare Mehrheiten sind nicht in Sicht. Aber immer noch ist die CDU in den Umfragen stärkste Kraft. Gleich nachdem Wolf Spitzenkandidat wurde, rief er Baden-Württemberg zum "Wolf-Erwartungsland" aus. Er hofft, dass am 13. März dieser Wunsch Wirklichkeit wird.

Autorin: Susan Pfahlbusch

Die Wahl in Baden-Württemberg