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Farbenwechsel in BW Aus Rabenschwarz wird Froschgrün

Der Blick auf die Wahlkreiskarte zeigt ganz deutlich: Wo früher schwarze Bezirke waren, ist nun alles grün eingefärbt. Selbst traditionelle CDU-Hochburgen gingen an die Grünen.

Wahlkreiskarte

Die Ergebnisse in den Wahlkreisen zeigen eine neue Färbung

Die Grünen haben bei der Landtagswahl ein historisch gutes Ergebnis eingefahren. Zum ersten mal stellen sie die stärkste Partei im baden-württembergischen Landtag. Das hat sicher viele überrascht, nicht zuletzt die Grünen selbst. Und die Stimmen kamen offenbar von der CDU.

Beispiel Baden-Baden: Schon immer wird hier traditionell CDU gewählt. Ein anderer Direktkandidat hatte noch nie eine Chance. Und nun das: Beate Böhlen holt für die Grünen das Direktmandat. Auch im Wahlkreis nebenan, Rastatt, sieht es nicht anders aus. Hier holt Kirsten Lehnig für die Grünen die meisten Stimmen.

Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und Grünen

Ein Blick auf die Wahlkreisergebnisse zeigt, dass weite Teile Baden-Württembergs, die sonst schwarz eingefärbt waren, nun grün sind. Und es lässt sich noch etwas herauslesen: In vielen Wahlkreisen gab es zwischen dem CDU- und dem Grünen-Kandidaten ein richtiges Kopf-an-Kopf-Rennen. Das zeigt sich an der hohen Anzahl von Wahlkreisen, in denen etwa 30 Prozent der Stimmen jeweils auf Grüne und CDU entfielen. Und da hatte dann oft der Grünen-Kandidat die Nase vorn, wenn auch nur knapp.

Starke Zuwächse auf dem Land

In den Großstädten waren die Grünen schon immer stärker, legten nun aber zum Teil nochmal zu. Allerdings verglichen mit den Gesamtzahlen scheint sich hier ein Ende des Grünen-Stimmenzuwachses abzuzeichnen, denn der Zuwachs in den Großstädten verlief oft unterdurchschnittlich. So holten die Grünen zwar in Stuttgart nun alle vier Direktmandate, legten aber gerade einmal zwischen -0,1 und +3 Prozent zu. Aber Fakt ist: Auch die letzte Bastion der CDU im Stuttgarter Norden haben die Grünen diesmal erobert.


Der Kretschmann-Effekt

Aber auch auf dem Land holten die Grünen viele Direktmandate. Dort legten sie sogar oft überdurchschnittlich zu - mit Stimmenzuwächsen von teilweise mehr als zehn Prozent. Grund ist sicher die landesweite Popularität von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Der so genannte Kretschmann-Effekt zündete unter anderem auch in seiner Heimat: Im Wahlkreis Sigmaringen verwies die grüne Kandidatin Andrea Bogner-Unden den CDU-Landtagsabgeordneten Klaus Burger auf die Plätze. Die vierfache Mutter hatte nicht mit einem Wahlsieg gerechnet und ihre Party im heimischen Wohnzimmer ausgerichtet.

"Gegen Winfried Kretschmann verloren"

So überraschend wie sie traf es einige Grüne - und viele CDU-Kandidaten müssen nun ebenso überrascht ihre Wunden lecken. Sie habe nicht gegen den Grünen-Kandidaten, sie habe "gegen Winfried Kretschmann verloren", sagte es denn auch eine CDU-Kandidatin am Wahlabend treffend. Und Baden-Württemberg färbt sich grün.

Die Landeszentrale für politische Bildung spricht davon, dass die Grünen in Baden-Württemberg "das Format einer Volkspartei" erreicht haben - zumindest mit Winfried Kretschmann an der Spitze. Was dann in einer Zeit Nach-Kretschmann sein wird - darüber lässt sich derzeit allerdings nur spekulieren.

Die Wahl in Baden-Württemberg