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Sicherheitsfirmen in Villingen-Schwenningen Kampf ums Revier?

Mittlerweile scheint klar: Die Granate, die vor einer Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen aufschlug, war Teil eines Kampfes zwischen Sicherheitsfirmen. Es ging wohl um Gebiete.

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1:21 min | Mi, 10.2.2016 | 18:00 Uhr | SWR Fernsehen BW

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Handgranatenwurf in Villingen-Schwenningen

Streit unter Sicherheitskräften

Der Handgranaten-Wurf auf das Gelände einer Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen war nicht fremdenfeindlich motiviert. Hintergrund war möglicherweise ein Konflikt zwischen Sicherheitsdiensten.

Nach Recherchen des SWR soll es Absprachen zwischen mehreren Sicherheitsdiensten gegeben haben, wer für welche Bereiche in der Region Angebote abgibt. Die Tuttlinger Firma "Ever Safe", auf deren Wachcontainer bei der Villinger Flüchtlingsunterkunft der Anschlag verübt wurde, soll sich an diese Gebietsabsprachen nicht gehalten haben. Die Männer, die den Handgranaten-Wurf ausgeführt haben, sollen nach SWR-Recherchen eigens für diese Tat aus Osteuropa angeworben worden sein. Die Staatsanwaltschaft Konstanz wollte diese Information nicht bestätigen.

Die Firma "WSC" in Rosenfeld, die als zweiter Sicherheitsdienst in Villingen im Einsatz ist, hat sich gegenüber dem "Zollernalbkurier" von den Vorgängen distanziert. "Wir haben eine weiße Weste", erklärte die Geschäftsleitung laut dem Zeitungsbericht.

Am 29. Januar war eine mit Sprengstoff gefüllte Granate vor dem Container der Wachleute aufgeschlagen, aber nicht explodiert. Verletzt wurde niemand.

Verbrechen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz

Ein Modell der Handgranate M52 aus dem ehemaligen Jugoslawien steht am 29.01.2016 in Villingen-Schwenningen während einer Pressekonferenz.

Eine solche Handgranate lag im Hof der Flüchtlingsunterkunft

Die Polizei hat am Mittwoch bei mehreren Sicherheitsfirmen in den Kreisen Tuttlingen und Schwarzwald-Baar Durchsuchungen vorgenommen und Beweismaterial sichergestellt. Darüber hinaus gab es von Seiten der Ermittler bislang nur die Auskunft, es werde noch untersucht, ob es sich bei dem Angriff um eine persönliche Abrechnung wegen möglicher Schulden oder um Machtkämpfe im Sicherheitsbereich handelt. Die von der Sonderkommission "Container" ermittelten vier Verdächtigen im Alter zwischen 22 Jahren und 37 Jahren sollen mehrheitlich einen osteuropäischen Migrationshintergrund haben. Die Polizei vermutet, dass sie der regionalen Rockerszene angehören.

Villingen-Schwenningen gilt als Rocker-Schwerpunkt. 2004 wurde hier die rockerähnliche Gruppierung United Tribuns gegründet, deren Anhänger besonders in der Zuhälterei und im Menschenhandel auffallen. Verboten ist die Gruppierung aber nicht.

Bundesverband der Sicherheitswirtschaft fordert gesetzliche Regeln

Der Oberbürgermeister von Villingen-Schwenningen, Rupert Kubon (SPD), forderte Konsequenzen. In der Sicherheitsbranche habe es zuletzt einen großen Zuwachs gegeben. "Da gibt es offensichtlich auch mehr als nur schwarze Schafe", sagte Kubon. Für die Aufsicht der Wachleute in Villingen-Schwenningen ist das Regierungspräsidium Freiburg zuständig.

Bei der Handgranate handelte es sich um ein jugoslawisches Produkt vom Typ M52. Solche Waffen werden normalerweise in Kriegen eingesetzt. Die tödliche Wirkung erstreckt sich laut Landeskriminalamt auf ein Umfeld zwischen 10 und 20 Metern. Nicht nur der Druck durch den Sprengsatz gilt als verheerend, sondern auch die Splitter. Als scharf gelten Granaten allerdings nur, wenn sie neben dem Sprengstoff auch einen Zünder haben. Im Fall von Villingen-Schwenningen ist das bislang noch unklar.


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